Einen spannenden Abend mit vielen kritischen Nachfragen erlebten rund 40 Besucher (inklusive Stadträte) der Bürgerversammlung für die Kernstadt in der Georgi-Halle. Schwerpunkte eines ausgiebigen Frage-und Antwortspiels waren die Brachen in der Stadt und der Straßenverkehr.

Das "Aufwärmen" übernahm Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) mit seinem Vortrag zu den Entwicklungen in der Stadt (wir berichteten aus der Bürgerversammlung für Staatsbad und Wernarz). Ex-Stadtrat Karl-Heinz Schmitt rief die schrecklichen Bilder der Umweltkatastrophe im Ahrtal in Erinnerung. Er fragte nach einer Sirene im Zentrum Bad Brückenaus, die die Einwohner akustisch warnen könnte. Die Einrichtung an der Edelruh ist seit Jahren außer Betrieb.

Bürgermeister Vogel antwortete, dass mit Michael Krug, dem Kommandanten der städtischen Feuerwehr, und der Kreisfeuerwehrführung Gespräche zur Reaktivierung laufen. Er verwies auf das Hochwassermanagement, das in der nächsten Sitzung der Brückenauer Rhönallianz Thema sei. Ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes soll das Thema intensiver beleuchten.

Sofortmaßnahmen bei Sturzflut

Thomas Dill wollte abseits davon wissen, ob in der Kernstadt "konkrete Sofortmaßnahmen" geplant seien. Wie oft habe das Wasser schon an der Sinnbrücke und dem Rhöncenter bedenklich hoch gestanden? Der Turnverein und seine Halle wären von einer sturzflutartigen Überschwemmung als Erste betroffen.

Jochen Vogel wollte "keine Schnellschüsse" wagen, die vielleicht ins Gegenteil umschlagen. Er sei mit Forstleuten im Gespräch, dass die möglichst Wasserabflüsse aus dem Wald von Wohnbebauung wegleiten. Der Bürgermeister will nicht auf ein Hochwasserkonzept in Gänze warten, sondern schon vorher handeln, wo Bedarf offensichtlich sei.

Ingo Zimmermann sprach ein schon länger gärendes Thema an: die aus seiner Sicht mangelnde Sicherheit und der fehlende Fußweg an der Ernst-Putz-Straße hin zum Baugebiet Hart/Langeller. Dort herrschten "unzumutbare und lebensgefährliche Zustände". Besonders eng und gefährlich sei es am alten Haus Waldenfels. "Wann will die Stadt eine fußgängergerechte und sichere Verbindung planen und herstellen", fragte er und goss sein Anliegen gleich in einen Antrag für den Stadtrat. Denn seit einem früheren Vorstoß der Anwohner habe sich kaum etwas gebessert. Und das trotz einer Geschwindigkeitsbeschränkung vor Ort, die aber oft nicht eingehalten werde.

Ebenfalls Dauerthema ist die Crailsheimstraße, die Autofahrer offensichtlich als nördliche Umfahrung der Kernstadt nutzen. Klaus Neisser: "Das Verkehrsaufkommen in der 30er-Zone ist nicht mehr erträglich." Er forderte Konzepte, die Wohnstraße als solche wieder herzustellen. Ex-Stadtrat Benjamin Wildenauer erinnerte an die Schwierigkeiten, dort eine Verkehrsberuhigung zu schaffen.

Gerhard Knüttel brachte die in seinen Augen unnütze Buslinie durch die Dörflinger-Straße ins Gespräch. Unnütz deshalb, weil sie das AWO-Heim nicht mehr anfährt, weswegen sie eingerichtet worden sei. Heute würden nur wenige bis keine Fahrgäste die Linie nutzen. Bei der Durchfahrt gehe es in der Straße eng zu.

