Der ursprünglich für Anfang März geplante Start des Bad Brückenauer Container-Kindergartens hat sich verschoben. Grund ist, wie berichtet, die noch ausstehende endgültige Baugenehmigung. Als erste sollten die Kindergartenkinder aus Wernarz umziehen, da der dortige Kindergarten Mängel aufweist, was den Brandschutz betrifft. Eine Gruppe von neun Eltern, deren Kinder zum Großteil aktuell den Wernarzer Kindergarten besuchen, bis vor Kurzem besucht haben oder diesen zukünftig besuchen sollten, hat sich nun an die Redaktion gewandt.

Die Eltern sind verärgert und ein Stück weit auch verzweifelt. Ihre Hauptkritikpunkte, Sorgen und Wünsche - und was Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), Architekt Thorsten Grament aus dem Büro für Bauleistungen und die künftige Rhönstrolche- und jetzige Regenbogenland-Kindergarten-Leiterin Alexandra Fürst dazu sagen:

Vorwurf: Mangelnde Kommunikation seitens der Stadt Bad Brückenau

Über einen Brief erfuhren die Eltern der Wernarzer Kindergartenkinder im Dezember von den brandschutztechnischen Mängeln im Kindergartengebäude und davon, dass die Kindergartengruppe in den neuen Container-Kindergarten in Bad Brückenau integriert werden soll. Er trägt das Datum vom 10. Dezember. Vom 8. Dezember datiert hingegen die Tagesordnung der Stadtratssitzung (vom 16. Dezember) mit dem Tagesordnungspunkt "Auflösung des Kindergartens Wernarz". Teile der Eltern erfuhren also erstmalig über die veröffentlichte Tagesordnung von der Thematik, ehe der Brief vom 10. Dezember bei ihnen eintraf.

"Wir wussten bis dahin von gar nichts", sagt Eva-Maria Schiffler, als sie die Situation stellvertretend für die beim Gespräch mit der Redaktion anwesenden Eltern zusammenfasst. Die Nachricht sei aus heiterem Himmel gekommen. Auch die Kindergartenleitung habe von nichts gewusst. Sie habe dann begonnen, sich bei den anderen Eltern umzuhören. Auch diese waren von der Nachricht überrascht worden. "Es ist natürlich richtig, auf die Sicherheit unserer Kinder zu achten, aber man hätte uns Eltern viel früher informieren und ins Boot holen können."

Bürgermeister Jochen Vogel erklärt hierzu, dass ja zunächst der Stadtrat entscheiden müsse, bevor er die Eltern über das Ergebnis informieren könne. Zudem sei in Sachen der festgestellten Brandschutzmängel alles sehr kurzfristig vonstatten gegangen. Vogel verweist außerdem darauf, dass zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der Corona-Pandemie keine Treffen in größerer Runde möglich gewesen seien.

Wunsch: Eine genaue Abwägung und eine schnelle Entscheidung

Die Eltern wünschen sich, wie sie erklären, dass bei der endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Wernarzer Kindergartens mehrere Gesichtspunkte berücksichtigt werden. In der öffentlichen Diskussion stand bislang das Kindergartengebäude im Vordergrund: Diesem werden brandschutztechnische Mängel bescheinigt, unter anderem fehlt im Kindergarten ein zweiter Rettungsweg. Insgesamt stellt sich die Frage nach einer Sanierung des Gebäudes.

Die Eltern dringen hier auf eine schnelle Entscheidung, um Planungssicherheit für die Zukunft zu haben, und möchten, dass die Kosten in Relation gesetzt werden. Sie wünschen sich, wie sie ausführen, dass die Stadt eine genaue Summe ermittelt, die die Sanierung des Wernarzer Kindergartens in Anspruch nehmen würde. "Von der einen Million, die für den Container-Kindergarten investiert wurde, dürfte diese weit weg sein", vermuten die Eltern.

Hierzu erklärt Bürgermeister Vogel, dass er das bereits ganz deutlich formuliert habe: "Mit der Untersuchung des Wernarzer Kindergartens kann erst begonnen werden, sobald der Betrieb im Container-Kindergarten gestartet ist." Und somit keine Kinder mehr im Gebäude in Wernarz seien. Sobald die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, sei der Stadtrat an der Reihe, über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Vogel schätzt, dass die Kosten für eine Sanierung des Gebäudes in Wernarz in einem eher oberen sechsstelligen Bereich liegen werden.

Des Weiteren hegen die Eltern auch Bedenken, was den neuen Container-Kindergarten in Bad Brückenau betrifft. In einem Elternbrief ist zu lesen, dass der dort geplante Spielplatz bis zum - ursprünglich Anfang März geplanten - Einzug noch nicht fertig sei. Die gute Lage und Nähe zum Georgi-Park aber böten die Möglichkeit, dort spazieren zu gehen und den Spielplatz an der Musikschule aufzusuchen.

