In der jüngsten Sitzung des Stadtrats führten die Räte eine hitzige Debatte über die Test-Öffnung der Fußgängerzone Bad Brückenau. Die Meinungen gehen auseinander. Ausgewählte Statement finden Sie hier:

Jürgen Pfister (PWG), 2. Bürgermeister:
Jürgen Pfister ist selbst Mitglied des Forums und hat die Diskussion lange mitverfolgt. Er ist gegen eine Test-Öffnung. "Ich habe meine Zweifel, ob dadurch eine Belebung zu erzielen ist", gibt er zu bedenken und weist auf zahlreiche kostenlose Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Ludwigstraße hin. Mit Nachdruck spricht er sich dafür aus, nicht an den Bürgern vorbei zu entscheiden und bringt eine Bürgerbefragung ins Spiel. Zudem möchte er die Interessen der Gastronomie, die einer Öffnung kritisch gegenübersteht, nicht außen vor lassen. Sein Fazit: "Wenn eine breite Akzeptanz besteht, bin ich gerne bereit, meine Entscheidung zu überdenken."

Dieter Seban (CSU), 3. Bürgermeister:
Dieter Seban befürwortet die Test-Öffnung der Fußgängerzone, auch wenn er überzeugt ist, dass die Idee nicht funktioniert. "Eine Belebung gibt's nicht durch den Verkehr, sondern durch attraktive Angebote!" Aktionen wie Lichterglanz oder Mantelsonntag würden zeigen, dass die Stadt voll sein könne. Ähnlich wie viele seiner Kollegen befürchtet auch Seban, dass die Öffnung für Kunden als Abkürzung für Autofahrer missverstanden werden könnte und sich der Verkehr in der Innenstadt häuft. Aber: "Ich werde trotzdem zustimmen, um zu zeigen, dass es nicht funktionieren wird", räumt Seban dem Antrag des Forums wenigstens eine Chance ein.

Hartmut Bös (CSU), Wirtschaftsreferent:
Hartmut Bös spricht sich klar gegen den Antrag des Forums aus. "Ich sehe es nicht so, dass der Stadtrat für den Niedergang verantwortlich ist." Früher sei das Forum eine Werbegemeinschaft gewesen, die auch Werbung gemacht habe. Heute vermisse er die Initiative der Einzelhändler, die drängenden Probleme anzupacken. Bös übt Kritik: Vor einem Jahr habe es schon eine Gruppe gegeben, die sich mit der Situation in der Innenstadt auseinandergesetzt habe. "Davon ist nichts umgesetzt worden!" Eine Test-Öffnung würde nur den Geschäftsinhabern zugutekommen. In der Bevölkerung sieht er keinen Rückhalt für das Projekt.

Adelheid Zimmermann, Fraktionssprecherin FDP/FB:
Eindringlich setzt sich Adelheid Zimmermann für eine Öffnung der Fußgängerzone ein: "Ich bitte Sie inständig, das zu testen", appelliert sie an ihre Stadtratskollegen. Sie möchte dem Einzelhandel eine faire Chance geben, auch wenn sie in einer Öffnung kein Allheilmittel sieht. Gründe für den Niedergang gebe es viele, konkret nennt sie das neue Fachmarktzentrum und die Verlegung der Bushaltestelle zum Café Vogler. Sie schlägt vor, dass sich eine Arbeitsgruppe gezielt mit den Problemen der Innenstadt auseinandersetzen und Lösungsvorschläge erarbeiten soll. Egal ob zu Fuß oder mit dem Auto: "Jeder, der kommt, ist ein potenzieller Kunde!"

Birgit Poeck-Kleinhenz, Fraktionssprecherin PWG:
Birgit Poeck-Kleinhenz ist gegen eine Öffnung der Fußgängerzone, auch nicht probehalber. "Wir haben uns bemüht, die Fußgängerzone für die Gastronomie zu beruhigen." Zudem sei die Straße ober- und unterhalb des Marktplatzes schlicht zu eng, auch die anwohnenden Mieter müssten mit dem Verkehr dann leben. Ihr größter Kritikpunkt richtet sich aber direkt an die Einzelhändler: "Was ist mit einheitlichen Öffnungszeiten? Viele Läden sind mittags zu, manche sogar am Mittwochnachmittag", kritisiert sie, übrigens nicht zum ersten Mal. Aus diesen Gründen möchte die Stadträtin dem Forum mit einer Test-Öffnung nicht entgegenkommen.

Florian Wildenauer, Stadtrat SPD:
"Wenn es wirklich am Verkehr liegt, dann müsste unsere Unterhainstraße voll sein von Geschäften", sagt Florian Wildenauer und hat gleich die Lacher auf seiner Seite. Der SPD-Stadtrat ist gegen die Test-Öffnung - aus mehreren Gründen. Er befürchtet, dass sich die Fahrzeuge in der Fußgängerzone stauen oder es zu Unfällen kommen könnte. Autofahrer könnten die Strecke als Abkürzung nutzen, außerdem sei die Fußgängerzone nicht als Straße gebaut. "Wir haben nachgemessen", sagt Wildenauer, "vom am weitesten entfernten Parkplatz sind es 470 Meter in die Fußgängerzone." Prompt gibt es Applaus aus dem Publikum.