Wolfgang Schneider outete sich als "letzter Anwohner vorm Hammelburger Berg" - und eröffnete so die Debatte um marode Straßen im Stadtgebiet. Er vermisste den "Aufschrei der Stadt", als die Sanierung der ehemaligen B27 dort erneut verschoben wurde - diesmal wegen der naturgeschützten Haselmaus.

Bürgermeister Vogel verhehlte nicht, dass er diese Begründung des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt nicht nachvollziehen kann. Zumal er auch die benachbarte Kreuzung der Staatsstraße 2790 mit dem Bahnradweg entschärft wissen will. Da sei 2024 als Ausbaustart der Buckelpiste sicher zu weit entfernt. Für die Stadt sei die Lage unbefriedigend, weil sie selbst nur als Bittsteller beim Bauamt auftreten könne. Vogel hat Landrat Thomas Bold (CSU) gebeten, sich einzuschalten - wobei es auch um die marode Wernarzer Straße im Staatsbad gehen soll. Auch deren Zustand sei "unzumutbar".

In eine ganz andere Richtung gingen die Fragen von Yvonne Engberink und Günther Rüttiger, beide Mitbetreiber des Hotels "Ursula" in der Jägerstraße. Ob die Stadt an einen Ersatz für das zuletzt ausgefallene Silvester-Feuerwerk denke. Habe das Fest zum Jahreswechsel dem Beherbergungsbetrieben doch viele Gäste und Einnahmen beschert. Auch fragten sie nach einer städtischen Gesamtplanung für künftige Jahreswechsel.

Vogel zufolge dachte man über eine Lasershow nach; wegen Corona wurde sie aber sein gelassen. Zur Gesamtplanung verwies er auf ein Treffen mit Mitarbeiterinnen der Tourist-Info.

Rüttiger und Engberink kritisierten auch die Bad Brückenauer Internetseite; das Thema Kurzurlaub würde dort nicht stattfinden. Auch Vogel findet die Homepage nicht befriedigend. Das sei auch einer personellen Veränderung in der Verwaltung geschuldet. Kämmerin Julia Spahn ergänzte, dass es für das städtische Personal schwierig sei, das hinter der Seite stehende Programm "aus dem Stegreif" zu bedienen. Mitarbeiter-Schulungen würden im Oktober beginnen.

Es war auch Rüttiger, der seinen Eindruck vom alten Bahnhofsgelände als "Zuchtstation für Disteln und Dornenhecken" äußerte. Uwe Schindler bemängelte den unordentlichen Zustand, der dort für Wohnmobilisten herrscht. "Das ist unter aller Sau am Bahnhof."

Jochen Vogel verwies darauf, dass bei der Umgestaltung des Areals zuerst die Wohnmobilstellplätze sowie der Bus- und Autoparkplatz angegangen werden sollen. Man müsse schauen, mit welcher Intensität man das Areal bis dahin pflegt.

Grün-weiße Andreaskreuze

Weiter angesprochen wurden der sich verzögernde Baustart am MedZentrum, die Baulücke in der Ludwigstraße (ehemals Druckerei Nikolaus), der Leerstand am "Hotel Post", der verwahrloste Zustand der Freizeitfläche am Backhäusle und die zu geringe Zugänglichkeit der Heilquellen in der Georgi-Halle (laut Neisser).

Für den Bürgermeister sind der Stadt bei ersteren Themen weitgehend die Hände gebunden. Bei letzteren will sich Vogel kümmern, auch darum, dass der Zugangsbereich des Neuen Friedhofs mit den Sandsteinplatten erneuert wird.

Als krönender Abschluss der Bürgerversammlung kann die Frage Günther Rüttigers gelten, was da an der Ancenis-Straße (Nähe Deutsches Haus) für seltsame Gebilde stehen. Laut Vogel gehören diese "Andreaskreuze" zum Beschilderungskonzept des Bahnradwegs. In Rot und Weiß wären sie Verkehrszeichen zu ähnlich; deswegen seien sie auch grün.