Das Unverständnis darüber, dass entgegen der Vorplanung inzwischen acht Bäume vom Bau des neuen Ärztehauses im Georgi-Park betroffen sind, lässt sich aufklären. Gesine Schmidt, Architektin bei der Designplus Planungsgesellschaft mbH aus Gießen, legt auf Anfrage dieser Zeitung die einzelnen Planungsschritte offen.

Immer wieder ist zu hören, dass die Planer ursprünglich versprochen hatten, dass nur drei Bäume gefällt werden sollten. Tatsächlich waren es vier. Sowohl aus dem Stadtratsbericht dieser Zeitung vom Februar 2019 als auch aus Schmidts Schilderung geht hervor, dass schon zu Beginn der Planung feststand, dass vier Bäume in Richtung Bahnhofstraße dem Neubau weichen müssen: zwei Birken, eine Hainbuche sowie eine Platane. Bis zum Sommer 2019 war klar, dass auch eine Sauerkirsche hinter dem Gebäude in Richtung Sinn dort nicht stehen bleiben kann.

Alle diese Bäume gehören aber nicht zur markanten Reihe alter Bäume, die am Weg vom ehemaligen Bahnhof zur Georgi-Halle stehen. Um diese zu schützen, verkleinerten die Planer das Gebäude deutlich. Zudem planten sie an der Seite des Gebäudes, die zum Park zeigt, einen Rücksprung ein. Das habe den Erhalt der alten Bäume sichern sollen, erklärt die Architektin. "Auch die Gebäudebreite ist zum Schutz und Erhalt der Bäume auf das Minimum für eine wirtschaftliche Praxisfläche reduziert worden", sagt sie.

Fachingenieure messen nach

Im Juli 2019, als der Stadtrat mehrheitlich sein Ja für das Ärztehaus gab, habe sich das Projekt allerdings noch in der Planungsphase befunden. Die Architektin schildert, dass schließlich im Januar dieses Jahres die Daten der Vermessungsingenieure vorlagen. "Dass die Koordinatenangaben so weit von der tatsächlichen Standortvermessung abweichen, war nicht abzusehen. Dennoch möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass die Projektgesellschaft alles daran setzen wird, so wenig Bäume wie möglich zu fällen", betont Schmidt.

Sie geht davon aus, dass die Sauerkirsche versetzt werden kann. Bleiben noch drei Bäume, die zur Baumreihe entlang des Weges zählen: eine Platane, ein Spitzahorn und eine Hainbuche. Ob sie erhalten werden können, ist noch offen. Die Architektin sagt, dass Baum-Experten erst über den Zustand der Bäume und ihre Überlebenschance befinden müssen. Zum Verpflanzen sind diese Bäume jedenfalls zu groß und zu alt.

Davon unabhängig wird Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) eine freiwillige Selbstverpflichtung aushandeln, wonach der Investor für jeden gefällten Baum zwei neue pflanzen wird. Das legte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung fest. Diese könnten - ähnlich wie die frisch gepflanzten Bäume entlang des Kirkham-Weges, den Park an anderer Stelle ergänzen.

Experte ist skeptisch

Robert Hildmann, Leiter der Kurgärtnerei im Staatsbad, bezweifelt, dass die alten Bäume am Weg langfristig zu retten sind. Oft sei es so, dass die Wurzeln Bauarbeiten mit schweren Maschinen nicht gut verkraften. "Durch die Verdichtung der Erde gehen die Feinwurzeln kaputt", schildert er. Erfahrungsgemäß erhole sich ein Baum davon nicht mehr und würde am Ende aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt.

Hildmann spricht sich dafür aus, dass es sinnvoller sei, die Bäume gleich zu fällen und für Ersatz zu sorgen. Olaf de Vries vom Baumpflegedienst in Wernarz sieht das anders. "Nötig wäre eine dendrologische Baubegleitung", sagt er. Er rät dazu, den Bau des Ärztehauses von Experten nach baumpflegerischen Standards und gemäß anerkannter Richtlinien begleiten zu lassen. Der Baumerhalt sei immer einer Fällung vorzuziehen.

"Es ist durchaus möglich, diesen Baumbestand vor und während einer Baumaßnahme nachhaltig zu schützen", sagt de Vries. Dazu sei es allerdings wichtig, die Fachleute frühzeitig einzubinden. Seiner Erfahrung nach seien Bauarbeiter oftmals nicht für den Erhalt der Bäume sensibilisiert.