Hierfür müssten die Kinder jedoch die viel befahrene Bahnhofsstraße überqueren, gibt aus der Reihe der Eltern Sebastian Gerr zu Bedenken. "Da rasen die Autos durch und aktuell gibt es dort keinen Zebrastreifen wegen der Baustelle am Krankenhaus." Die Kinder müssten dann erst einmal bis zur Ampelkreuzung laufen. Einen weiteren Vorschlag der Stadt - die Straße für den Übergang mit je einer Erzieherin pro Seite zu sperren - halten Gerr und die übrigen Eltern für nicht praktikabel.

"Und wie sollen die Erzieherinnen im Park den Überblick über 20 Kinder behalten?", geben die Eltern außerdem zu bedenken. "Wenn die Kinder aufgedreht sind, das kenne ich von meiner Tochter, da rennen die einfach los", schildert Natascha Meierl. Am Kindergarten in Wernarz hingegen "ist ein funktionierender Spielplatz vorhanden", wie Sebastian Gerr erklärt.

Kindergarten-Leiterin Fürst erklärt hierzu, dass man mit den Kindern des Bad Brückenauer Regenbogenland-Kindergartens ganz oft ohne Probleme spazieren gehe, und sie sich auch durchaus in der Lage sehe, falls nötig, zusammen mit einer weiteren Erzieherin eine Straße entsprechend für den Übergang der Kinder zu sperren. Außerdem gehe man normalerweise auch nie mit der kompletten Gruppe los. "Wir können das ganz gut abschätzen", sagt Fürst.

Man habe versucht, den Zebrastreifen in der Bahnhofsstraße wiederzubekommen, ergänzt Grament, was aber an übergeordneter Stelle gescheitert sei. Bürgermeister Vogel fügt an, dass dieser Zustand ja nur gegeben sei, bis die Außenanlage des Container-Kindergartens in wenigen Wochen fertiggestellt sei.

Auch um in eine Turnhalle zu kommen, müssten die Kinder in Wernarz - anders als in Bad Brückenau - keine weiten Wege zurücklegen, ergänzen die Eltern. Hinzu kommt aus ihrer Sicht ein weiterer Punkt, der für den Erhalt des Wernarzer Standortes spricht: Das eingruppige Konzept des aktuell etwas mehr als 20 Kinder starken Kindergartens.

Nicole Fruh berichtet, dass sie sich deswegen entschieden habe, ihr Kind nicht in Bad Brückenau für den Kindergarten anzumelden, sondern im rund sechs Kilometer entfernten Wernarz. Im neuen Container-Kindergarten hingegen soll nun ein offenes Konzept gelten, wie die Eltern berichten.

Fürst erklärt hierzu, dass man die beiden Konzepte nicht miteinander vergleichen könne. Auch sie habe anfangs ähnlich wie die Eltern Vorbehalte gehabt, sei aber inzwischen vom offenen Konzept vollkommen überzeugt. Es gebe einzelne Funktionsräume und die Kinder könnten sich entscheiden: Wo will ich heute spielen? Gleichzeitig würden sie aber in ihren jeweiligen Gruppen verankert bleiben, führt die Kindergarten-Leiterin aus.

Wunsch: Einen geregelteren Umzug in den Container-Kindergarten

Aus Sicht der Wernarzer Elterngruppe, die sich an die Redaktion gewandt hat, war die Zeitspanne bis zum geplanten Umzug in den Container-Kindergarten zu knapp bemessen. Man hätte sich einen geregelteren Umzug nach vollständiger Fertigstellung und im Idealfall zum Schulwechsel im Herbst gewünscht, erklären die Eltern. "Die Kinder würden jetzt auf eine Baustelle ziehen", sagt Gerr. Einzig durch die verspätete Baugenehmigung werde dies nun etwas abgefangen. Seine Bedenken hat Gerr Ende Februar im Namen der Eltern auch der Stadt gegenüber in einer E-Mail geäußert.

Die Stadt wiederum weist in ihrer Antwort darauf den Vorwurf zurück, dass die Kinder in eine Baustelle einziehen müssten. Weiter heißt es, dass aus fachlicher Sicht ganz klar festzustellen sei, dass "mit den aktuellen Erkenntnissen zur baulichen Brandschutzsituation des Kindergarten Wernarz aus der Verantwortung des Trägers des Kindergartens ein Betrieb dort schnellstmöglich einzustellen ist". Diese Dringlichkeit sehen die Eltern jedoch nicht gegeben, die Brandschutzmängel bestünden sicherlich nicht erst seit ein paar Monaten. Auch aktuell sind die Kinder noch in Wernarz untergebracht.

