Hans Rohrmüller ist ein Macher, keine Frage. Sein Vater und sein Großvater waren Bürgermeister - freilich nicht in Bad Brückenau, sondern in der Oberpfalz, woher Rohrmüller auch stammt. 1975 kam er nach Bad Brückenau und wollte eigentlich nur drei Jahre bleiben. Fast 40 Jahre später ist er immer noch da.

1984 ging Rohrmüller in die Kommunalpolitik. Von 1986 bis 1998 war der CSU-Politiker Bürgermeister der Stadt. In dieser Zeit wurde die Ortsumgehung und das Freizeitbad Sinnflut gebaut und die Fußgängerzone erhielt ihr heutiges Gesicht. Bei der Kommunalwahl 1998 trat Rohrmüller nicht mehr an. Nun meldet er sich zurück, allerdings nicht in der Politik, sondern in Sachen Wirtschaftsförderung.

Anfang September will er den Vorsitz des Forums übernehmen. Das ist bitter nötig, denn schon lange suchte der Verband der Gewerbetreibende und Einzelhändler der Stadt nach einem Nachfolger für Adolf Dörflinger. Im Gespräch mit der Saale-Zeitung spricht Rohrmüller über seine Ziele, warum die Einzelhändler mehr können, als sie aktuell tun, und über das Brückenauer Selbstbewusstsein.

Herr Rohrmüller, das Forum sucht ja schon länger nach einem Vorsitzenden. Wie kommt's, dass Sie jetzt erst auf den Plan treten?
Hans Rohrmüller: Wie akut die Situation ist, habe ich nicht gewusst. Im Juli stand der Verein ja kurz vor der Auflösung Das wäre eine Spirale nach unten gewesen: Verlust an Lebensqualität, an Arbeitsplätzen, nicht zuletzt an Perspektive. Das kann doch nicht sein.

Und dann haben Sie kurzerhand ihre Kandidatur angeboten?
So ungefähr. Als Bürgermeister habe ich ja gesehen, dass man in Bad Brückenau etliches in Bewegung bringen kann. Aber so etwas geht eben nicht nebenbei. Ich habe vollstes Verständnis für Adolf Dörflinger, dass er neben seinem Geschäft nicht länger auch noch das Forum leiten wollte. Das geht einfach nicht.

Unter ihrer Amtsführung wurde die Fußgängerzone geschaffen. Nun beschäftigt die Bürger die Frage, ob die Ludwigstraße nicht wieder für den Verkehr geöffnet werden soll. Wie stehen Sie dazu?
Ich bin gegen eine Öffnung. Das ist keine Lösung. Die Leute, die einen Parkplatz suchen, drehen eine Runde nach der anderen. Wir müssen es aber schaffen, die Leute in die Innenstadt zu bringen. Das ist eine meiner wichtigsten Aufgaben.

Für viele Brückenauer ist es fraglich, ob das Fachmarktzentrum neue Leute in die Stadt bringt...
Fakt ist doch, wenn sich ein Fachmarktzentrum ansiedelt, dann nicht, weil es den Firmen in der Stadt gefällt, sondern weil sie eine Marktberechnung gemacht haben. Das zeigt uns, dass wir Kaufkraft und eine gewisse Zentralität haben. Durch die Märkte kommen Leute her, die sonst nicht nach Bad Brückenau reinfahren würden. Und diese Chance müssen wir nutzen.

Wie wollen Sie als Vorsitzender des Forums diese Chancen nutzen?
Mein Ziel ist, die umliegenden Orte - und nicht nur in Bayern - zusammen zu bringen und ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wir haben alle Schulen, ein Krankenhaus, Kliniken. Nur beim Einzelhandel hapert es. Dabei ist es doch nicht so, dass sie es nicht könnten. Es fehlt das nötige Selbstbewusstsein. Die Leute müssen wissen, wie gut sie sind und was sie eigentlich alles zu bieten haben.

Klingt gut. Und wie wollen Sie das anstellen?
Das ist nicht nur eine Frage der Einzelhändler. Ich möchte auch die Gewerbetreibenden mit ins Boot holen und Vertreter der umliegenden Gemeinden. Es geht darum, Vernetzungsarbeit zu leisten und die Funktion von Bad Brückenau als Mittelzentrum weiter zu stärken.

Was heißt das konkret?
Als erstes möchte ich den Einzelhändlern das Modell "Shopendo" vorstellen. Da geht es darum, wie die Geschäfte das Internet für sich nutzen können, anstatt sich nur zu beklagen, dass alle Leute nur noch online einkaufen. Die Arbeitskreise, in denen Aktionen wie der Lichterglanz oder der Mantelsonntag geplant werden, funktionieren gut, das können wir beibehalten. Aber auf lange Sicht wird es nicht gehen, dass das Forum ausschließlich ehrenamtlich arbeitet. Deshalb möchte ich ein Büro einrichten und - in Zusammenarbeit mit der Stadt - eine Teilzeitkraft einstellen.

Und wie wollen Sie den Leerstand in der Ludwigstraße in den Griff bekommen?
Zuerst müssen wir eine Bestandsaufnahme machen. Dann muss man sich überlegen, wie man die leeren Schaufenster füllt. Ich könnte mir zum Beispiel eine Ausstellung über die ehemalige Brauerei vorstellen. Es gab ja auch mal einen Seiler und eine Molkerei hier. Das wissen die meisten Menschen gar nicht. Und dann müssen wir natürlich versuchen, neue Geschäfte anzusiedeln. Und wenn das nicht gelingt, wird man über neue Formen der Nutzung nachdenken müssen...

Da haben Sie sich ja einiges vorgenommen...
Wenn man keine Ziele hat, weiß man auch nicht, wohin man will. Sehen Sie, das Forum hat sich die Förderung von Gewerbe, Kultur, Fremdenverkehr und Gesundheit auf die Fahnen geschrieben. Das kann aber nur gelingen, wenn man das ganzheitlich anpackt. Ich selbst kann keine Wunder bewirken. Aber ich habe Vorstellungen.

Auch Vorstellungen darüber, wie sich das Image von Bad Brückenau verbessern könnte?
Dieses Image kann sich nicht in einem Vierteljahr ändern. Aber wenn wird das Schritt für Schritt umsetzen, wird Bad Brückenau wieder ein sehr gutes Image bekommen, da bin ich mir sicher.

Das Gespräch führte Ulrike Müller


Biografie:

Hans Rohrmüller wurde am 28. August 1949 in der Oberpfalz geboren. Er lernte erst Elektroinstallateur, bevor er zur Bundeswehr ging und Offizier wurde. Noch heute ist er den Reservisten eng verbunden und Ehrenmitglied der Brückenauer Kameradschaft.

Familie Hans Rohrmüller ist verheiratet und hat drei Töchter und vier Enkelkinder.

Unternehmen Die Firma "Jo hann Rohrmüller Kommunaldienste" entwickelt Projekte, vor allem im Bereich Solar- und Biogasanlagen.