Viele Nachfragen, aber auch eine durchaus positive Offenheit signalisierten die Räte bei der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates Zeitlofs dem möglichen Projekt einer Freiflächenphotovoltaikanlage zwischen Weißenbach und Detter. Gut zwei Stunden sprach Jörg Brunner, Geschäftsführer der Firma Solar-Konzepte, über die geplante Anlage. Besonders betont wurde das Mitspracherecht der Gemeinde und der Bevölkerung.

Bürgermeister Matthias Hauke machte gleich zu Beginn der Sitzung klar, dass noch nichts entschieden sei, dass auch noch kein Beschluss gefasst werde, auch nicht im nichtöffentlichen Teil der Sitzung. Es gehe zunächst lediglich um eine erste Informationen für die Gemeinderäte und die Bevölkerung.

Meinung von Gemeinderat und Bevölkerung

Alfred von Thüngen, der den familiären land- und forstwirtschaftlichen Betrieb übernommen hat, möchte auf einer Fläche zwischen Weißenbach und Detter eine Freiflächenphotovoltaikanlage errichten: "Ich möchte hören, was die Bevölkerung dazu sagt, und welche Meinung im Gemeinderat herrscht." Eine Freiflächenphotovoltaikanlage, wie sie in Kooperation mit der Firma Solar-Konzepte entstehen könne, könne ein Beitrag zur Energiewende sein, der zudem der Gemeinde Vorteile in Form von Gewerbesteuereinnahmen und der Bevölkerung die Möglichkeit der finanziellen Beteiligung bringe. Am Beispiel der P43-Stromtrasse zeige sich, dass die Gemeinde auf Planungen großer Konzerne weder Einfluss nehmen können, noch finanziell etwas davon habe, außer 70 Meter hohe Masten. Bei einem regionalen Stromprojekt vor Ort sei das völlig anders.

Von Thüngen machte aber auch deutlich, dass er betriebswirtschaftliches Interesse an dem Projekt habe und für seinen Betrieb ein weiteres Standbein suche. Sein Ziel: "Möglichst früh gemeinsam diskutieren und entwickeln, damit im besten Falle jeder davon profitiert."

Bis an den Ortsrand

Anhand kartografischer Darstellungen, Bildmaterial und fotorealistischen Bildmontagen zeigte Jörg Brunner, wie das Projekt aussehen könnte. Entstehen könne es auf 18 Hektar Ackerfläche in der Gemarkung Detter. Die Fläche reiche bis an den Ortsrand und das geplante Gewerbegebiet heran. Sie liege in der Entwicklungszone des Biosphärenreservates, sei aber nicht mit Schutzgebieten oder Bodendenkmälern versehen. Die Gesamtleistung der Anlage beziffere sich auf 23 Megawatt, was der Stromversorgung von etwa 6000 Drei-Personen-Haushalten entspreche. Eine Einsparung von 420.000 Tonnen CO2 werde über die Laufzeit der Anlage erzielt, die Brunner mit 25 bis 30 Jahren bezifferte. Die Anlage werde eingezäunt, allerdings bleibe eine Bodenfreiheit von 15 Zentimeter, damit Kleintiere die Fläche ungehindert queren können. Der Randbereich werde begrünt, sodass nach einigen Jahren die Module an und für sich kaum noch wahrnehm- und einsehbar seien. Zudem würden reflektionsarme Photovoltaikmodule verwendet. Die Gemeinde bekomme 70 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen. 30 Prozent fließen an die Gemeinde, in der die Betreibergesellschaft ihren Sitz habe.

Ab 1000 Euro Beteiligung möglich

Die Bevölkerung habe die Möglichkeit, sich finanziell zu beteiligen. Ab 1000 Euro seien Einlagen möglich, die mit drei Prozent pro Jahr fest verzinst werden. Hinzu komme abhängig von den Sonnenstunden ein jährlicher Sonnenbonus von 0,25 Prozent pro Prozent Mehrertrag. Optional bestehe für Privathaushalte im Gemeindegebiet die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen, und zwar zehn Prozent unter dem Grundversorgungstarif. Ob auch Gewerbebetriebe in den Genuss kommen könnten, konnte Brunner nicht zu sagen, das Thema müsse bei der Planung im Blick behalten werden.

Neben diesen monetären Vorteilen erfahre die Fläche eine ökologische Aufwertung. Durch eine Freiflächenphotovoltaikanlage werde die Fläche nicht versiegelt, es werden keine betonierten Fundamente benötigt, lediglich ein Stahlprofil werde in den Boden eingelassen. Blühstreifen und Hecken sorgen für Biodiversität, die weitere Nutzungen durch Imker oder auch Beweidung mit Gänsen, Hühnern oder Schafen möglich machen. Ausgeschlossen seien allerdings Ziegen und Rinder.

Wie geht es nun weiter?

