Die Klosterkirche am Kreuzberg war schon lange vor dem Beginn des Gottesdienstes voll besetzt. Es war der Abschiedsgottesdienst von Pater Stanislaus Wentowski, der in seinen acht Jahren als Seelsorger auf dem Heiligen Berg der Franken viele Freunde gewinnen und für den Glauben begeistern konnte. Gekommen war auch Dekan Dr. Andreas Krefft, dem es oblag die Laudatio zum Abschied zu halten. Aus der Nachbargemeinde des Kreuzbergs, den Walddörfern war Pfarrer Hubert Grütz mit dabei, außerdem Prälat Bernhold Rauch sowie der neue Hausvikar des Klosteres Kreuzberg Pater Georg Andlinger. "Schön, dass die Kirche so voll ist. Schön, dass Sie sich Zeit genommen, damit wir miteinander Abschied feiern können, denn meine Zeit auf dem Kreuzberg geht zu Ende", begrüßte Pater Stanislaus die versammelte Gemeinde.


Seelsorge und Gastronomie

Als er vor achteinhalb Jahren gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, auf den Kreuzberg zu kommen, hatte er Bedenken: "Ob Seelsorge neben einer großen Gastronomie überhaupt möglich ist." Gleichzeitig habe ihn diese große Herausforderung auch gereizt. "Wenn ich heute zurück blicke, stelle ich fest, dass es möglich ist, den Glauben hier zu erfahren. Schon alleine aus der langen Vergangenheit dieses Wallfahrtsortes ergeben sich Chancen, die den Glauben fördern können. Die Schlichtheit des Ortes zieht Menschen an, die nach dem Einfachen suchen und dem Luxus entkommen wollen." Sein Dank galt allen, die ihn unterstützten und zur Erhaltung des Glaubens auf dem Kreuzberg beigetragen haben. Namentlich nannte er Landrat Thomas Habermann und die Kreuzbergallianz, die die Entstehung von Bruder-Franz-Haus vorangetrieben haben. "In den acht Jahren ist mir tatsächlich der Kreuzberg zur geistlichen Heimat geworden. Ich wäre gerne hier geblieben, doch offensichtlich hat Gott andere Pläne mit mir." Letztlich bleibe die Frage: "Wer weiß, wofür es gut ist? Auf die Antwort bin ich selbst sehr gespannt", blickte er nach vorn.
Auf Bitten von Pater Stanislaus sprach Landrat Thomas Habermann ein Grußwort auch im Namen der Kreuzbergallianz, dankte für das gute Miteinander und die Nachbarschaft sowie die gute Seelsorge. Über Pater Stanislaus wirken am Kreuzberg sprach Pfarrer Dr. Andreas Krefft in seiner Funktion als Dekan und als persönlicher Freund. Als er im Jahr 2008 auf den Kreuzberg kam, war er noch Pfarrer in den Walddörfern. Sehr schnell haben beide einen guten menschlichen Kontakt gefunden. So erinnerte sich Pfarrer Krefft an viele bereichernde Gespräche und gegenseitigen freundschaftlichen Austausch.
Pater Stanislaus habe immer wieder in den Walddörfern ausgeholfen, doch nicht allein durch die Aushilfe sondern aufgrund seiner besonderen Art auf die Menschen und die Verantwortlichen in den umliegenden Gemeinden zuzugehen, habe er sich unentbehrlich gemacht. "Mit dem Herz auf der Zunge hast du auf deine ganze spezielle offene und ehrliche Art Brücken gebaut", beschrieb es Pfarrer Dr. Krefft. Dadurch habe er viele Menschen wie ein Magnet angezogen und beispielsweise zum Sonntagsgottesdienst auf den Kreuzberg geholt.
Er sei ein Priester im Messgewand, der mit Gitarre in der Hand fröhlich mit den Gläubigen bekannte moderne Lieder singt und neu einübe. Mit seinem Lieblingslied "Wo die Liebe wohnt" habe er die Herzen der Menschen erreicht.
Als Seelsorger sei Pater Stanislaus jederzeit für die Menschen gesprächsbereit gewesen, habe den einen oder anderen sogar über eine längere Strecke ihre Lebensweges begleitet. Als er dann vor zwei Jahre Guardian wurde und noch ganz andere und vielfältigere Aufgaben zu übernehmen hatte, litt er darunter, dass er einen Teil der Seelsorge und die Nähe zu den Menschen im Bruder-Franz-Haus aufgeben musste.
Dass er nun den Kreuzberg verlasse, erfülle die Menschen, die ihn liebgewonnen haben und auch Dekan Dr. Krefft persönlich mit Bedauern.
Doch die Entscheidung sei nunmal gefallen, nun heiße es für Pater Stanislaus loszulassen. Mit einem Segensspruch für ein Leben in Richtung Zukunft verabschiedete Dekan Krefft Pater Stanislaus vom Kreuzberg.