Ist es ein Torero oder ein Stier? Führen die beiden einen Tanz miteinander auf und sind miteinander verwoben? Elias Frisch war sich lange nicht sicher, was die Holz-Skulptur zeigt und welchen Namen er ihr geben soll. Mittlerweile trägt sie den Titel "Torero-Stiertanz", denn beide Figuren sind enthalten und laden zu immer neuen Eindrücken ein. Zu sehen ist sie - und andere Werke des Holzbildhauers im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg.

Elias Frischs Werke: Ungewöhnliche Materialwahl

Das Material für den Stiertanz fand Holzbildhauermeister Elias Frisch im Urlaub am Stand. Es war verbrannt. Doch es faszinierte ihn sofort. Er nahm es mit und legte frei was von dem Holz noch übrig war. Die Brandspuren haben sich tief ins Holz gefressen, es zeigt heute noch, auch nach der Bearbeitung schwarze Färbungen. "Ich kann nicht sagen, was es für ein Holz ist, aber es ist eines meiner Lieblingsstücke."

Fundhölzer am Wegesrand, am Strand oder im Wald mit nach Hause zu nehmen und zu schauen, was die Hölzer beinhalten, ist eine Leidenschaft des Holzbildhauermeisters. Er liebt es zu erspüren und mit Fingerspitzengefühl die noch vorhandenen Formen und Strukturen aus solchen Hölzern durch eine behutsame Bearbeitung freizulegen.

Stiertanz als Skulptur

In seiner aktuellen Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg zeigt er große Skulpturen wie den "Torero-Stiertanz" und den Oktopus, den er aus Olivenholz herausgearbeitet hat sowie eine Vielzahl deutlich kleinerer Kunstwerke aus Fundhölzern, denen er neues Lebens einhauchte. "Es ist schön, endlich wieder vor Publikum etwas zu zeigen", sagt Elias Frisch.

Seine Ausstellung war eigentlich schon im vorigen Jahr geplant, musste wegen Corona aber verschoben werden. Vom 2. November bis 31. Mai war das Bruder-Franz-Haus geschlossen. Die Corona-Pandemie mit ausgefallenen Märkten, Ausstellungen und verschobenen Veranstaltungen und Symposien ist für Künstler eine schwierige Zeit. Um sich nicht von einer Perspektivlosigkeit überrollen zu lassen hat Frisch die Zeit genutzt, um in Wegfurt in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen eine Galerie und Werkstatt einzurichten.

Freude über Ausstellungsmöglichkeit

"Man muss positiv denken und nach vorne blicken", betont der Familienvater. Umso größer war die Freude, seine Werke für die aktuelle Ausstellung "NaturGestalten" zusammen zu stellen.

Passend zum Thema des Bruder-Franz-Hauses hat Frisch neben den Kunstwerken aus Fundhölzern, einige Stelen ausgewählt, die dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus angelehnt sind. Bruder Wind, eine mächtige Feder gleich im Eingangsbereich. Eine Leuchtstele, die an Bruder Mond erinnert und ein Kreuz, das für Tod und Auferstehung steht.

Die Stelen sind aus alten Eichenbalken gefertigt. Sie atmen Geschichte, sind teilweise über 100 Jahre alt und dürfen durch Elias Frisch eine neue Bedeutung bekommen. So entstehen faszinierende Unikate. Manche der Skulpturen sind mit LED-Beleuchtung versehen, um interessante Lichteffekte zu erzielen. Auch einige Fundhölzer haben eine Beleuchtung bekommen, was Frisch aber sehr sparsam einsetzt.

Künstler als Schnittstelle

Die Namensfindung für die Kunstwerke ist ein eigener Prozess. Elias Frisch möchte einerseits dem Betrachter vermitteln, was er als Künstler in den Werkstücken sieht, anderseits genügend Freiraum für eigene Betrachtungen lassen.

Erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen ist sein Meisterstück, das allerdings unverkäuflich ist. "Ich bin eine Schlange. Ich bin listig. Bin ich gut oder böse?", lautet die Inschrift auf der Skulptur und lädt zum Nachdenken ein. Einerseits ist die Schlange auf dem Äskulapstab als Symbol der Medizin und Heilkunde durchaus positiv besetzt, andererseits erinnert die Skulptur auch an die biblischen Erzählungen, in der die Schlange als Verführerin auftritt.

Ergänzt werden die Bildhauerarbeiten von Elias Frisch durch Aquarelle seiner Mutter Mine Frisch. Sie beschäftigte sich mit Faltern und Schmetterlinge und setzt sie mit weichen Farben gekonnt in Szene.

Die Ausstellung "NaturGestalten" ist bis 29. August im Bruder-Franz-Haus zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten sind täglich von 10 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr.

Vita:

Die Begeisterung für Holz und Bildhauerei zeigte sich bei Elias Frisch schon in seiner frühen Jugend. Er bestaunte die Künstler an der Holzbildhauerschule, die er später (2004-2007) selbst besuchte und seine Passion in der Bildhauerei entdeckt. Um sein Wissen zu vertiefen und seine Fähigkeiten zu verfeinern, führte ihn sein Weg an die Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk in München (2007-2009). Heute arbeitet er als freischaffender Künstler in Wegfurt.