Diese Aufgabe hat er sich nicht selbst gesucht. Sie wurde sozusagen an ihn herangetragen. Nachdem Jutta Leidenberger, die die Tafel im Jahr 2005 aufgebaut und acht Jahre lang als Vereinsvorsitzende voran gebracht hatte, ihr Amt zur Verfügung stellte, herrschte lange Ratlosigkeit in den Reihen der Brückenauer Tafel. "Mein Bruder hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte", erzählt Hans-Jürgen Schelle. Er ließ sich die Sache durch den Kopf gehen, schließlich "wusste ich gar nicht, was auf mich zukommt." Doch als er hörte, dass mit Klaus Hartmann bereits ein Stellvertreter gefunden war, sagte er zu.

Teams organisieren die Ausgabe

Seit einem Jahr nun lenken die beiden Männer das Geschick der Brückenauer Tafel. Schelles Fazit klingt gut: "Eigentlich läuft alles super." Das liegt auch daran, dass sich die Tafel schon unter seiner Vorgängerin neu aufgestellt hat. Anstatt die ganze Arbeit den Leuten an der Spitze des Vereins aufzubürden, organisieren inzwischen Teams die Essensausgabe, die immer am Mittwochnachmittag in der Kirchgasse stattfindet. Schelle und Hartmann müssen sich nur noch um die Rahmenbedingungen kümmern - wobei Klaus Hartmann die Logistik übernommen hat und Schelle eher den verwaltungstechnischen Aufwand regelt.

"Ein Vorstand ist nur so gut wie sein Team", lobt Schelle das Engagement der etwa 65 Helfer, die bei der Brückenauer Tafel mitmachen. "Wenn sich jemand in seiner Freizeit betätigen möchte, ist er jederzeit herzlich willkommen", fügt er hinzu. Denn auch wenn die Tafel gut aufgestellt ist, neue Gesichter braucht jeder Verein.

Auch Flüchtlinge sind berechtigt

Dass die Tafel gebraucht wird, zeigt der Stamm von etwa 70 Kunden, wobei hinter einem Kunden auch mehrere Personen stehen können wie bei einer Familie. "Zu uns kommen Rentner und Geringverdiener", zählt Schelle auf. Auch alleinerziehende Eltern suchen regelmäßig Unterstützung.

Da nun in Volkers Flüchtlinge wohnen, werde sich der Kundenkreis wohl erweitern, blickt Schelle voraus, denn "Asylsuchende sind berechtigt", erklärt Schelle. Wer seine Bedürftigkeit nachgewiesen hat, bekommt einen Ausweis. Für einen symbolischen Preis von 1,50 Euro pro "Einkauf" wird an die Kunden verteilt, was eben an Lebensmitteln gerade da ist. Die Spenden von Großmärkten aus dem Schweinfurter Raum wird in zusammen mit den Tafeln in Bad Kissingen und Hammelburg organisiert.

"Die Hilfsbedürftigkeit ist gestiegen. Das merken wir hier in Bad Brückenau auch", berichtet Schelle. Der Bundesverband Deutscher Tafeln hat für das vergangene Jahr festgestellt, dass die Menge der gespendeten Lebensmitteln in etwa konstant geblieben sei. Dafür steige die Anfrage der Kunden. "Wir können nur soviel verteilen, wie wir haben", sagt Schelle. Für Bad Brückenau jedenfalls ist es immer noch genug.


Infos zur Bad Brückenauer Tafel:

Verein
Rund 100 Mitglieder zählt der Verein "Brückenauer Tafel" aktuell. Der Jahresbeitrag beträgt 15 Euro.

Mitarbeiter Das Gründungs-Team begann im Jahr 2005 mit 25 Helfern. Mittlerweile engagieren sich etwa 65 Mitarbeiter bei der Tafel. Sie organisieren die Essensausgabe, putzen Gemüse, holen mit Kühlwagen die Ware ab oder sorgen im Lager für Ordnung.

Sponsoren Zahlreiche Händler unterstützen die Tafel: nahezu alle Supermärkte der Stadt beteiligen sich, die beiden Tankstellen sponsern Backwaren und die Fundgrube bringt manchmal Kartoffeln und Zwiebeln vorbei. Café Vogler, Café Ludwig, Bäcker Hahn und die Bäckerei Schneider aus Zeitlofs sowie zwei Bäcker aus Altengronau füllen regelmäßig die Back-Ecke. Auch zwei Großbäcker aus Bad Kissingen und Bad Neustadt machen mit.

Jahreshauptversammlung Am Donnerstag, 17. Juli, treffen sich die Mitglieder um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in der Bahnhofsstraße.