Es war wirklich ein besonderes und mitreißendes Erlebnis, zu dem die Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen anlässlich ihrer "Nachtmusik 2019" in den Max-Littmann-Saal geladen hatte. Erfreulich viele Neugierige waren gekommen, aber eigentlich hätte der Saal ganz gefüllt sein müssen bei dieser Präsentation gleich zweier Meilensteine der deutschen Kultur des 20. Jahrhunderts: des weltweit ersten abendfüllenden Animationsfilms von Lotte Reiniger, der im Jahr 1926, zehn Jahre vor Disneys "Schneewittchen", herauskam, und der ersten großen Filmmusik von Wolfgang Zeller, dem damaligen Komponisten und Dirigenten an der Berliner Volksbühne und gefeierten deutschen Filmmusikers der turbulenten Jahre von 1926 bis 1959.

Lotte Reiniger ist in die Annalen des internationalen Films eingegangen, auch wenn sie dem öffentlichen Bewusstsein seit ihrem Weggang aus Deutschland 1935, "weil ihr diese Hitler-Veranstaltung nicht passte", bis in die 1970er Jahre völlig entschwunden war. Ihr verschollener "Prinz Ahmed" konnte erst zu ihrem 100-jährigen Geburtstag 1999 aus Archiven rekonstruiert werden. Was von ihr nach 1945 in Deutschland vorhanden war, war eine Würdigung in einem englischsprachigen Kurzfilm aus dem Fundus des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft (FWU), das der Projektion ihres berühmten "Die Abenteuer des Prinzen Ahmed" im Littmann-Saal vorangestellt wurde.