Glenn Millers Musik hat auch nach 72 Jahren nichts an Beliebtheit eingebüßt. Noch immer zieht die Musik des 1944 über dem Ärmelkanal verschollenen Musikers und Bandleaders scharenweise die Zuhörer an. So auch jetzt beim Konzert des Glenn Miller Orchestra mit dem musikalischen Leiter Wil Salden im Großen Saal des Regentenbaus.
Glenn Miller gründete eine Big Band, die zum Inbegriff des Swing wurde.
Die spezielle Instrumentierung und die raffinierten Arrangements waren charakteristisch für den unverwechselbaren Sound des Orchesters und entscheidend für seinen Erfolg. Auf beides legte Miller besonderen Wert.


In Europa einigartig

Den Originalnamen und die Originalarrangements von Glenn Miller dürfen weltweit nur drei Orchester führen und interpretieren. Seit 1985 leitet der Niederländer Wil Salden exklusiv in Europa eine Big Band unter diesem Namen.
Was macht den "Glenn-Miller-Sound" aus? Dem Gerücht nach soll sich der erste Trompeter bei einem Konzert an der Lippe verletzt haben, sodass die Klarinette die Trompetenstimme übernehmen musste. Der typische "Glenn-Miller-Sound" entsteht durch verschiedene Gruppen von Instrumenten, die in der Big Band zusammenkommen und spielen: Im Kern der Band vier Saxophone und eine führende Klarinette, dann die Posaunen und Trompeten, Bass und Schlagzeug und last, but not least das Klavier. Im Hinblick auf die Arrangements war Glenn Miller besonders begabt: Er war ein Perfektionist, der Kompositionen - seine eigenen und die anderer Musiker - so interpretierte und arrangierte, dass sie exakt seinen Klangvorstellungen und damit dem Sound des Orchesters entsprachen.
Das Glenn Miller Orchestra, unter der Leitung von Wil Salden, nutzt diese Arrangements bis zum heutigen Tag und bringt sie bei den Konzerten originalgetreu zum Klingen.
Das Erstaunliche daran: Der typische Glenn-Miller-Sound ist auch heute so frisch und mitreißend wie am ersten Tag. Und so erklangen berühmte Glenn-Miller-Werke wie "Moonlight Serenade", "Tuxedo Junction", "In The Mood" oder "Moonlight Serenade", aber auch bekannte Werke anderer Komponisten wie "On The Sunny Side Of The Street" oder "A String of Pearls". Die 15 Musiker und Wil Salden am Klavier intonierten ihre Stücke in bewundernswerter Perfektion. Nichts war dem Zufall überlassen, sogar die sogenannten Chorusse, wurden nicht frei improvisiert, sondern waren in den Arrangements bereits vorgegeben. Aber diese Bearbeitungen hatten es in sich. In einem neuen schmissigeren Gewande, rissen sie die Zuhörer geradezu mit. Wil Salden und seinem Orchester gelang es dabei, die Musik ihres großen Vorbildes virtuos wiederzugeben und den Swing der 30-er und 40-er Jahre im neuen Glanze erstrahlen zu lassen.
Auch die Bandsängerin Ellen Bliek bescherte mit einer wunderschönen Stimme und Songs im "Glenn Miller Sweet Sound" Gänsehaut. Ein Konzert, das unter die Haut ging.