Beim Neujahrsempfang des Dreigestirns von Rhön-Kaserne, Dienstleistungszentrum (DLZ) und Gemeinde Wildflecken sprach heuer Oberst Reinhard Bartz, der Leiter des VN-Ausbildungs-Zentrums in Hammelburg. Er schilderte, wie vielfältig die weltweiten Militäreinsätze deutscher Soldaten sind. "Frieden kann erhalten, erschaffen - aber nicht erzwungen werden", so die Erkenntnisse aus den Auslandseinsätzen der Vereinten Nationen (VN).
Wildflecken sei ein wichtiger Baustein, um solche Einsätze in die Tat umzusetzen. Verwirrend für den Außenstehenden sei die Vielzahl der internationalen Aufträge und Beteiligungen. Längst sind auch zivile Behörden und Beamte involviert. Professionelle Rollenspieler helfen in den wirklichkeitsgetreuen Übungen. "Die sehr gute Ausbildung in Wildflecken und Hammelburg ist weltweit als einmalig anerkannt", sagte Bartz. Gespannt sind alle Dienstleister und Soldaten darauf, welche Veränderungen ihnen die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bescheren wird.
Auch der 78-jährige Reservist Adolf Kreuzpaintner war unter den Gästen. "Die militärische Sammlung habe ich schon 1993 angefangen aufzubauen", hängt er mit Herz und Seele an diesem Projekt in der Rhön-Kaserne. Der Platz für die Militärausstellung sei mittlerweile ausgereizt: "Viel mehr geht nicht hinein." Sieben kleinere Räume sind einem großen Ausstellungsraum angegliedert. "Was die Sammlung von einem Militärmuseum wie zum Beispiel in Hammelburg gründlich unterscheidet, das ist die Ortsbezogenheit", weist Kreuzpaintner auf die Dokumentation der abgesiedelten Orte im Bereich des Truppenübungsplatzes hin: Altglashütten, Neuglashütten, Reußendorf, Rothenrain und Werberg auf der bayerischen Seite.
Jährlich leitet Kreuzpaintner etwa 60 Führungen nicht nur durch diese militärische Sammlung, sondern auch zu den alten Friedhöfen, durch den Polen friedhof und zu den ehemaligen Ortsplätzen. Die angemeldeten Besuchergruppen seien bis zu 50 Personen stark. Sogar aus Australien und Japan seien schon Besucher gekommen. "Manchmal reisen die Gäste auch in mehreren Bussen bundesweit an", sagt Kreuzpaintner. Die meisten Zeitzeugen seien schon verstorben. "Jetzt kommen die Enkel vorbei und interessieren sich", bestätigt Kreuzpaintner. Die erhalten mit dem Besuch der Ausstellung einen lebendigen Eindruck über die früheren Lebensbedingungen ihrer Großeltern. Zum Teil gebe es noch Reste alter Kellergewölbe oder Brunnen zu sehen.
"Seit 20 Jahren gibt es keine US-Amerikaner mehr in der Rhön-Kaserne", erinnerte Bürgermeister Alfred Schrenk (SPD / PWW) an den radikalen Einschnitt für den Ort Wildflecken. Immense Herausforderungen wie "Stadtumbau West", neue Nutzungskonzepte, Gewerbepark Kreuzberg und anstehende Generalsanierungen (Schule) seien die großen Aufgaben für die Gemeinde. Schrenk erinnerte an das "wilde Superfest" im vergangenen Sommer, als Kommune und Militär harmonisch zusammen feierten.
"Wir dienen Deutschland", betonte der Hammelburger DLZ-Chef Matthias Hümmler auch für dessen Außenstelle in Wildflecken. Trotz etlicher in die Auslandseinsätze abgerückter Mitarbeiter sei der Standort-Service für Wildflecken erhalten geblieben. Damit der hohe Standard für die jährlichen Großübungen weiterhin gewährleistet werden könne, sei viel Geld in die Bauleistungen geflossen und werde heuer auch weiterhin in vestiert.
"Wir haben es gut in der Rhön", bestätigte Oberst Fredi Müller, der Leiter des ansässigen Gefechtssimulations-Zentrums. Im vergangenen Jahr hätte es rund 45 000 Übernachtungen in der Kaserne gegeben. "Hier finden Hochleistungs-Ausbildungen für Auslandseinsätze statt, die fast schon Universitätsniveau haben", sagte Müller. Auch heuer seien wieder Großübungen mit internationaler Beteiligung geplant. Der Standort Wildflecken sei besonders für die Kommandoebene recht attraktiv.