Sehr engagiert und vor etwa 25 Zuhörern setzte sich der Stadtrat am Dienstag mit einem Antrag des Forums auseinander. 18 Einzelhändler haben unterschrieben, fast alle haben ihre Geschäfte in der Ludwigstraße. Sie wollen, dass ihre Kunden bis vor die Läden fahren können, doch dafür müssten die Zufahrtszeiten geändert werden. Auch ein paar Gastronomen sitzen im Publikum. Sie wollen eine Öffnung für den Verkehr auf keinen Fall, auch nicht probehalber.

Die Lage ist dramatisch. "Wir haben schon jetzt 30 Prozent Leerstand", sagte Forumsvorsitzender Hans Rohrmüller. "Es zeichnet sich ab, dass es bald 50 Prozent sein werden." Viele Inhaber finden keinen Nachfolger, die Umsätze gehen seit Jahren zurück. "Wir wissen nicht, ob es besser wird", warb Rohrmüller eindringlich um Unterstützung. "Wir wissen nur, wenn wir nichts tun, wird es schlechter."


Großer Widerstand bei Räten

Gleich zu Beginn stellte sich Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) hinter den Antrag. Allerdings solle die Test-Öffnung nur ein anstatt zwei Jahre dauern und jederzeit vom Stadtrat aufgehoben werden können. Die große Sorge der Räte ist, dass nicht nur Kunden den Weg in die Stadt finden, sondern auch Dauerparker und Autofahrer, die schlicht abkürzen wollen. "Wer kontrolliert das?", fragte Verkehrsreferent Karlheinz Schmitt (CSU).

"Ich bezweifele, dass die Schrittgeschwindigkeit eingehalten wird", sagte Florian Wildenauer (SPD) und Dirk Stumpe (PWG), der ein Geschäft in der Altstadt hat, ergänzte: "Meine älteren Kunden haben regelrecht Angst davor."

Am Ende überwogen die Ängste - und die Kritik am Forum. Mit 13:8 Stimmen wischte der Rat den Antrag vom Tisch. Auch zwei Folgeanträge einer abgemilderteren Öffnung hatten keine Chance. Richtungsweisende Entscheidungen, wie es mit der Innenstadt weitergehen könnte, traf der Rat nicht.


Der Antrag des Forums im Detail:

Antrag Das Forum stellte den Antrag, die Zufahrt in die Fußgängerzone für Anlieger zu erweitern, und zwar wochentags von 7 bis 18 Uhr und am Samstag von 7 bis 11 Uhr. Die Öffnung ist als Testphase von einem Jahr gedacht und würde sowohl für die Ludwigstraße als auch für die Altstadt gelten. Hintergrund ist die schwierige Lage der Geschäfte in der Ludwigstraße. Die Einzelhändler erhoffen sich von einer Öffnung mehr Kunden.

Sicherheit Die Polizei weist darauf hin, dass die Ludwigstraße optisch als Fußgängerzone gebaut ist und sich Passanten daher dort auch weiterhin frei bewegen können. Die Polizei rechnet zudem mit einer Zunahme von Fahrzeugen, was eine Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern mit sich bringen könnte. Lieferanten zählen zum Anliegerverkehr und würden von den erweiterten Öffnungszeiten profitieren. Von den Gassen aus herrscht freie Einfahrt in die Ludwigstraße, so dass es zu gegenläufigem Verkehr käme.

Abstimmung Der Antrag des Forums wurde mit 13:8 Stimmen abgelehnt. Folgende Stadträte stimmten für eine Öffnung: Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks, Almuth Bauer, Heike Kötzner, Thomas Eigenbrod, Dieter Seban und Manfred Kaiser (alle CSU), Heribert Jakobsche (PWG) und Adelheid Zimmermann (FDP). Folgende Räte stimmten dagegen: Petra Hirschmann, Karlheinz Schmitt, Hartmut Bös, Kurt Abersfelder (alle CSU), Jürgen Pfister, Birgit Poeck-Kleinhenz, Dirk Stumpe, Emanuel Fritschka, Ingo Walcher Eberhard Schelle (alle PWG), Erwin Miller (Freie Bürger), und Benjamin Wildenauer und Florian Wildenauer (beide SPD).