Seit vielen Jahren stehen auf dem Grünstreifen vor dem Anwesen von Herbert Holzheimer in Langenleiten einige seiner Werke, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. Sie verschönern den Ort und zeigen den Gästen gleich, dass sie sich hier in einem Künstlerdorf  befinden.

Holzheimers Figuren sind quasi die Eröffnung zum anschließenden Kunstanger, der sich durch den gesamten Ort zieht. Dem aufmerksamen Betrachter fällt nun auf, dass die Figuren sich verändert haben. Sie haben Farbe bekommen, und es sind einige neue Figuren hinzugekommen. Sofort ins Auge fallen die drei Buben. Sie standen schon vorher auf ihrem Platz, doch nun haben sie braune Hosen und Jacken an. Der Strumpf des einen ist aufgerissen und zeigt ein blutiges Knie. Zwei der Buben haben Holzschuhe an, der dritte lederne Schnürstiefel. Die Rhöner, oder genauer gesagt, Fuldaer Buben, hat Herbert Holzheimer nach einer Vorlage aus dem Rhönkalender vor vielen Jahren nachgearbeitet. Er ist nicht der erste und einzige Künstler, der die Jungs in den verschiedensten Größen und Materialien schon interpretierte. Die Originalaufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1932 und zeigt drei Jungs auf dem Markt in Fulda.

Rhöner Bauer in Holzschuhen

Ein paar Schritte weiter steht eine neue Figur. Lebensgroß zeigt sie einen Rhönern Bauern in Holzschuhen, der eine Feierabendpfeife in der Hand hält. "Es ist Friedrich Weber aus Kleinsassen", erinnert sich Holzheimer. Er war ein großer Freund der jährlichen Kunstwoche in dem Künstlerdorf in der hessischen Rhön und schaute Tag für Tag bei Holzheimer, der dort ausstellte, vorbei. Die Bronzeplastik wurde 1991 in Kleinsassen am Brunnen vor Webers Wohnhaus aufgestellt. Die Form der Plastik hat Herbert Holzheimer all die Jahre auf seinem Dachboden gelagert. Nun hat er einen Zweitguss anfertigen lassen, aber nicht in Bronze, sondern in Kunstharz.

Spaß am Bemalen gefunden

Seit einiger Zeit räumt Herbert Holzheimer sein Lager aus: "Ich kann nicht alles aufheben. Es hat sich im Laufe der Jahre so viel angesammelt." Von seinen schönsten und liebsten Stücken lässt er Zweitgüsse anfertigen, die er vor seinem Haus, aber auch im Hof und Garten ausstellt. Viele von ihnen hat er nun bemalt - "das letzte Vierteljahr habe ich viele Figuren bemalt. Ich habe Spaß daran gefunden." Zu den Figuren, die neu in der Freiluftausstellung zu sehen sind, zählt die alte Frau neben Friedrich Weber. Sie hat im Grunde nichts mit ihm zu tun. Es war ein privater Auftrag für eine trauernde Oma, die der Bildhauerin Käthe Kollwitz nachempfunden wurde.

Wie die drei Buben sind auch die zwei Heidelbeersammlerinnen keine Unbekannten. Sie stehen schon seit drei oder vier Jahren vor dem Anwesen Holzheimer und wurden nun bemalt. Die Körbe voll mit blauen Beeren. Nach einem Farbfoto bemalte Herbert Holzheimer die beiden Frauen aus Stangenroth auf ihrem Weg zum Kirchgang, nicht fehlen darf der Rosenkranz und das Gesangbuch. Dieses Paar stand seit gut acht Jahren im Hof und wurde nun an die Straße gestellt. "Es war aufwendig, die Tracht zu malen. Die geblümten Kopftücher und Schürzen." In mehreren Schichten musste Herbert Holzheimer hier arbeiten. Die Witterung habe den beiden Damen schon zugesetzt. Die Farbe sieht Holzheimer nun als zusätzlichen Schutz an. Neu sind die beiden Rhöner Bauern beim Viehhandel. Wie es sich gehört, wird der Kauf mit Handschlag perfekt gemacht. Die Sau und das Geld wechseln den Besitzer. Auf Details hat Herbert Holzheimer bei den beiden Männern Wert gelegt, den Schnurrbart, die Mützen und das verschmitzte Lächeln mit den Falten um die Augen. Im Hof hat Herbert Holzheimer weitere neu Skulpturen ausgestellt. Wobei, so neu sind sie eigentlich gar nicht. Sie stammen aus seiner Studentenzeit an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg, Anfang der 1980er Jahre, und lagerten bisher ebenfalls im Archiv.

Unterschiedliche Materialien

Ganz unterschiedliche Materialien stellt Holzheimer aus: Kunstharz, Beton, Stein, Gips, Holz und Terrakotta. Wenn durch die Witterung nun das eine oder andere nicht erhalten werden kann, dann sieht er das als durchaus natürlichen Prozess an. "Es gehört zum Aufräumen auch dazu."

Sein Skulpturenhof in der Lindenstraße 112 in Langenleiten kann jederzeit besichtigt werden. Seit die Figuren an der Straße Farbe erhalten haben, kommen deutlich mehr Besucher,  hat Herbert Holzheimer beobachtet. "Es sind oft Wanderer, die auf dem Hochrhöner kommen, die Figuren sehen, anhalten und fotografieren."