Dass dringender Handlungsbedarf besteht, darüber sind sich die Bürgermeister von Riedenberg, Roland Römmelt (CSU), und Wildflecken, Gerd Kleinhenz (PWW), einig. Zwei der drei Kläranlagen im oberen Sinntal sind in die Jahre gekommen und laufen nur noch mit zeitlich begrenzter Genehmigung.

Die Entscheidung drängt, denn die Wasserqualität der Sinn ist davon abhängig. "Wir hoffen und erwarten, dass die Kommunen in absehbarer Zeit Entscheidungen treffen", sagt deshalb Uwe Seidl, stellvertretender Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen (WWA KG). Das WWA KG ist für eine fachliche Bewertung der Abwasserbehandlung zuständig. Auch mögliche Förderungen sind über das Amt zu beantragen.

Sanierung in Oberbach?

Die Herausforderung für die Gemeinden: Mehrere Optionen stehen zur Auswahl. Einerseits ist es möglich, dass die Gemeinden gemeinsam ihr Abwasser nach Bad Brückenau in die Kläranlage in Trübenbrunn einleiten. Dazu wäre streckenweise ein Leitungsneubau nötig. Die Sinn wäre damit bis kurz vor der hessischen Grenze weitestgehend einleitungsfrei von gereinigtem Abwasser. "Dies käme der Gewässerökologie zugute", sagt Seidl.

Andererseits steht die Sanierung der bestehenden Anlagen im Markt Wildflecken und in der Gemeinde Riedenberg zur Diskussion. Damit würde die Anlage im Gemeindeteil Wildflecken wegfallen und die bestehende Teichanlage in Oberbach zu einer großen Kläranlage umgebaut, um das Abwasser der gesamten Marktgemeinde auffangen zu können.

Ökologie wichtig

Das Wasserwirtschaftsamt kam nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis, dass beide Varianten grundsätzlich umgesetzt werden können. "Es gibt Vor- und Nachteile der beiden Varianten", sagt Seidl. Die Entscheidung, welche Variante umgesetzt wird, obliegt letztendlich den Kommunen.

Riedenbergs Bürgermeister Römmelt befürwortet grundsätzlich die ökologische Variante. Ein Anschluss an das Bad Brückenauer Netz wäre auch ohne die Marktgemeinde Wildflecken möglich. Seidl betont: "Wirtschaftlich und förderfähig ist der Anschluss für Riedenberg auch dann, wenn sich Wildflecken für eine eigene Kläranlage entscheiden sollte."

Neue Förderrichtlinien

Aus Wildflecken heißt es: "Beide Optionen, also Sanierung der Kläranlage in Oberbach sowie Anschluss nach Bad Brückenau, stehen gleichwertig zur Diskussion", bekräftigt Kleinhenz. Denn was die Kosten angeht, so lägen diese nicht weit auseinander.

Im Januar wollte der Gemeinderat bereits darüber beraten. Doch daraus wurde nichts. Wegen des kleineren Corona-Ausschusses zur Gemeinderatssitzung im Januar musste es verschoben werden, kommentiert der Bürgermeister. Dazu kommen neue Förderrichtlinien, die in die Kostenrechnungen mit eingearbeitet werden müssten. Im kommenden Gemeinderat, führt Kleinhenz fort, solle das Thema mit den Räten diskutiert werden.

Aus dem WWA KG heißt es dazu: "Auch nach den neuen Förderrichtlinien, die vom 1. April an gelten, sind alle Optionen wie bisher förderfähig." Lediglich eine Obergrenze der Zuwendungen von drei Millionen Euro sei neu eingeführt worden. Allerdings, so Seidl, "werden diese Obergrenzen vermutlich in keinem Fall überschritten".

Bald Diskussion auch in Riedenberg

Auch in Riedenberg soll der Gemeinderat in Kürze darüber diskutieren. Bad Brückenaus Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) hat sich bereits mehrfach für eine gemeinsame Abwasseraufbereitung in Trübenbrunn ausgesprochen.

Nicht ganz unerheblich ist die Entscheidung der beiden Gemeinden auch hinsichtlich der Klärschlamm-Entsorgung im gesamten Rhönallianz-Gebiet. Dafür steht die Überlegung im Raum, den Klärschlamm aller acht Kommunen gemeinsam in Trübenbrunn aufzubereiten.