So mancher Gerodaer, Plätzerer oder Seifertshöfer wird künftig seine Heimat mit ganz anderen Augen betrachten. Denn bei der Vorstellung der Ergebnisse der "Erfassung historischer Kulturlandschaftselemente der Marktgemeinde Geroda", einem Projekt des Biosphärenreservats Rhön, wurden die Besucher quasi auf die Schönheit ihrer Natur und vorhandene Schätze - das Wirken des Malers Heinz Kistlers und die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Geroda und Platz - "gestoßen". So formulierte es Bürgermeister Manfred Emmert.

"Es ist nicht nur die pure Natur, die man sieht, sondern gleichzeitig auch Kulturlandschaft", erläuterte Doris Pokorny, Projektleiterin von der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, eingangs das Projekt. Dieses war 2006 vom Beirat für das Biosphärenreservat empfohlen worden. Abgeschlossen und in gekürzter Form als Buch erschienen sind bereits die Erhebungen der Regionen Fladungen und Umgebung mit oberem Streutal (2008), die Walddörfer (2009), Riedenberg (2010) und 2011 die Marktgemeinde Wildflecken mit Truppenübungsplatz.

Auf die Herausgabe des vierten Bandes der Buchreihe, der den Titel "Historische Kulturlandschaft Rhön südlich der schwarzen Berge" tragen wird, müssen die Gerodaer noch ein paar Jahre warten. Denn in diesem Jahr geht es zunächst mit den Untersuchungen in der Gemeinde Burkardroth weiter. Die Ergebnisse der beiden Nachbarmarktgemeinden Geroda und Burkardroth werden dann in diesem gemeinsamen Buch zu lesen sein.

Über 200 Seiten sowie Bilder und Kulturlandschaftskarten umfasst der Bericht über die Marktgemeinde Geroda, den Pokorny und die mit der Erfassung beauftragte ARGE, Landschaftsplaner Thomas Büttner (Altmorschen) und Geograph Armin Röhrer (Bamberg), am Mittwochabend an den Bürgermeister übergaben. "Mit der Bitte um Vervielfältigung", wie die Projektleiterin bat.

479 Elemente dokumentiert

So wurden insgesamt 479 historische Kulturlandschaftselemente, von den Menschen über viele Jahrhunderte gestaltet, dokumentiert: 259 in Platz, 220 in Geroda. Viele davon seien mit hoher Erhaltungswürdigkeit eingestuft worden, wie Büttner und Röhrer bei der Präsentation betonten.

Dass diese Elemente für die Nachwelt erhalten werden, dieser Aufgabe sollte sich die Gemeinde jetzt annehmen. Weil auch vieles mit hoher touristischer Wertigkeit eingestuft wurde, empfahl das Team, den vorhandenen kulturlandschaftlichen Rundwanderweg um weitere Stationen zu ergänzen. Vielleicht um den "Kistler-Blick", den malerischen Bergwiesengürtel, der laut Pokorny europaweit eine Besonderheit wäre, und anderes.

Touristisch interessant sein dürfte auch Kistlers Verbindung zur Marktgemeinde. Deshalb sollten der Künstler und sein Werk stärker mit dem Markt Geroda in Verbindung gebracht werden. Auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die in Geroda und Platz angesiedelt war und von der noch wertvolle Relikte erhalten sind, sollte aufgearbeitet werden und könnte im "Schindelhaus" ausgestellt werden.

Wichtig für das Projekt war die Mitarbeit des "Rats der Weisen", ortskundige Bürger, die mit Unterlagen und ihrem Wissen zum Gelingen beitrugen. Es waren aus Geroda Hilde Emmert, Karl Floth, Karl Manger, Christoph Raab und Karl Raab, aus Seifertshof Waltraud Schneider sowie die Plätzerer Hanskarl Bohn, Peter Heck, Ludwig Heinle, Ernst Schmidt und Willi Schmidt.

Wertvolles historisches Bildmaterial stellte Waltraud Schneider zur Verfügung, Joachim Jenrich von der hessischen Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Luftaufnahmen der Marktgemeinde. Unterstützung gab es vom Vermessungsamt in Form von Katasterblättern aus dem Urkataster und Liquidationsplan.