"Es sind herausfordernde Zeiten", sagt Dr. Franziska Offermann vom Trauma Hilfe Zentrum München. "Es geht nun besonders darum, die eigene Mitte zu finden und sich im Hier und Jetzt zu verorten, den eigenen Körper zu spüren und hinreichend Sicherheit zu empfinden im Gegensatz zu einer (früheren) bedrohlichen Situation." Die wichtigste persönliche Kraftquelle sei für sie Bewegung an der frischen Luft und achtsames Yoga.

Die Übungen, die sie empfiehlt, sind ganz leicht umzusetzen und können nicht nur Trauma-Patienten, sondern jedem helfen, sich im Hier und Jetzt zu verorten. Mit ihren Klienten macht sie etwa die sogenannte "4711-Atembübung". Die geht so: Sich bequem setzen, stellen oder hinlegen, dabei die Füße und/oder alle Körperteile wahrnehmen, die den Boden oder die Sitzauflage berühren. Mit der Einatmung langsam bis vier zählen, mit der Ausatmung langsam bis sieben zählen. Elf Mal auf diese Weise ein- und ausatmen.

Übungen

Die Arme und Beine in alle Richtungen schütteln, kann gut tun, sagt Offermann. Auch Fingerspiele, Zungenbrecher wie "Fischers Fritz", Sudoku oder Kreuzworträtsel empfiehlt sie, um Abstand von trüben Gedanken zu bekommen. Manchmal tue es auch ein Glas kaltes Wasser oder eine Rechenaufgabe, bei der man von 100 abwechselnd jeweils 9 und 7 runter zählt.

Achtsam die Umgebung zu erkunden, helfe bei der Orientierung im Jetzt. Dazu sieht man sich im Raum um und zählt verschiedene Dinge laut oder in Gedanken auf: "Fünf Dinge, die ich sehen kann. Vier Dinge, die ich hören kann. Drei Dingen, die ich fühlen kann." Die Reihe mit riechen und schmecken dann entsprechend fortsetzen.

Seelische Gesundheit

Auch für Bernd Keller, Ehe- und Familienseelsorger im Landkreis Bad Kissingen, spielt der Atem eine wichtige Rolle bei der seelischen Gesundheit. "Wer seelisch gesund bleiben will, muss im Rhythmus seines Atems bleiben, und eben nicht "Atemlos" werden."

In Seelsorger-Gesprächen sage er gerne in Anlehnung an eine Stelle aus dem Matthäusevangelium: "Gott will uns nicht erst dann "Ruhe in Frieden" schenken, wenn wir unseren Lebensatem ausgehaucht haben." Vielmehr wolle Gott uns, mit Jesu Beistand, an Ruheplätze mitten im Leben führen. Ein solcher Ruheplatz ist für Bernd Keller etwa der Weg der Besinnung in Bad Kissingen. Wer auf dem Weg gerne von einem Seelsorger begleitet werde wolle, könne sich gerne bei ihm melden.

Ein anderer Tipp von ihm. An den fünf Fingern der Hand könne man abzählen, was wichtig sei: Der Daumen stehe für "genug Schlaf", der Zeigefinger für "genug Bewegung", der Mittelfinger stehe dafür, Sinn im Leben zu erfahren, der Ringfinger für gesunde Beziehungen und der kleine Finger für erfüllende Arbeit oder Ehrenamt.

Wer konzentriert ist, hat keine Angst

Olaf Hose ist Heilpraktiker für Psychotherapie (Nüdlingen). Er sagt: "Wenn ich konzentriert bin, habe ich keine Angst." Unter anderem rät er deshalb seinen Patienten, die in alltäglichen Situationen - etwa beim Einschlafen oder Autofahren - Angst bekommen, positive Gedanken einzuüben. Wenn das Hirn nichts zu tun habe, mache das Gehirn, was es am besten könne. Das bedeute: Wenn es daran gewöhnt sei, spule ein Gehirn "im Leerlauf" negative Gedanken ab. Aber: Diese Gewohnheit könne man ablegen.

"Beobachtet Euch beim Denken und fragt: Ist der Gedanke mir dienlich?" Hose überlegt sich etwa morgens beim Kaffee, wofür er dankbar ist, oder spricht sich selbst Affirmationen (Anm. d. Red. positiv formulierte Aussagen, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig wiederholt werden) vor.

Skala von 1 bis 10: Wie glücklich bin ich?

Oder er fragt sich: Auf einer Skala von 1 bis 10 - wie glücklich bin ich? "Wenn ich bei einer 6 bin, frage ich: Was kann ich heute tun, um auf eine 8 zu kommen?" Zeit mit der Familie verbringen? Ein Buch lesen? Mit dem Hund spazieren gehen? Hose selbst meidet außerdem zu viel Zeit in sozialen Netzwerken.