Bad Kissingen — Schon zum 22. Mal in Folge wurde Laudensacks Gourmetrestaurant jetzt vom international führenden Restaurantführer Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. "Damit sind wir in ganz Franken das Haus mit der längstjährigen Stern-Auszeichnung", freut sich Gastronom Hermann Laudensack (57). Schon 1983, im vierten Betriebsjahr von Laudensacks Parkhotel & Spa (Kurhausstraße 28), durfte er sich erstmals mit dem begehrten Michelin-Stern schmücken.
Neben dem Chef des Hauses verdankt das Restaurant seine Auszeichnung vor allem Küchenchef Frederik Desch (39) und Sommelier Thomas Hüttl (34). "Wenn Frederik Desch mit seiner Küchenbrigade am Werk ist", so liest man im aktuellen Guide Michelin, "steht ganz klar das Produkt und dessen Eigengeschmack im Mittelpunkt. Der Stil ist angenehm geradlinig, auf Chichi verzichtet man."
Doch nicht nur die Qualität des Essens, auch die erlesene Weinkarte mit ihrem persönlichen Charakter (eine Traube) wird gelobt. Für die Weine ist seit ein paar Jahren der 34-jährige Sommelier und Restaurantchef Thomas Hüttl verantwortlich. Allein 62 Frankenweine findet der Gast auf der Weinkarte. "Nicht jedes Sterne-Restaurant wird mit einer Traube ausgezeichnet", ist Laudensack auch darauf stolz.
Nicht vergessen wird im Michelin die Würdigung des behaglichen Restaurants und des "kompetenten Serviceteams" (zwei Bestecke). Eine Fachkraft und vier sorgfältig ausgewählte Auszubildende unterstützen hier den Restaurantchef. "Alle Mitarbeiter müssen unsere Gäste begeistern", betont Laudensack mit Nachdruck.
Die Mitarbeiterauswahl ist deshalb auch Chefsache. Jährlich arbeiten bei Laudensack acht Azubis, vier in der Küche und vier im Restaurant. Natürlich hat es Hermann Laudensack mit dem Renommee seines Restaurants bei der Auswahl unter den Bewerbern etwas leichter, da junge Menschen mit Interesse für die Gastronomie sich zuerst in Sterne-Restaurants bewerben. "Es ist trotzdem nicht einfach, Jugendliche zu finden, die wirklich für die Gastronomie begeistert sind", klagt der Arbeitgeber. Von seinen vier angehenden Köchen kommen nur zwei aus der Region (Bad Neustadt, Poppenlauer), die beiden anderen aus Oberursel im Taunus und aus Limburg an der Lahn.
Nach 22 Jahren als Sterne-Gastronom blickt Laudensack heute etwas gelassener in die Zukunft. "Als ich 1993 meinen ersten Stern bekam, habe ich noch geweint vor Glück." Damals hatte der Michelin-Stern allerdings eine viel stärkere wirtschaftliche Auswirkung als heute. "Immerhin gab es 1993 in der Bundesrepublik nur 162 vom Michelin ausgezeichnete Restaurants, heute sind es schon 282 Häuser in ganz Deutschland." Wirtschaftlich konnte es also damals nur aufwärts gehen: Der Stern füllte die 32 Betten seines Parkhotels und das Hotel füllte das Restaurant.
"Wir kochen für unsere Hotelgäste auf Sterneniveau", ist Laudensacks Motto. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Auch nach 22 Jahren bemüht er sich nicht um einen zweiten Stern. "Ich will keinen zweiten." Was bescheiden klingt, ist jedoch knallhartes Kalkül: "Mit meinem kleinen Hotel fülle ich kein Zwei-Sterne-Restaurant." Dann rechnet er vor: "Ein Zweier-Tisch bestellt bei uns pro Abend für 250 Euro, im Zwei-Sterne-Restaurant müssten es 350 Euro sein. Das gibt mein kleines Hotel nicht her."