Die Aktion dauerte kaum länger als eine halbe Stunde. Mitarbeiter der Stadtwerke und des Bauhofs rückten am Donnerstagvormittag mit einem LKW-Kran an der Kreuzung der Hammelburger Straße mit dem Bahnradweg an. Sie verhakten die seit vielen Jahren nicht mehr bewegten, senkrecht stehenden Schrankenbäume mit dem Ausleger. Dann flexten sie das Metall oberhalb des Heb-und Senkmechanismus ab. Anschließend brachten die Arbeiter die Schlagbäume zum Bauhof, wo sie - weiter zerlegt - auf den Schrotthändler warten.

Ursprünglich gehörten die Schranken zu den Sicherheitsanlagen der längst stillgelegten Sinntalbahn. Es war ein großer Wunsch von Altbürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU), dass sie wie das benachbarte Stellwerk als Überbleibsel und Erinnerungsstücke am heutigen Bahnradweg stehen bleiben. Dieser folgt bekanntlich dem Verlauf der seit 1891 betriebenen einstigen Nebenbahnstrecke Wildflecken - Jossa.

2002 fuhr dort der letzte Zug. Seitdem passierte mutmaßlich mit den nun funktionslosen Bahnschranken in der Hammelburger Straße nicht viel. Lediglich der städtische Bauhof kontrollierte sie in regelmäßigen Abständen, berichtet dessen Leiter Michael Krug.

Aber warum mussten die Schlagbäume weichen? Die Entscheidung geht auf einen Vor-Ort-Termin (aus einem anderen Grund) vor ein paar Wochen zurück. Damals trafen sich Vertreter von Landratsamt, Staatlichem Bauamt, Polizei mit Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) und Bauhofleuten. Dabei seien die alten Schranken als Sicherheitsrisiko aufgefallen, bestätigen sowohl Krug als auch Klaus Wiesler, Sachbearbeiter Verkehr bei der Bad Brückenauer Polizeiinspektion, der beim Termin dabeiwar. Es habe Zweifel an ihrer Standfestigkeit gegeben, sagt Letzterer. Nun erfolgte die Anordnung des Landratsamtes, die beiden Schlagbäume zu entfernen. Weitere Informationen der Straßenverkehrsbehörde dazu waren vor dem Wochenende nicht zu bekommen.

Die fehlende Standsicherheit als Abbau-Grund leuchtet Michael Krug nicht ein. "Aus unserer Sicht hätten die Schranken stehen bleiben können", sagt der städtische Bauhofleiter. Der Zustand der Ausleger beschreibt er als "optisch angerostet, aber ansonsten noch okay". Bedienen ließen sich die Schranken aber nicht mehr. "Man hätte sie irgendwann einmal neu streichen müssen."

Krug verweist darauf, dass einige Hundert Meter weiter, an der Buchwaldstraße, eine ganz ähnlich erhaltene Schrankenanlage steht. Und zwar auf städtischem Grund. Die jetzt abgebauten Schranken hingegen zierten die Staatsstraße 2790 (ehemals B27): Damit zeichnet das Staatliche Bauamt Schweinfurt dafür verantwortlich, nicht die Stadt. Krug zufolge bleibt die Anlage an der Buchwaldstraße stehen.

Beseitigt werden dafür die verbliebenen Schrankenkästen samt Hebelanlage in der Hammelburger Straße, die mit Stahlseilen und Verschraubungen bis in die Erde reichen. Klaus Wiesler zufolge wurden auch sie als Risikostellen erkannt, vor allem für Fahrradfahrer, die sie übersehen könnten. Der Abbau soll - auch nach Krugs Informationen - mit der Kompletterneuerung des Hammelburger Bergs erfolgen.

Dann soll auch die durch den Bahndamm entstandene Rampe zwischen Polizei und "Grünem Baum" angeglichen werden. Ebenso werden die darin liegenden Schienen entfernt, über die Autofahrer immer noch tagtäglich holpern müssen. Der Baubeginn am Hammelburger Berg hängt bekanntlich davon ab, ob und wie schnell die unter Naturschutz stehende Haselmaus im weiteren Verlauf der Strecke Richtung Buchrasen umgesiedelt werden kann.

Andere Schranken im Stadtgebiet wurden schon vor Jahren abgebaut. Mit der Umgestaltung der alten Bahnstrecke zum Bahnradweg in den Jahren 2017 bis 2019 wichen die Anlage am Hubertusweg im Staatsbad (hinter dem Rhönstübchen) und diejenige an der B286, nahe dem Ortsausgang von Römershag Richtung Autobahnanschlussstelle Bad Brückenau/Wildflecken.

Nichts zu tun haben die Arbeiten vom Donnerstag übrigens mit einer Baustelle am Bahnradweg zwischen Staatsbad und Wernarz. Zwischen Straße und Rad- und Fußweg wurde dort ein Graben gezogen. Laut Michael Krug verlegen die Stadtwerke dort ein Stromkabel. Es soll eine Leitung unter der Wernarzer Straße ersetzen, die bei der hoffentlich bald startenden Sanierung der Fahrbahn entfernt wird.