Am 7. Mai wählen die Bürger des Marktes einen neuen Bürgermeister. Der Aschacher Andreas Sandwall von der CSU ist der einzige Kandidat - und kein unerfahrener. Er ist Abteilungsleiter im Kommunalunternehmen Abfallwirtschaft des Landkreises Bad Kissingen. Seit 15 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich als zweiter Bürgermeister der Gemeinde. Zudem hat er die vergangenen 18 Monate Wolfgang Back, den bisherigen Rathauschef, vertreten. Somit könnte der 46-Jährige der Wahl und seiner möglichen Zukunft als erster Bürgermeister entspannt entgegen sehen. Doch das tut er nicht.

Herr Sandwall, Sie sind der einzige Bürgermeisterkandidat. Führen Sie nicht einen langweiligen Wahlkampf, so ganz ohne Herausforderer?
Andreas Sandwall: Ich bin so an die Sache herangegangen, als gäbe es zwei, drei Kandidaten. Nun, nachdem kein weiterer feststeht, ziehe ich mein Ding durch, halte bewusst meine Versammlungen in jedem Ort. Das bin ich den Bürgern schuldig. Wichtig ist, dass möglichst alle wählen gehen. Dennoch bin ich mir bewusst: Wer mich nicht mag, der wählt mich nicht.

Welche Visionen für den Markt Bad Bocklet haben Sie?
Das Wort Vision mag ich nicht. Wer Visionen hat, der muss zum Arzt, sag' ich immer. Als Bürgermeister kann man lediglich eine Richtung vorgeben. Doch man sollte dabei nicht zu weit nach vorne blicken, sondern kleine Etappen wählen.

Warum?
Weil man viel konkreter planen kann. Das habe ich in meiner Zeit bei der Abfallwirtschaft gelernt. Man behält so den Überblick. Außerdem weiß ich, dass nicht immer alles klappen kann, dass man sich auch mal die Finger verbrennen muss.

Welche Etappen haben Sie für den Markt Bad Bocklet vorgesehen?
Hier in Aschach nehmen wir demnächst die Von-Henneberg-Straße in Angriff. Der Kanal wurde befahren. Jetzt muss festgelegt werden, was außerdem saniert und umgebaut wird, unter anderem die Straße und der Gehweg. Zudem gibt es Überlegungen, die Bushaltestelle ans Schloss zu verlegen.

Warum?
Ich könnte mir vorstellen, dort eine Art Busbahnhof einzurichten. Schließlich halten auf dem Parkplatz am Schloss bereits mehrere Busse, und die Kinder sind weg von der Straße. Das hat sich bewährt, das ist eine gute Lösung.
Haben Sie keine Bedenken, Ärger mit den Aschachern zu bekommen?
Angst vor Kritik habe ich keine, denn die gibt es immer. Das habe ich in den 15 Jahren, die ich Zweiter Bürgermeister bin, gelernt. Wichtig ist, dass wir bei den Entscheidungen, die wir für die Von-Henneberg-Straße treffen, die Anwohner mitnehmen. Ich denke, wir werden im Vorfeld eine Bürgerversammlung abhalten, auch, um Impulse von den Bewohnern zu bekommen.

Welche Vorhaben stehen in den anderen Ortsteilen des Marktes an?
In Steinach wollen wir damit beginnen, das Baugebiet "Am Salzforst" zu erschließen. Die Planungen sind nahezu abgeschlossen.

Wieso soll ein neues Baugebiet entstehen? Gibt es denn im Dorfkern Steinachs keine Leerstände?
Doch schon, aber für uns als Kommune ist es ein Spagat, einerseits die Innenentwicklung der aussterbenden Ortskerne voranzutreiben und andererseits den Wünschen nach neuen Bauplätzen gerecht zu werden.

Wie wollen Sie das lösen?
Wir werden das geplante Baugebiet nur zum Teil erschließen. Deshalb wollen wir vorher bei den Bürgern konkret nachfragen, wie viele Bauplätze benötigt werden. In den Dorfkernen könnte ich mir vorstellen, kleine Quartiere zu bilden.

Wie sollen diese aussehen?
Dafür müssten wir vier, fünf alte beieinanderliegende Anwesen aufkaufen und neu überplanen. So können auch mitten im Dorf ganz moderne Häuser entstehen. Wir dürfen das Geld nicht nur draußen in die Flur stecken.

Wie soll es mit der Kur in Bad Bocklet weitergehen?
Ihre Zukunft steht außer Frage, denn sie sorgt für viele Arbeitsplätze, erzeugt eine Wertschöpfungskette in der Region. Der Konsortialvertrag mit dem Freistaat wurde erst vor Kurzem bis 2030 verlängert. Nicht zuletzt, weil er rund zehn Millionen investiert. Zwar gehen durch die Bauarbeiten am Kurmittelhaus die Übernachtungszahlen kurzfristig runter. Jedoch profitieren wir langfristig.

Was planen Sie für Großenbrach?
Das Gewerbegebiet dort ist auch ein wichtiges Standbein, bringt uns viele Gewerbesteuereinnahmen. Eine Weiterentwicklung ist aber nur schwer möglich, da es fast voll ist. Außerdem können wir hier nicht alles zubauen, sondern müssen auf die Landwirtschaft und den Heilquellenschutz Rücksicht nehmen. Mir ist wichtig, dass alle angesiedelten Gewerbebetriebe dort bleiben. Da auch hier der Wunsch nach Bauland groß ist, eruieren wir mit einem Planungsbüro mögliche Flächen.

Wolfgang Back hat als Bürgermeister gut vorgelegt. Wollen Sie in seine Fußstapfen treten?
Das wäre zu einfach. Ich bin ein anderer Typ, habe andere Sichtweisen. Ich habe viel von Wolfgang gelernt, aber inzwischen ein eigenes Netzwerk aufgebaut. Ich möchte meine eigene Spur hinterlassen.

Wie haben Ihre Kinder auf Ihre Entscheidung reagiert, sich der Bürgermeisterwahl zustellen?
Sie reagierten positiv, denn sie kennen es nicht anders. Als ich 2002 zweiter Bürgermeister wurde, war mein ältester Sohn gerademal ein Jahr alt.

Warum sind Sie in die Kommunalpolitik gegangen?
Ich hatte damals einen Kreuzbandriss und konnte nicht mehr Fußballspielen. Dabei war das mein Hobby. Also suchte ich ein Neues. Außerdem bin ich damals gerade Vater geworden. Da ändert sich die Sichtweise. Und Politik hat mich schon immer interessiert. Doch dass ich mal als Bürgermeister kandidiere, war nicht zu erahnen.

Das Gespräch führte Kathrin Kupka-Hahn