Jeden Tag macht Martin Hahn-Enders die Schöpfprobe. Dazu nimmt der Klärwärter der Gemeinde Oberleichtersbach ein Eimerchen, das er an einem Stab ins Becken hinablässt. "Das Verhältnis von Bakterien und Nährstoffangebot muss stimmen", sagt er. Noch haben die Kleinstlebewesen aber noch nicht viel zu Futtern. Denn die neue Kläranlage läuft erst seit wenigen Wochen, um genau zu sein seit dem 19. September.

Zweitteuerstes Projekt

Im vergangenen Jahr brachte der Gemeinderat den Bau der neuen Kläranlage auf den Weg, die das Abwasser aus den Ortsteilen Ober- und Unterleichtersbach, Breitenbach, Mitgenfeld und der Aspenmühle reinigt. Auch Einraffshof, das eigentlich zum Markt Schondra gehört, ist an die Anlage angeschlossen. Mit rund 2,3 Millionen Kosten ist der Bau das zweitgrößte Projekt der Gemeinde. Nur der Ausbau der Wasserversorgung kostete noch mehr, nämlich insgesamt rund 5,5 Millionen Euro. "Mit dieser Anlage können wir jährlich zwischen 10.000 und 12.000 Euro an Energiekosten sparen", freute sich Bürgermeister Walter Müller (CSU) beim Spatenstich im März.

Bakterienkolonien wachsen

Aktuell misst Hahn-Enders etwa 30 Milligramm Bakterien in einem Liter Wasser. "Das Ziel sind 350 Milligramm pro Liter", erklärt der Klärwärter. "Die Becken sind zwar schon mit Wasser gefüllt. Jetzt muss sich aber erst einmal Fracht ansammeln", sagt Udo Gräbner vom Bauunternehmen ZWT. Mit "Fracht" meint der Projektleiter die Bakterienstämme, die sich erst nach und nach aufbauen. "Zum Jahreswechsel können wir wohl den ersten Schlamm abziehen", blickt Gräbner voraus. Bis dahin dürften sich genügend Bakterienkolonien im Becken angesiedelt haben.

Restarbeiten im Frühjahr

Das Betriebsgebäude steht schon seit dem Sommer. Dort wurden in der vergangenen Woche die Stromzähler eingerichtet. Die Rechenanlage, die das Abwasser mechanisch reinigt, bevor es in die Becken kommt, arbeitet bereits. Auch die Schlammpresse ist theoretisch betriebsbereit. Doch noch wird sie ja nicht gebraucht.

Eine Baustelle gibt es allerdings noch auf dem Gelände. Bis Ende des Jahres soll ein Teich der alten Anlage als Regenrückhaltebecken ausgebaut werden. Im Frühling stehen dann nur noch Straßenbauarbeiten an. Der Weg hinauf zum Waldweg wird befestigt. Zudem gestalten die Bauleute die Außenanlagen neu. "Wir sind mit dem Baufortschritt sehr zufrieden", sagt Bürgermeister Walter Müller.