Die Energiepreise sind in solche Höhen geschnellt, dass die daraus resultierenden Rechnungen beim Bezahlen weh tun. Viele Menschen machen sich deshalb Gedanken, welche Möglichkeiten sie haben, Energie zu sparen.

Energieberatungen haben alle Hände voll zu tun. Das erlebt auch Tanja Swann. Normalerweise, sagt die Architektin und Energieberaterin, gebe es keinen Grund, sich Sorgen zu machen, dass man keinen Energieberater findet. "Jetzt aber ist der Bedarf an Energieberatern auf jeden Fall deutlich gestiegen. Viele Menschen wollen etwas machen lassen, um ihr Heim energetisch zu verbessern. Unsere Kapazitäten sind mehr und mehr ausgeschöpft." Hinzu komme, dass die Politik in den vergangenen Quartalen einige Änderungen bei den Förderbedingungen beschlossen habe. "Da mussten wir uns stets anpassen und die neuen Gesetze und Verordnungen bei der Energieberatung umsetzen." Swann wirkt im Vorstand für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit beim Interessensverband der Gebäudeenergieberater (GIH e.V.) in Bayern mit.

Wartezeit hängt auch von der Beratung ab

Wie lange Menschen auf eine Beratung warten müssen, hänge unter anderem von der Region ab und davon, wie intensiv die geforderte Beratung sei. Die Energieberaterin handhabt das so: "Wenn ich sehe, dass es sich um eine Einzelmaßnahme handelt, kann ich schneller weiterhelfen." Dann dauere es meist ein paar Wochen bis zu einer Beratung. Zu den kleineren Eingriffen zählt sie etwa eine Beratung zu den Fenstern oder die zur Dämmung der Dach-, Decken oder Außenfassade.

Mit einer Wartezeit von zwei Monaten könne man rechnen, wenn es bei einer geplanten Gesamtsanierung darum ginge, verschiedene Varianten für die Umsetzung eines Effizienzhauses zu entwickeln und damit einhergehe, dass ein Energieberater sich sehr detailliert mit der Bilanzierung und Planung beschäftigen müsse.

Wer eine Absage aufgrund der knappen Kapazitäten erhält, solle sich nicht entmutigen lassen und über die sogenannte "Expertenliste" (zu finden unter energie-effizienz-experten.de) weitere Energieberater anfragen.

Interesse an Förderungen des Bundes

Wer sind die typischen Kundenkreise, die sich eine Energieberatung wünschen? Zum einen ist das die junge Familie, die gerade ein älteres Haus gekauft oder geerbt hat und zum Entschluss gekommen ist: "Wir müssen etwas machen. Das geht ins Geld", erzählt Swann. Zum anderen wenden sich ältere Menschen, Alleinstehende oder auch Ehepaare, an die Energieberaterin. Diese wollen ihr Haus für die nächsten Generationen aufbereiten oder es sanieren, um es später zu einem besseren Preis zu verkaufen. "Das sind Menschen, die Förderungen des Bundes für die energetische Sanierung in Anspruch nehmen wollen, aber nicht die Kraft, das benötigte Hintergrundwissen und Zeit haben, um sich lange zu informieren."

Neben den Kosten für Energie schmerzen viele Bauherren die Preise für Baumaterialien und Rohstoffe. "Die Materialien sind derzeit so schwer lieferbar, der Rohstoffmangel ist gravierend." Viele Neubauprojekte ständen derzeit still, weil die Bauherren auf Materialien warteten. "Das betrifft viele Zukunftspläne und geht ins Existenzielle. Das ist sehr, sehr traurig. Viele straucheln oder bauen nur noch das Nötigste fertig." Es ginge nur sehr schleppend voran. "Man spricht von Glück, wenn man Materialien in ausreichender Menge geliefert bekommt."

Das zehre an den Nerven der Menschen, wenn das Bauvorhaben nicht in der ursprünglich geplanten Zeit gebaut werde. Dann stehe man plötzlich in der Mitte eines Bauvorhabens und wisse nicht, ob man in ein paar Monaten einziehen könne oder nicht, sagt Swann.

Lieber im Bestand agieren

Sie äußert aber auch Optimismus: "Es werden sicherlich auch noch bessere Zeiten kommen, wo man mit dem Bau des eigenen Traumhauses beginnen kann." Man sei zurzeit gut damit beraten, nach Möglichkeit, kleinere Maßnahmen zur Energieeinsparung bei den Bestandshäusern umzusetzen. Auch mit kleinen Eingriffen lasse sich Energie sparen.

Altes Haus sanieren oder Neubau errichten?

Altes Haus vs. Neubau Es müssen viele Faktoren beachtet werden, sagt Tanja Swann vom Interessensverband der Gebäudeenergieberater (GIH). Pauschal könne man nicht sagen, der sanierte Altbau sei schlechter als der Neubau. Aber: "Beim Altbau ist zwar die Grundsubstanz da, wenn man es jedoch gescheit machen will, dauert eine Sanierung länger und generiert ebenfalls höhere Investitionskosten." Man müsse deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, damit ein Altbau mit einem Neubau mithalten könne. Bei der Dämmung einer Wand werde diese bei einer Sanierung zwar durch zusätzliche Materialien ergänzt, ein alter Teil bleibe aber erhalten und könne damit bezüglich der Energieeinsparung nur schwer an einen Neubau heranreichen.

Grundsätzlich spreche für einen Neubau, dass eine ganzheitliche Planung schon vorhanden sei, die verwendeten Bauteile den Gesetzen und Verordnungen entsprechend energiesparend seien, die Konstruktionen erprobt und die Bauteile dadurch auch schneller und besser zusammengeführt werden könnten. Bei einer Sanierung hingegen ist jedes Haus ein Unikat, bei dem für jede Problemstelle erst Lösungen gefunden werden müssen. "Das braucht mehr Zeit, um das zu planen." Auch die Beschaffung der Materialien sei oft nicht so einfach. "Vielleicht passen die ausgewählten Materialien vom energetischen Wert gar nicht. Dann müssen diese, wo anders beschaffen werden. Das kann einem dann schon das Geld aus der Tasche ziehen." Tanja Schwanns Fazit ist klar: "Wenn man es energetisch betrachtet, ist der Neubau besser." Der Nachteil: "Die Investition am Anfang ist oft höher."