Im nächsten Schritt sollen auf der ausgewählten Fläche Bürger-Informationsveranstaltungen stattfinden. Ende Mai/Anfang Juni könne dies angepeilt werden, wenn die Corona-Inzidenzzahlen es ermöglichen. Um eine Freiflächenphotovoltaikanlage zu realisieren, ist ein formales Planungsverfahren nötig, bei dem der Flächennutzungsplan geändert werden müsse. Neben dem Gemeinderat und der Bevölkerung werden die Träger öffentlicher Belange gehört, und es finden öffentliche Auslegungen statt. Die Kosten für das Verfahren trägt der Projektträger. Brunner versicherte den Gemeinderäten, dass die Gemeinde Zeitlofs keine Kosten zu tragen habe.

Wer zum jetzigen Zeitpunkt schon Fragen habe, könne sich mit Jörg Brunner in Verbindung setzen:

E-Mail j.brunner@solar-konzepte.de, Tel.: 0171/9049 123.

Fragen und Diskussionspunkte

Bürgermeister Matthias Hauke dankte zunächst für die umfassende Darstellung, die viele Fragen schon im Vorfeld beantwortet habe. Die angebotenen Vor-Ort-Termine seien für den Gemeinderat und die Bevölkerung sehr wichtig. Die Gemeinde Zeitlofs habe mit dem Projekt die Chance, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Dennoch hatten die Gemeinderäte eine Reihe von Fragen an Jörg Brunner, den Geschäftsführer der Firma Solar-Konzepte. Alexander Keßler wollte wissen, ob beim künftigen Gewerbegebiet Dachanlagen auch in das Konzept einbezogen werden könnten. "Grundsätzlich vorstellbar, aber nicht so einfach machbar, da es sich um unterschiedliche Anlagen und Tarife handelt", sagte Brunner. Diese Besonderheiten gelte es zu beachten.

Des Weiteren wollte Keßler hören, ob Freiflächenphotovoltaikanlagen zur Veränderung des Kleinklimas beitragen können, und welche Erfahrungswerte es hierzu gebe. Brunner berichtete von allgemeinen Untersuchungen, explizite Werte seien ihm allerdings nicht bekannt. "Die Veränderungen sind wohl so marginal, dass sie keine Rolle spielen." Einerseits werde zwar die Fläche mit Kollektoren belegt, andererseits werde der Untergrund beschattet, was wiederum Einfluss auf die Verdunstung habe. Brunner sprach von positiven Ausgleichseffekten. Die Gefahr einer Wärmeglocke könne er nicht sehen.

Abgaben und Rückbau

Jede Anlage werde von einer eigenen örtlichen Betreibergesellschaft betrieben. Welche Abgabe diese Betreibergesellschaft für die Anlage bei Detter an die Muttergesellschaft zu zahlen habe?, fragte Keßler. Diesen Betrag möchte er gerne vor einer Entscheidung wissen, denn über die Höhe sei die Gewerbesteuer zu regeln. Auch sei interessant, ob die Abgabe ein fester Betrag sei oder sich im Laufe der Zeit verändere. Brunner verwies auf die Möglichkeit der Gemeinde, Gesellschafter in der Betreibergesellschaft zu werden und auf diese Wiese mitzubestimmen. Diese Fragen seien im Laufe des Verfahrens im Detail zu klären. Er machte auch deutlich, dass eine Beteiligung der Bevölkerung für den Erfolg beziehungsweise der Realisierung des Projektes nicht ausschlaggebend sei.

Über den Rückbau der Anlage und die damit verbundenen Kosten und vertraglichen Vereinbarungen wollte der stellvertretende Bürgermeister Volker Roth Aufklärung haben. Wie Brunner erläuterte, werde auch der Rückbau schon im Vorfeld vertraglich geregelt. Es werde ein Rückbau-Bürgschaft, ähnlich wie eine Mietkaution, hinterlegt. Ob die Rückbau-Bürgschaft bei der Gemeinde oder dem Grundstückseigentümer hinterlegt werde, das sei vertraglich zu regeln. Ebenso könne festgelegt werden, ob in gewissen Zeitabständen per Gutachten überprüft werde, ob die Rückbau-Bürgschaft noch den aktuellen Preisen entspreche. Der Rückbau einer Freiflächenphotovoltaikanlage sei allerdings verglichen mit Windkraftanlagen einfach zu bewerkstelligen, da lediglich Stahlprofile im Boden verankert werden und kein Betonfundament notwendig sei.

Ob Arbeitsplätze für die Region entstehen?, war eine weitere Frage Roths. "Keine direkten Arbeitsplätze an der Anlage", so Brunner. Aber beim Bau der Anlage sowie bei der Wartung könnten regionale Firmen berücksichtigt werden. Ob auch eine kleinere Fläche denkbar sei? Hier verwies Brunner auf die Frage der Wirtschaftlichkeit, ab einer gewissen Größe lohne es sich nicht mehr. Die derzeit angedachten Flächen sind im Eigentum von Alfred von Thüngen.