Eigentlich war ein Tag der offenen Tür am Volkersberg vorgesehen, doch pandemiebedingt musste die Veranstaltung abgesagt werden. Nicht abgesagt werden musste die Maiandacht mit Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann. Auf dem Sportplatz beim Bungalowdorf war genügend Platz, um die derzeitigen Abstandsregeln einhalten zu können.

Pastoralreferent Jens Hausdörfer, der geistliche Begleiter der Jugendbildungsstätte, freute sich, dass zu dieser besonderen Maiandacht mit dem emeritierten Diözesanbischof die Leichtersbacher Musikanten unter Leitung von Josef Heil gewonnen werden konnten. Auch wenn ein gemeinsames Singen der vertrauten Marienlieder nicht möglich war, gaben die Melodien von "Maria Maienkönigin", "Gegrüßet seist du Königin" und "Oh himmlische Frau Königin" der Maiandacht doch den passenden musikalischen Rahmen.

Missbrauch in Kirche angesprochen

Auf dem Marienaltar stand die Marienstatue Regina coeli, die von Udal Groß, dem ehemaligen Rektor der Schule Volkersberg, geschaffen wurde. Die Marienfigur stehe normalerweise in der Sakristei der Wallfahrtskirche, sie sei nun zu diesem Anlass in den Mittelpunkt gerückt worden. Bischof em. Hofmann stellte Maria, die Gottesmutter, als große Fürsprecherin bei Gott in den Mittelpunkt der Andacht. "Wir leben in stürmischen Zeiten. Viele Menschen sind verunsichert. Auch vom Missbrauch in der Kirche. In solchen Zeiten tut der Blick auf die Gottesmutter gut", betonte der Bischof, der sie im weiteren als "Mittlerin zu Christus" bezeichnete.

Königin der Frauenrechte?

Der Ehrentitel "Himmelkönigin" stand im Mittelpunkt der Andacht. "War die Gottesmutter Maria eine Königin? In der Bibel steht nichts von einer Königskrone oder gar einem Königreich. War und ist sie trotzdem eine Königin? Eine Königin der Herzen, der Frauenrechte, der Mütter?", fragte Martina Reinwald, Leiterin des Lernwerks Volkersberg. "Eine Königin stellen wir uns vielleicht als Frau vor, die abgeschirmt ist von der normalen Welt und die daher keine wirkliche Vorstellung vom Leben der Menschen hat", gab Hausdörfer zu bedenken. Doch seit vielen Jahrhunderten werde Maria als Himmelskönigin verehrt.

Mit drei Fragen wurden die Teilnehmer der Andacht eingeladen, inne zu halten und ins Nachdenken zu kommen: "Was schätze ich an Maria so sehr, dass ich sie verehre?, Was ist davon für mein Leben besonders wichtig? Und welche Möglichkeiten räume ich Gott im Blick auf meine Lebensgestaltung ein?" Anhand zweier Bibeltexte wurden unterschiedliche Blickwinkel auf Maria eröffnet. Das schwangere junge Mädchen wird nach einem längeren Fußweg von ihrer Verwandten Elisabeth als "Mutter des Herrn" begrüßt. In der Offenbarung des Johannes wird das Bild einer apokalyptischen Frauengestalt gezeichnet, einer kosmologischen Darstellung Mariens mit der Sonne und 12 Sternen bekränzt, den Mond zu Füßen. Für Bischof em. Hofmann ist es ein Bild, das über das irdische hinausreicht, das die Gottesmutter als Mittlerin hin ins Transzendente zeigt. "Maria weitet unseren Blick und öffnet unsere Augen. Sie ermutigt uns, die Zeichen der Zeit zu verstehen und uns von ihr auf unserem Weg begleiten zu lassen."