Ein erstes, das den Bodengutachter weitgehend entlastet hatte, beurteilt Schäfer so: "Es hat keinen richtigen Aussagewert." Er hofft, dass die Beurteilung eines zweiten Experten die Frage besser klären kann: Hätte der Hangrutsch an der Baustelle des Seniorenzentrums im Frühjahr 2013 verhindert werden können?

Rückblende: Nach dem Aushub der Baugrube in der Ernst-Putz-Straße und starken Regenfällen war damals der darüber liegende Hang in Bewegung geraten. Anwohner hatten über Risse in ihren Häusern geklagt. Die landkreiseigene von-Heß-Stiftung als Bauherr musste handeln. Sie ließ unter anderem eine fast zwei Millionen Euro teure Bohrpfahlwand setzen, um das Erdreich abzustützen. Zusätzlich sorgte die Verzögerung - erst im Frühjahr 2014 wurde am Waldenfels weitergebaut - sorgte für weitere Kostensteigerung. Im Juli 2016 fand die offizielle Eröffnung des Hauses statt - zwei Jahre nach dem geplanten Termin.

Wenig später reichte die Stiftung gegen den Bodengutachter und einige Baufirmen Klage beim Landgericht ein. Der Vorwurf: Der Ingenieur soll die Grund- und Sickerwasserverhältnisse vor Ort nicht durch mehr und tiefere Messungen ausreichend erkundet haben. Und auch nicht den Einfluss von länger anhaltenden Niederschlägen eingerechnet haben.

Der erste, jetzt von Schäfer angezweifelte Sachverständige, hatte den Bodengutachter allerdings entlastet. Das "in Bayern schlimmste Starkregenereignis seit Jahrhunderten" habe dieser zum Zeitpunkt seiner Untersuchungen 2012 nicht vorhersehen können. Auch nicht mit tieferen und zeitlich längeren Messungen.

Für Stiftungsvorstand Marco Schäfer reichen diese Ausführungen nicht aus, um die Schuldfrage endgültig zu klären. Ob das Schweinfurter Landgericht ein zweites Gutachten bei einem anderen unabhängigen Sachverständigen in Auftrag gibt, weiß er nicht. "Das bestimmt das Gericht selber." Auch Schäfer rechnet nicht mit einem schnellen Abschluss des Verfahrens.