Er stammt aus einer Handwerksfamilie und braucht die Arbeit mit den Händen, sagt Markus Fleckenstein über sich. Deshalb habe er lange nach einem alten Gebäude gesucht. In Euerdorf wurde Fleckenstein dann vor einigen Jahren fündig. Nun besitzt er gleich drei historische Bauten: das Amtsgericht, die Fronfeste und die Zehntscheune.

Mindestens einen Tag pro Woche nimmt sich der Landschaftsarchitekt aus Lohr Zeit, um Materiallieferungen entgegenzunehmen, mit
Handwerkern den weiteren Arbeitsablauf abzusprechen und natürlich auch selbst anzupacken. "An erster Stelle steht das Amtsgericht", sagt Fleckenstein. Das Obergeschoss ist schon fertig, seit drei Wochen ist die Sanierung des Erdgeschosses an der Reihe.

In den 70er Jahren, nach der Zeit als Amtsgericht, später Gendarmerie und Ortspolizei, wurden das Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut. Viele kleine Räume entstanden, die den ursprünglichen Grundriss zerschnitten. Daher hat Fleckenstein das Haus entkernt. "Wir haben das Mauerwerk auf die Bausubstanz von 1822 zurück geführt. Dafür haben wir insgesamt 50 Meter Wand herausgebrochen."

Wohnungen schnell vermietet

Zwei neue Wohnungen wurden eingerichtet. Sprossenfenster geben der Fassade im Obergeschoss die unaufdringliche, harmonische Anmutung früherer Tage.

Der Aufwand macht sich bezahlt: Fleckenstein bekommt am 25. Juli für den Erhalt der historischen Bausubstanz den Förderpreis der Unterfränkischen Kulturstiftung. Außerdem sind die beiden Wohnungen längst vermietet. Interessenten hätten sich schnell gefunden, obwohl die Miete leicht über dem Durchschnitt liege. "Es hat keine Woche gedauert", berichtet der 33-Jährige. Das liegt vielleicht daran, dass jede der beiden Wohnungen einen Kaminofen hat.

Das Preisgeld von 25 000 Euro will Fleckenstein nun in den Umbau des Erdgeschosses stecken. Dort sollen im kommenden Jahr ebenfalls zwei Wohnungen fertig werden. Fleckenstein verspricht einige besondere Ausstattungsdetails. So soll in einer der beiden Wohnungen der frühere Gerichtssaal hergerichtet werden.

Der 33-Jährige schätzt an alten Gebäuden vor allem das gute Raumklima. Auch das Klima zwischen dem Landschaftsarchitekten und der Denkmalpflege passt offensichtlich. Nicht nur der Preis beweist das. Fleckenstein sagt: "Ich habe mit dem Kreisbaumeister und dem Landesamt nur positive Erfahrungen gemacht".

Der Altbauliebhaber selbst hat die Fronfeste zu seinem zweiten Wohnsitz gemacht. Sie zeigt spätgotische Element, wobei die Ursprünge wohl ins 13. Jahrhundert reichen. Das dritte Gebäude in dem Ensemble ist die Zehntscheune. Im Obergeschoss will sich der Landschaftsarchitekt ein Büro einrichten, das Erdgeschoss soll einem Künstler Platz bieten.

Doch erst einmal müssen auf dem Dach die Absaugkamine des früheren BayWa-Lagers demontiert werden, damit es neu gedeckt werden kann. Fleckenstein dirigiert einen Staplerfahrer, der Biberschwanzziegel von einem Lkw ablädt, auf sein Anwesen.