Endlich ist ein Konstrukt vom Tisch, das in Bad Brückenau für viel Unmut gesorgt hatte. Nachdem die Staatliche Kurverwaltung ihren Vertrag mit dem Unternehmen "Omnibusverkehr Franken" Mitte 2012 gekündigt hatte, mussten Kurgäste, die im Staatsbad wohnten, plötzlich ihre Tickets selbst zahlen. Gäste, die in der Stadt übernachteten, fuhren dagegen weiter kostenlos. Das war den Besuchern nur schwer zu vermitteln.

Um der Situation die Schärfe zu nehmen, führte die Stadt vergünstigte Fahrkarten für Gäste des Staatsbades ein. Die lösten das Problem zwar nicht ganz, wurden aber gut angenommen. Die Karten braucht es nun nicht mehr, denn seit 1. Juli fahren Kurgäste aus Bad Brückenau kostenlos mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), und zwar durch den ganzen Landkreis. Das gilt auch für die Linie 8057 zum Kreuzberg. In seiner jüngsten Sitzung stimmte der Stadtrat dem Vertrag mit der Verkehrsgemeinschaft Kissingen mobil (KIM) zu. Diese Entscheidung war umstritten - wie das Abstimmungsergebnis von zwölf zu sieben Stimmen zeigt.

Für Unverständnis sorgte bei den Stadträten die Tatsache, dass sich die Staatliche Kurverwaltung im Staatsbad lediglich mit einem Werbekostenbeitrag von 8000 Euro an den Kosten für die Kurgastbeförderung beteiligt, obwohl die Gesamtkosten für die Stadt bei etwa 27.000 Euro liegen. Für einige Stadträte ist das nicht nachvollziehbar, zumal etwa zwei Drittel der Gäste der Stadt im Staatsbad wohnen. Weiterer Kritikpunkt: Kostenlos sind Fahrten nur im Landkreis Bad Kissingen. Wer etwa nach Fulda will, fährt bis Motten frei - und muss danach ein Ticket lösen.

Nicht weiter ins Minus rutschen

"Busfahrten sind keine Leistung der Kurtaxe", erklärt Andrea Schallenkammer, Direktorin der Staatlichen Kurverwaltung. Das sei eine Aufgabe des Landkreises und der Kommunen. Inhaltlich ist das korrekt: Auch die Stadt darf aus rechtlichen Gründen die Kosten für die Kurgastbeförderung nicht einfach auf den Kurbeitrag aufschlagen, erklärt Kämmerer Leo Romeis.

Trotzdem muss das Geld ja irgendwo herkommen. Deshalb entschied sich die Stadt für eine Querfinanzierung. Der städtische Kurbetrieb fährt pro Jahr ein Defizit von rund 400.000 Euro ein. Dieses Minus sollte nicht weiter steigen, deshalb erhöhte der Stadtrat Kurbeiträge für Gäste der Stadt. Der Freistaat wiederum schlägt zehn Cent auf die Kurtaxe für Gäste des Staatsbades auf (siehe Info-Kasten). Die Mehr-Einnahmen fließen nicht direkt in die Fahrgastbeförderung. So hält sich die Stadtverwaltung an die rechtlichen Vorgaben und kann gleichzeitig einen Service anbieten, der heute zum Standard gehört.

Bleibt die Frage, warum die Staatliche Kurverwaltung die Kosten nicht zu gleichen Anteilen mit der Stadt schultert. Sie störe, dass die Staatliche Kurverwaltung und damit der Freistaat Bayern weniger zahle als die Stadt, brachte Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG) die Kritik auf den Punkt. "Wenn der Landkreis seine ÖPNV-Offensive umsetzt, wäre es ungünstig, wenn Bad Brückenau nicht mitmacht", gab Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) zu Bedenken.

Für Schallenkammer selbst stellt sich diese Frage nicht. Der Kurbetrieb in Stadt und Staatsbad sei von einem ständigen Austausch geprägt. Alle Gäste der Stadt könnten beispielsweise die Veranstaltungen im Staatsbad besuchen. "Da schauen wir nicht drauf, ob sie die staatliche Gästekarte haben oder die städtische", begründet die Kurdirektorin ihre Entscheidung.