Sie nahmen es mit Humor. Die Angestellten der "Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller", die ihren Sitz in Bad Brückenau hat, konnten am Donnerstag das Gebäude nicht mehr verlassen - oder zumindest nur, wenn sie sich durch einen ungefähr 20 Zentimeter breiten Spalt zwängten. Dicht parkte ein Fahrzeug direkt vor der Eingangstüre - und blieb gut drei Stunden stehen. Das Falschparken in der Innenstadt nimmt überhand. Sind die Zustände noch tragbar?

"An sich, nein...", sagt Karlheinz Schmitt, Verkehrsreferent des Stadtrats (CSU), und seufzt. "Wir haben jede Menge Verkehrsbeschilderung aufgestellt", sagt er, doch die Schilder würden "überhaupt nicht beachtet". Die Entscheidung, Parkplätze in und um die Innenstadt herum kostenfrei anzubieten oder lediglich mit einer zeitlichen Befristung zu versehen, stamme noch aus den 1990ern, als die Fußgängerzone eingerichtet wurde, erinnert er sich.


Sinnau wird zum Dauerparkplatz

Was als ein positives Signal an den Einzelhandel gedacht war, spielt der Bequemlichkeit vieler Pendler in die Hände. Der Sinnauplatz vor den Stadtwerken beispielsweise ist zum Dauerparkplatz geworden, obwohl er ursprünglich nicht zum Parken gedacht war. Am Straßenrand ausgezeichnete Parklücken, die eigentlich nur für zwei Stunden genutzt werden dürfen, sind dauerhaft belegt. Man müsste besser oder anders überwachen, sagt Karlheinz Schmitt.

Solange die Stadt nicht selbst Kontrolleure durch die Straßen schickt, ist die Polizei zuständig. "Wenn uns etwas auffällt, wird das auch geahndet", sagt Klaus Albert von der Polizeiinspektion Bad Brückenau. Etliche Bürger rufen nach spürbaren Konsequenzen, bringen drastische Bußgelder ins Spiel. Auch das Durchrauschen durch die Altstadt wird häufig kritisiert. Albert macht darauf aufmerksam, dass Autofahrer nach dem Bußgeldkatalog verwarnt werden. Die Strafen sind also festgelegt und unterliegen dem Ermessensspielraum der Polizei.


Polizei wird überall gebraucht

Und noch einen weiteren Punkt führt Albert an: "Die Polizeiinspektion Bad Brückenau ist für den gesamten Altlandkreis zuständig, nicht nur für die Stadt." Beispielsweise eine Fußstreife dauerhaft nur für die Innenstadt abzustellen, sei schlicht personell nicht umsetzbar.

Regelrecht gefährlich ist die Situation an der Ecke Unterhainstraße/Sinnaustraße. Dort parken Fahrzeuge bis in die Kurve hinein. Auch das ist nicht erlaubt - zumal es die Sicht der Autofahrer massiv behindert. Schon mehrfach war die Kreuzung Thema im Stadtrat. "Im Kurvenbereich wird ein Schild für absolutes Halteverbot aufgestellt werden", berichtet Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) am Montag. Und tatsächlich setzte der Bauhof bereits am Dienstagmorgen die Verankerung für die Schilder.