Wer am Dienstag in den frühen Morgenstunden tanken wollte, blieb auf dem Trockenen sitzen. Um Punkt 3 Uhr sperrte Andrea Koch die Tür zu. "Dann sind wir raus zum Streiken", erzählt sie. Mit Fahnen und einem großen Protest-Plakat machten die Mitarbeiter auf ihren Frust aufmerksam. "Seit November streiken wir und es tut sich halt nichts!", macht Koch ihrem Unmut Luft.

In der Tat ziehen sich die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG) mit Autogrill Deutschland, Pächter der Raststätten Rhön an der A7, seit September hin. "Fruchtlos", nennt Frank Jauch, Sekretär in der Würzburger Geschäftsstelle von NGG, die Gespräche. Unlängst habe die Tarifkommission ein Angebot des Arbeitgebers als "unakzeptabel" abgelehnt. Laut einer Presseerklärung will NGG wenn nötig bis über den Sommer hinaus immer wieder Streiks organisieren.

Aussagen widersprechen sich

In der Rhön arbeite man teilweise noch für sieben Euro pro Stunde, prangert NGG an. Besonders Frauen in Teilzeitarbeit seien davon betroffen, darunter auch alleinerziehende Mütter. Diese Aussage sei nicht korrekt, widerspricht Franziska Strunk, Personalchefin bei Autogrill Deutschland: "Ausnahmslos alle Mitarbeiter der Rastanlage Rhön verdienen mehr als 7 Euro pro Stunde." Vereinzelt verdienten geringfügig Beschäftigte zwischen 7,86 und 8,10 Euro pro Stunde. Alle anderen Mitarbeiter der Raststätte Rhön erhielten einen Stundenlohn zwischen 8,55 und 12,71 Euro.

Mit der Einführung des Mindestlohnes Anfang nächsten Jahres müssen die Gehälter für die geringfügig Beschäftigten angepasst werden. Doch der Gewerkschaft geht das nicht weit genug. "Wir wollen eine Staffelung des Stundenlohns je nach Tätigkeit", sagt Jauch. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sei da die unterste Stufe.

Prämie für Streikbrecher

Zu schaffen machen den Protestlern jedoch die Streikbrecher. Um 6 Uhr läuft das Geschäft auf der Ostseite der Rastanlage bereits wieder, eine halbe Stunde später wird auch auf der Westseite wieder abkassiert. Die Streikbrecher - so macht es die Runde - bekämen eine Prämie. "Der Arbeitgeber kann nicht 50 Cent mehr pro Stunde zahlen, und dann gibt's solche Sachen", sagt ein Beschäftigter frustriert.

"Vorgabe vom Konzern", bestätigt Marcus Bellersen, Betriebsleiter der Raststätte Rhön, dass Mitarbeiter, die während des Streiks einspringen, 30 Euro pro Tag bekommen. Natürlich habe es Einbußen an den beiden Tankstellen gegeben. Die Rasthäuser seien aber den ganzen Morgen geöffnet gewesen.

"Der Frust ist groß", will Stefan Lieb, Vorsitzender des Betriebsrats der Raststätten Rhön, nicht aufgeben. Lieb geht nicht davon aus, dass den Beschäftigten die Puste ausgeht, etwa die Hälfte sei in der Gewerkschaft organisiert. "Die Mitarbeiter stehen hinter uns."