Der halbseitig gelähmte Para-Radsportler Maximilian Jäger musste auf der Fahrt nach Bad Brückenau trotz gültiger Fahrkarte den Zug verlassen. Der Grund: sein schweres Gepäck.
Es sollte eine gemütliche Heimfahrt werden, nach Wochen in der Fremde. Am 2. Oktober saß Maximilian Jäger, doppelter Vize-Weltmeister im Para-Radsport aus Bad Brückenau, im ICE Richtung Heimat. Doch die Reise entwickelte sich unerfreulich für den halbseitig gelähmten 19-Jährigen. Am Ende warf ein Zugbegleiter den erfolgreichen Sportler aus dem Zug. Wegen eines Koffers.
Maxi Jäger war unterwegs von Cottbus, wo er in einer Behinderten-Radsportgruppe trainiert und an der Eliteschule des Sports lernt, zu seinen Eltern. Seine Route führte ab 14 Uhr per Regionalexpress nach Berlin-Hauptbahnhof. Dort bestieg er den ICE 377 Richtung Fulda. Dort sollten seine Eltern ihn gegen 19.45 Uhr per Auto abholen.
Kein Platz für schweren Koffer
Der 19-Jährige hatte mit der Fahrkarte online einen Sitzplatz gebucht. Wollte er doch im vollen ICE nicht stehen müssen. Was Jäger nicht bedachte: Für seinen schweren Koffer, in dem er sein auseinandergebautes Fahrrad mitführte, fand sich im vollen Zugteil kein Platz. Zumal der Brückenauer noch einen prallen Rucksack dabei hatte. Er stellte den Koffer in den Gang.
Dies missfiel dem Zugbegleiter. Er habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass der Gang freizubleiben habe, sagt Jäger. Der bot an, den Koffer im Behindertenabteil unterzubringen. Der Schaffner dazu: Dieser abgetrennte Bereich sei nur für Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen vorgesehen.
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Vielleicht hätte Jägers Behindertenausweis den Zugbegleiter umgestimmt. Doch der 19-Jährige war nach eigener Aussage so perplex, dass er nicht daran dachte, ihn vorzuzeigen. So setzte der Bahn-Bedienstete ihn in Berlin-Spandau vor die Zugtür. "Er hat nicht mal beim Ausladen der schweren Sachen geholfen, obwohl ich ihn darum gebeten hatte. Er hat gesagt, das sei zu gefährlich", erinnert sich Jäger.
Seine Behinderung ist durchaus zu erahnen. Er zieht das linke Bein deutlich nach. Seine linke Hand kann er nur schwer bewegen; er spürt darin nur sehr starke Reize wie große Wärme oder Kälte - als kurzes Stechen. Für ihn gestaltet es sich schwierig, große schwere Gepäckstücke zu tragen oder eine Tasche mit Rollen in der Spur zu halten.
In Spandau informierte der Bad Brückenauer seine Eltern über das Geschehene. Dann ging er zum Info-Point im Bahnhof. Die Mitarbeiter dort entgegneten dem 19-Jährigen - unerwartet - mit großem Wohlwollen. "Sie haben mir einen Anschlusszug besorgt und abgeklärt, dass ich ins Behindertenabteil konnte. Der dortige Zugbegleiter sah kein Problem darin, dass ich den Radkoffer mit hineinnehme." Er habe sich für den Schaffner im anderen Zug entschuldigt.