Er hat für sich die Konsequenz gezogen. Am Donnerstag traf Hans Rohrmüller die Entscheidung, sein Amt als Vorsitzender des Forums niederzulegen. Damit steht der Verband der Einzelhändler nur ein Jahr, nachdem nach langem Ringen eine neue Führungsspitze gefunden worden war, erneut vor vielen offenen Fragen. "Es tut uns schrecklich leid", sagt Gisela Knüttel, Rohrmüllers Stellvertreterin. "Wir bräuchten ihn eigentlich." Am Samstag traf sich der Vorstand, um über die Situation zu beraten. Immerhin, bis zur nächsten Wahl wird Rohrmüller im Amt bleiben.


Keine Basis für Zusammenarbeit

Rohrmüller selbst bezeichnet die Diskussion im Stadtratum eine testweise Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr als Auslöser seiner Entscheidung. "Mit diesem Stadtrat ist eine Zusammenarbeit nicht möglich", sagt er. "Wenn kein Wille besteht, etwas zu probieren..."

Dabei zählte Rohrmüller selbst zu den Kritikern einer Öffnung. Noch vor einem Jahr sagte er, das sei keine Lösung für die Probleme der Innenstadt. Dass er seine Meinung geändert hat, sei vielen Gesprächen mit den betroffenen Ladeninhabern geschuldet, sagt Rohrmüller. Außerdem habe er in anderen Städten gesehen, dass ein friedliches Nebeneinander von Passanten und Fahrzeugen durchaus funktionieren könne.


Meyerdierks bedauert Rücktritt

Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) bedauert den Rücktritt "sehr stark". Seit Rohrmüller die Leitung des Forums übernommen habe, sei wieder eine Struktur erkennbar gewesen. "Man hat eine Richtung gesehen, die er gerade am Aufbauen war." Was die Fußgängerzone angeht, sagt Meyerdierks: "Ich bin sehr unglücklich über diese Entwicklung." Das Thema treibe inzwischen einen Keil zwischen Stadtrat und Bürger sowie zwischen Einzelhändler und Gastronomie. "Das Image einer ganzen Stadt wird an einer Straße festgemacht."

Ähnlich sieht es Gisela Knüttel. "Alles ist jetzt auf die Ludwigstraße fixiert." Dabei sei das Forum ja ein Verein für alle Gewerbetreibenden. Knüttel würdigt, was Rohrmüller im vergangenen Jahr für das Forum bewirkt hat. "Er hat uns gut getan und uns zum Beispiel an die neuen Medien herangeführt." Dass das Forum jetzt wieder am Anfang stehe, glaubt sie nicht. "Wir haben Kaufleute, die sich mit viel Eigenengagement einbringen. Die Initiative ist wieder da", ist sie optimistisch.


Forum sagt Ferienprogramm ab

Genau dieses Selbstbewusstsein hat Rohrmüller von Anfang an versucht zu vermitteln. Immer wieder betonte er die starke Position von Bad Brückenau als Mittelzentrum. Er war auch nicht blauäugig gegenüber den Schwächen des Einzelhandels vor Ort. Eben deshalb dürften ihn die Vorwürfe einzelner Stadträte, das Forum würde nichts tun, besonders getroffen haben.

Erste Konsequenzen des Rücktritts sind schon spürbar, so hat das Forum seine Aktionen zum Ferienprogramm der Stadt (Shopping-Kid am 27. August und die Modenschau am 9. September) zurückgezogen. "Alle anderen Projekte gehen weiter", kündigt Rohrmüller an. Offen ist hingegen die Frage, wer das nächste Stadtfest ausrichtet.