"Ich finde es befremdlich, wenn Eltern den Brandschutz - keine Erfindung der Stadt Bad Brückenau - nicht hören oder sehen wollen", sagt Vogel. Die Sicherheit der Kinder stehe an erster Stelle. Grament erklärt, dass nicht nur der zweite Fluchtweg fehle, sondern auch der erste nicht ohne Mängel und dort zum Beispiel die Garderobe im Weg sei, welche sich aber aktuell nicht anders unterbringen lasse. Sollte es im Wernarzer Kindergarten zu einem Brand kommen, müssten die Erzieherinnen die Kinder gegebenenfalls über die Fenster evakuieren. Sobald etwas passiere, seien die Stadt und letztendlich er selbst haftbar, sagt Vogel.

Beispiel: Persönliche Probleme, vor denen die Eltern stehen

Für einzelne Eltern stellt der Umzug der Wernarzer Kindergartengruppe auch aus anderen Gründen ein Problem dar. Natascha Meierl zum Beispiel berichtet: "Wir sind auf den Opa angewiesen, dass er die Kinder in den Kindergarten bringt." Das sei nur vor Ort in Wernarz möglich.

Die Kinder nach Bad Brückenau zu fahren, sei für die Familie nicht machbar, erklärt Meierl, da sie ebenso wie ihr Mann berufstätig sei und zudem selbst keinen Führerschein besitze. Sie habe bei der Stadt auf ihre Situation hingewiesen und nach einer Lösung gefragt, aber keine Rückmeldung erhalten. "Ich fühle mich im Stich gelassen", sagt sie.

Zusammengefasst wünschen sich die Eltern eine bessere Kommunikation und eine gemeinsame Lösungsfindung mit der Stadt sowie eine gute Organisation und zudem Planungssicherheit für die Belange ihrer Kinder. "Wir möchten, dass unsere Bedenken und Ängste als Eltern ernstgenommen werden."

Vogel, Grament und Fürst sagen, dass sie von den an die Stadt gestellten Anfragen der einzelnen Eltern, die durch den Umzug vor Problemen stehen, nichts wüssten. Das Kind in den Kindergarten zu bringen beziehungsweise die Organisation dessen sei Sache der Eltern, ergänzt Grament. Mit Blick auf die Situation insgesamt sagt Vogel, dass er verstehe, dass Veränderungen oft mit Emotionen verbunden seien. Allerdings habe er das Gefühl, dass erwartet werde, dass man zu 100 Prozent auf die Forderungen der Eltern eingehe. Auch Fürst erklärt, sie verstehe die Eltern, "was das Emotionale angeht".

Angemerkt/Meinung der Autorin: "Wenn Kommunikation schiefgeht"

Es gibt den schönen Satz: "Man kann nicht nicht kommunizieren." Diesen Titel trägt ein Buch des Philosophen und Psychoanalytikers Paul Watzlawick. Erstmals stieß ich im Rahmen meines Studiums auf den Satz und seitdem begleitet er mich durchs Leben, verbunden mit der Erkenntnis, wie zutreffend dieser auf den ersten Blick vielleicht seltsam anmutende Satz doch ist. Denn, wir kommunizieren ständig miteinander, ob bewusst oder unbewusst. Gleichzeitig - eine weitere Erkenntnis - kann dabei unglaublich viel schiefgehen. Ein aktuelles Beispiel: Die Kindergarten-Eltern aus Wernarz und ihre Kritik an der Stadt Bad Brückenau.

Auf der einen Seite stehen die Eltern, für die die Diskussion um den Umzug aus Wernarz nach Bad Brückenau vor allem mit einer starken emotionalen Komponente verbunden ist. Auf der anderen Seite die Stadt und die dortigen Entscheidungsträger und Sachgebietsleiter, die sich an rechtliche Vorgaben halten und an wirtschaftlichen Aspekten orientieren müssen. Das Grundproblem aus meiner Sicht als außenstehende Berichterstatterin: Ein Kommunikationsfehler.

Teile der Eltern erfuhren von der Tagesordnung der Stadtratssitzung, dass dort die Auflösung des Kindergartens zur Debatte steht. Das mag formal korrekt sein, ist gefühlt aber in etwa so, als wenn man am schwarzen Brett vorbeiläuft und sieht, dass die eigene Stelle dort ausgeschrieben ist. Meiner Meinung nach hätte man von Seiten der Stadt im Vorfeld aktiv das Gespräch mit den Eltern suchen müssen. Man hätte sie über die Lage persönlich informieren und so auch auf Fragen und Sorgen viel besser eingehen können. Das wäre, um coronakonform vorzugehen, sicher auch digital möglich gewesen.