Das große Konzertevent "Bad Kissinger Sommer" wird digital. Das neue Projekt "Gesund mit Musik" verspricht, dass Menschen, die selbst nicht ins Konzert können, den Kissinger Sommer im Internet miterleben. Der Kissinger Sommer strebe damit eine Form der Musikvermittlung an, die "einladend und barrierefrei" angelegt sei und einem "neuen Publikum auf digitalem Weg das Konzertvergnügen" zugänglich mache.

Bisher gebe es kaum "Klassik-Angebote auf höchstem Niveau" für Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr in Konzerte gehen können, heißt es in einer Pressemitteilung des Kissinger Sommers. Angesichts der demographischen Entwicklung und der Erfahrungen der Pandemie sei das "eigentlich verwunderlich".

Kultur und Konzerte zu erleben, bleibe Menschen oft verwehrt, da der Zugang zu Livestreams und On-demand-Videos ihnen mangels Erfahrung oder technischer Ausstattung oft nicht möglich sei. Hier setze das neue Projekt an.

Acht Konzerte mit Weltklasseorchestern des Kissinger Sommers sollen in hoher Qualität in Einrichtungen aus dem Gesundheitssektor gezeigt werden, heißt es vom Veranstalter. "Altenheime, Reha- oder Burnout-Kliniken werden diese Livestreams an mehreren Orten in Deutschland auf Leinwänden oder großen Fernsehern mit hervorragender Tonanlage den Bewohnern, Patientinnen und Gästen präsentieren."

Idee kommt in Seniorenheimen an

In welchen Seniorenheimen der Kissinger Sommer digital übertragen wird, ist noch unklar. Wie kommt das Angebot bei potenziellen Nutzern an? Und: Gibt es in den Seniorenheimen - Stand jetzt - überhaupt die notwendige Technik? Wir haben bei zufällig ausgewählten Seniorenheimen nachgefragt.

"Ich finde, das klingt sehr interessant", sagt Martin Pfeuffer, stellvertretender Stiftungsvorstand von der Carl-von-Heß-Sozialstiftung. "Ich kann mir das gut vorstellen, gerade für Menschen, die nicht mehr rauskommen, etwa weil sie bettlägerig sind."

Renate Schiefer, Heimleitung des Seniorenzentrums St. Elisabeth in Münnerstadt, sagt: "Wenn ich die Ausstattung dazu hätte, könnte ich mir das vorstellen. Die Idee ist gut." Aber im Seniorenzentrum gebe es kein allgemein zugängliches WLAN. Es gebe zwar Bewohner, die einen Laptop mit Internetverbindung hätten, aber die müssten sich diesen Zugang privat bei einem externen Anbieter bestellen. Die technische Aufrüstung des Seniorenzentrums sei geplant. Sie rechne aber damit, dass die Bewohner wohl erst nächstes Jahr an einem solchen digitalen Projekt teilnehmen könnten.

Dorothee Bär - Kuratoriumsvorsitzende

Dorothee Bär ist die Kuratoriumsvorsitzende des Bad Kissinger Sommers. Die Ex- Staatsministerin für Digitalisierung sagt in einer Pressemitteilung, das Kur- und Kulturerlebnis werde digital, weit über Bayern hinaus, im ganzen Land präsent sein.

Detaillierte Informationen zu den übertragenen Konzerten und den genauen Kooperationspartnern will der Veranstalter in wenigen Wochen veröffentlichen. Die Webseite werde noch bekannt gegeben. Klar ist: Neben der Übertragung der Konzerte soll es auch ein Rahmenprogramm geben. Dazu gehörten etwa Lesungen, Vorträge, Tanzvorführungen oder "kulinarische Entdeckungsreisen".

Rahmenprogramm mit Interviews

Zum Erlebnis gehöre auch das Flanieren durch die Kuranlagen und die beeindruckenden Konzertsäle, finden die Veranstalter. Die Mitarbeiter des Projekts wollen die virtuellen Konzertgäste daran teilhaben lassen, deshalb werde zum Teil schon vor der Konzertübertragung "das einzigartige Lokalkolorit" live einfangen. Zudem gebe es Interviews mit Solistinnen und Solisten, Dirigenten oder Orchestermitgliedern sowie kurze Einführungsgespräche.

"Das Erleben von Kultur gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Umso wichtiger ist ein breites, leicht zugängliches Angebot zur kulturellen Teilhabe in ganz Deutschland. Genau dafür steht das Projekt "Gesund mit Musik", indem es musikalische Kulturhighlights für alle Menschen erreichbar macht", wird Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, in der Pressemitteilung zitiert.

Inklusives Format

Von Oberbürgermeister Dirk Vogel heißt es: "Exklusivität ist bei uns in Bad Kissingen inklusiv. Die neuen Formate geben jedem die Chancen, dabei zu sein."

Sabine Dittmar, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, wird zitiert. Sie sagt: "Die Erfahrungen aus zwei Jahren Pandemie haben das Thema Gesundheit, und dabei besonders die mentale Gesundheit der Menschen, wieder stärker in den Fokus gerückt. Es ist seit langem bewiesen, dass Musik positive Effekte bei Gesundungs- und Genesungsprozessen zeitigen kann."

Das Projekt "Gesund mit Musik" wird vom Bund aus dem Etat für Kultur und Medien gefördert. 180.000 Euro hat der Bund für das Projekt zugeschossen, 20.000 Euro kommen vom Freistaat, außerdem stammen 20.000 Euro aus dem Etat des Kissinger Sommers.