"Willst du es bei einem Gefäß lassen? Schau mal, wir haben viele Apothekergefäße mit Schlangengift und Teufelsdreck", animiert die Kunstpädagogin Mathilde Knuchel Hannes Schuhmann, sein Bild attraktiver zu gestalten. "Ne", sagt der Neunjährige bestimmt, "ich mal´ noch ein Fenster dahin und Wand". Schon hat er die grüne Kreide in der Hand, um sein Werk zu vollenden.

Es ist Montagnachmittag. Der Tag, an dem sich seit mittlerweile fünf Jahren regelmäßig etwa ein Dutzend Frauen und Männer im "Malkeller" des Schondraer Rathauses treffen, um ihrer Leidenschaft, der Malerei, nachzugehen. "Der Faltenwurf ist etwas Schlimmes", gibt Knuchel zu und hilft Elisabeth Brüns mit wenigen Strichen, die Tischdecke ihres Aquarells naturgetreu auf das Papier zu bringen. Brüns ist der "Neuling" im vor vier Jahren gegründeten Verein "Die Palette".

"Einmal geschnuppert und gleich infiziert", kam die aus Köln stammende und seit zehn Jahren in Schondra lebende Frau nach einer Ausstellung vor drei Wochen zum Verein. Sie habe schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, ihr Hobby auszuüben und ist von dem Malkreis "total begeistert". "Es ist für mich wie Meditation", es entspanne total, sagt sie. Auch wenn das über drei bis vier Stunden "voll konzentrierte Arbeiten" an den Montagen die Bad Brückenauerin Marianne Brechtmann manchmal ermüdet, kommt sie schon seit vier Jahren regelmäßig nach Schondra. Dabei bereite ihr nicht nur das Malen große Freude, auch die Gemeinschaft sei sehr nett.
Und "wenn der Hannes auftaucht, dann geht es uns gut. Dann werden die Bilder noch schöner", unterstreicht Knuchel die Aussage Brechtmanns.

Vom Alltagsstress abschalten

Der Schondraer Josef Leitsch dagegen "malt wegen der netten, hübschen jungen Frauen". Nein, Spaß beiseite. Sein Talent, das bereits die Schullehrer begeisterte, sei viele Jahre beruflich bedingt verschüttet gewesen. Als er von dem Verein hörte, sah er eine sehr gute Möglichkeit, "wieder Anschluss an die Malerei zu bekommen". Seit zwei Jahren lernt er nun neue Techniken dazu und verfeinert sie. Und kann beim Malen gut vom Alltagsstress abschalten.

Mathilde Knuchel, die in Erfurt Kunst und Deutsch studierte, gab etwa vier Jahre lang an der Bad Brückenauer Volkshochschule den Kurs "Freude durch Zeichnen". Nachdem der Kurs mangels Teilnehmern nicht mehr zustande gekommen war, gab sie getreuen Schülern weiterhin privaten Zeichenunterricht in der Georgi-Halle und hielt Nachmittagskurse für Kinder an der Volksschule in Schondra. Den kahlen Chemieraum tauschte die Kunstpädagogin vor fünf Jahren mit dem jetzigen "Malkeller", der ihr vom Bürgermeister der Marktgemeinde Schondra zur Verfügung gestellt wurde. Auf eigene Kosten und mit Hilfe des Schulhausmeisters entrümpelte Knuchel den Kellerraum und richtete ihn mit ausgedienten Schulmöbeln ansprechend ein.

"Der treue Stamm", etwa zehn Frauen und Männer aus dem Kurs "Freude durch Zeichnen", folgte seiner Lehrerin in den Malkeller nach Schondra. Dort bemühen sich die Kunstbegeisterten jeden Montag, "dem hohen handwerklichen Anspruch", der von Knuchel sehr ernst genommen wird, gerecht zu werden. Die Freude ist dann umso größer, wenn die Malerinnen und Maler etwas Schönes "geschöpfert" haben, wie die Kunstpädagogin aus Einraffshof weiß.