Der Teilplan Erneuerbare Energien der hessischen Nachbarn hat im Bad Brückenauer Stadtrat zu einer Diskussion geführt, die schon vor drei Jahren ähnlich verlaufen war. Den Anlass gab eine Änderung der Pläne, die das Regierungspräsidium Darmstadt der Stadtverwaltung zur Stellungnahme vorlegte. Die aktuellen Pläne finden sich im Internet auf der Seite rp-darmstadt.hessen.de/1.-Aenderung-TPEE.

Damals wie auch jetzt geht es um Vorranggebiete für Windkraft, die unmittelbar an der Landesgrenze liegen. Dabei entfällt eine Fläche auf dem Fondsberg, der zwischen dem Staatsbad und dem hessischen Züntersbach liegt. Zwei andere Gebiete aber, etwas weiter hinter dem Fondsberg sowie zwischen Oberzell und Volkers, sind weiterhin im Gespräch. Die Verwaltung betrachtet die Planung der Hessen als Eingriff in ihre städtische Planungshoheit. Kern der Kritik ist, dass die 10H-Regel, wie sie in Bayern Gesetz ist, von den hessischen Behörden ignoriert wird.

In Bayern muss das Zehnfache der Höhe eines Windrades zum nächsten Wohnhaus eingehalten werden. Heutzutage werden Windkraftanlagen bis zu einer Höhe von 250 Metern gebaut. Das bedeutet also einen Abstand von 2,5 Kilometern. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr stellt allerdings klar, dass die 10H-Regel nicht für andere Bundesländer gilt - selbst wenn davon Häuser in Bayern betroffen sind.

Geteilte Meinungen

Mehrere Stadträte äußerten sich kritisch. "Ein Unding, denn die bayerischen Vorgaben sehen ja ganz andere Abstände vor", sagte Adelheid Zimmermann (FDP). Sie sieht in den Windrädern eine landschaftliche Bedrohung und einen touristischen Eingriff. Hartmut Bös (Grüne) schlug den Bogen zur neuen Stromtrasse P43, die durch den Landkreis Bad Kissingen gebaut werden soll. Er erinnerte an das Bündelungsprinzip, wonach neue Infrastruktur dort gebaut werden soll, wo schon eine Belastung da ist. "Wenn Windräder, dann auch Strommasten", äußerte er seine Befürchtung, dass mehr Windräder die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass die Stromtrasse durch die Region gebaut würde.

David Fronczek (SPD) argumentierte anders herum: "Es gibt keine Energie ohne Nebenwirkungen." Er befürworte den Bau von Windkraftanlagen, um eine dezentrale Energiewende zu unterstützen. Eben weil die Energieversorgung in Deutschland zentral aufgebaut sei, brauche es doch überhaupt neue Leitungen wie die P43. Schattenwurf erwarte er aufgrund der Lage nicht und die Geräuschbelästigung sei nur in Volkers zu hören, wo ohnehin die Autobahn für Lärm sorge.

Dem widersprach Heike Kötzner (CSU), Ortssprecherin von Volkers, vehement: "Nur weil wir die Autobahn hören, wollen wir die Lärmbelästigung durch Windräder nicht." 2,5 Kilometer Abstand seien nicht gegeben, deshalb müsse das Vorhaben abgelehnt werden. Emanuel Fritschka (PWG) positionierte sich ebenfalls eindeutig: Die Windräder bedeuteten eine Lärmbelästigung für Volkers und seien deswegen abzulehnen.

Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) stimmte Fronczek in vielen Punkten zu. "Wir müssen Windräder in Kauf nehmen, wenn wir eine dezentrale Energieversorgung wollen." Für sie seien solche Anlagen in geschlossenen Waldgebieten aber tabu. Der Wert eines intakten Waldes überwiege in diesem Fall die Vorteile der Windkraftnutzung, sagte sie. Mit zwei Gegenstimmen beauftragte der Stadtrat schlussendlich die Verwaltung, die Vorbehalte der Stadt gegen den Windkraftausbau auf hessischer Seite erneut vorzubringen.

Anschließend informierte Vogel die Räte über die geplante Stromtrasse P43. Der Strom werde überwiegend in der Rhein-Main-Region gebraucht. Vogel verwies auf eine bestehende Leitung, die teilweise an der A 66 entlang verläuft. Er sprach sich für eine direkte Führung des Stroms von Dipperz nach Urberach, südlich von Frankfurt, aus. Die Bundesnetzagentur plant hingegen, die Leitung in Bergrheinfeld enden zu lassen. Kommt es so, durchquert sie den westlichen Landkreis Bad Kissingen (wir berichteten).

Sinntaler stark belastet

Was die Windkraft angeht, ist die hessische Nachbargemeinde Sinntal viel stärker betroffen als Bad Brückenau. Ein Fläche östlich von Neuengronau, die schon jetzt für Windkraftnutzung vorgesehen ist, könnte sich immens vergrößern. Vorher seien es in diesem Bereich etwa 13 Hektar gewesen, "neu dazu gekommen sind jetzt etwa 69 Hektar", heißt es aus der Gemeinde Sinntal. Wie schon in der Vergangenheit werde sich die Gemeinde ablehnend zu den Plänen äußern.

Als "erschreckendes Szenario" hatten Willhelm Merx und Roland Göbel von der "IG Windkraft im Sinntal so nicht - Zum Schutz von Mensch und Natur" in einer Mitteilung die Änderung bezeichnet. Eine mögliche Vergrößerung von 12,7 auf 81,8 Hektar treffe Sinntal ins Mark, bekräftigte Merx. In der hessischen Nachbargemeinde stehen bereits einige Windräder. "Aufgrund der überproportional hohen Belastung durch den Windkraftausbau im östlichen Main-Kinzig-Kreis lehnt der Großteil der Bevölkerung einen weiteren Ausbau ab", heißt es in der Mitteilung der IG.

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von Ulrike Müller und Lena Quandt