Der Bad Brückenauer Bürgermeister Jochen Vogel ist dagegen, dass die neue Wechselstromleitung P43 durch den Landkreis Bad Kissingen gebaut wird. Diese Haltung ist verständlich. Allerdings hinkt seine Argumentation.

Vogel verweist auf eine bestehende Trasse, die ausgebaut werden und den Strom direkt von Dipperz nach Urberach führen könnte. Dies entspreche dem Nova-Prinzip, das eine Netzoptimierung vor einem Netzausbau vorsieht [korrigiert am 7. Dezember 2020 um 15.45 Uhr; Anm.d. Red.]. Zum anderen werde der Strom ohnehin im Rhein-Main-Gebiet benötigt - und eben nicht in Bergrheinfeld, wo durch die Gleichstromtrasse Südlink zukünftig genug ankomme.

Versprechen gebrochen

Doch diese Hinweise haben die Bundesnetzagentur in der Vergangenheit schon nicht überzeugt. Sie erinnern allzu sehr an die Nicht-in-meinem-Vorgarten-Mentalität, von der sich Vogel früher stets distanzierte. Dabei gäbe es ein wesentlich stichhaltigeres Argument: Als die Kontroverse um Südlink im Sommer 2015 hochkochte, handelte die Große Koalition einen Kompromiss aus, der die Zusicherung enthielt, den Netzknotenpunkt Bergrheinfeld nicht mit weiteren Leitungen zu belasten. Dieses Versprechen kündigten der Freistaat Bayern und der Bund im Juni 2019 auf.

Nun mit alten Argumenten gegen eine neue politische Realität zu kämpfen, wird nichts bringen. Stattdessen sollte Vogel den Bürgern sagen, dass ihre Interessen verkauft worden sind. Politischer Druck ist das einzige, was die P43 durch den Landkreis noch verhindern kann.

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