Der Heimatverein will bei den Botenlauben-Festspielen im September die orientalische Vergangenheit des Grafenpaares herausstellen. Verschiedene Veranstaltungen stimmen auf das Motto "Zwischen Orient und Okzident" ein. "Burgkoch" Josef Schmitt ist jetzt Ehrenmitglied.
"Ich bin nur ein kleines Rädchen im Getriebe des Vereins", sagte Josef Schmitt, den alle nur "Seppl" nennen, nach der Ernennung.
Vorsitzender Werner Vogel hatte das in seiner Laudatio ganz anders gesehen und dem "Burgkoch von Botenlauben" zugerufen: "Weil du stets wie selbstverständlich Verantwortung übernommen hast und noch immer unermüdlich für unsere gemeinsame Sache einstehst, ernennen wir dich zum Ehrenmitglied." Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden außerdem Vera und Georg Renninger, Beatrix und Reinhold Schädlich sowie Marion und Jürgen Scheit geehrt.
Auch sonst gab es Erfreuliches zu vermelden bei den Heimatfreunden aus dem Stadtteil am Fuß der Burg. Der Rechenschaftsbericht in Bildern schilderte ein ereignisreiches Jahr.


Dorffest mit Theaterpremiere

Werner Vogel berichtete vom Unterhalt des Museums Heimatstube im Alten Rathaus, von der Toilettenanlage und vom Fahnenschmuck auf Burg Botenlauben sowie der Pflege der Elisabethkapelle. Auch das Dorffest und die große Beteiligung beim Rakoczyfestzug waren Thema. Stellvertreter Ludwig Metz lobte die Handwerker, die die Rakoczywägen umgebaut und verkehrssicher gemacht haben.
Die Tanzgruppe sucht neue Tänzer für das Burgfest und bietet dazu Projektwochen an. "Mittelalterlich tanzen" heißt es von Mai bis Juli jeweils dienstags in der Schulturnhalle. "Traut euch und sagt es euren Freunden: Mittelalterlich tanzen macht Riesenspaß", meinte Metz.
Die 29. Botenlauben-Festspiele sollen wieder zum glanzvollen Höhepunkt des Vereinsjahres werden und lebendige Stadtgeschichte am Originalschauplatz zeigen. Neben den großen Attraktionen Minnekonzert im Rüsthof, Freilichtspiel auf der Naturbühne, Nachtmysterium auf der Hohen Zinne und dem Minnesängerwettstreit auf der Naturbühne, werden auch Ritterkämpfe zu sehen sein, und Tanz, Gaukelei und ein Zünftemarkt die Besucher erfreuen.
Für die Kinder wird die Burg beim Kindergaudium zum Abenteuerspielplatz, und die Besucher dürfen sich auch auf "fürtrefflich Speyss und Trank" freuen.
Vor zwei Jahren standen die Lieder des Minnesängers im Mittelpunkt. In diesem Jahr will der Heimatverein die orientalische Vergangenheit des Botenlaubers besonders herausstellen. Der Henneberger Graf war 1197 als Kreuzfahrer ins Heilige Land gezogen, hatte dort die Markgräfin von Edessa, Beatrix von Courtenay, geheiratet und war 20 Jahre im Orient geblieben.
Bei Cyriakus Spangenberg, dem Chronisten der Henneberger, nennt Otto von Botenlauben seine Beatrix "... Kleinod aus dem Morgenland" und "... mein Gold aus Syrien".


Zwischen Orient und Okzident

Diese Geschichte werden die Bewohner des Flüchtlingsheims am Ballinghain in Reiterswiesen am Fuß der Burg nicht kennen, aber weil auch Beatrix als Fremde gekommen ist und auf Botenlauben Fuß gefasst hat, wollen die Heimatvereinsmitglieder des Helferkreises besonders den Syrern die Geschichte näherbringen und sie einladen, im Orientlager beim Burgfest mitzuwirken. Die Festspiele stehen auch deshalb unter dem Motto "Zwischen Orient und Okzident".
Einige Veranstaltungen des Heimatvereins sollen Appetit machen auf die festlichen Tage im September. So können schon am kommenden Wochenende im Museum Heimatstube im Alten Rathaus von Reiterswiesen die Besucher dem Burgkalligraphen "Meister Runold" über die Schulter schauen. "Mit Federkiel und Dornentinte" ist die Sonderausstellung überschrieben, die Lieder des Otto von Botenlauben, kunstvoll auf Pergament geschrieben, zeigt.
Das Leben von Burgfräulein und Ritter ist auch Thema der Zelttheaterwoche der Stadt im Mai. In der Au werden die Botenlauber mit Zelten und Aktionen für mittelalterliches Flair sorgen und Lust auf das Burgfest machen.
Auch die Vorstellung der neuen CD mit dem Titel "Singet, Vogel, singet", mit Liedern des Otto von Botenlauben, die Knud Seckel, der künstlerische Leiter der Festspiele und Darsteller des Minnesängers, aufgenommen hat, führt in die Blütezeit des Mittelalters. In der Klosterkirche Frauenroth, der letzten Ruhestätte des Grafenpaares, werden seine Lieder erklingen und einstimmen auf das Minnekonzert im Rüsthof der Burg bei den Botenlauben Festspielen.