Lesen fällt vielen Kindern schwer. Laut der Pisa-Studie aus dem Jahr 2018 erfasst etwa ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland den Sinn von Texten nicht - auch wenn die Lesekompetenz leicht über dem internationalen Durchschnitt liegt. Im Rahmen der Themenwoche Bildung unterstützte die Saale-Zeitung den Vorlese-Wettbewerbe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums (FMG).

Den Wettbewerb gibt es bereits seit 1959. Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisiert und für Sechsklässler ausgerichtet. Das FMG wählte zwei Mädchen und vier Jungen aus, die besonders gut lesen können. Doch nur einer von ihnen wird die Schule beim Regionalentscheid vertreten.

Auswahl fällt schwer

"Ihr habt die super Gabe, dass ihr so gut vorlesen könnt", sagte Deutschlehrerin Barbara Müller zum Start aufmunternd. Mit Lüftungspausen tragen die Schüler Texte vor, die sie selbst ausgewählt haben. Die Scheibe aus Plexiglas, hinter der sie ohne Maske lesen dürfen, wackelt leicht, so engagiert lesen manche der Kinder. Es sind sehr spannende Passagen, deren Handlung sich natürlich nicht innerhalb von drei Minuten auflösen lässt.

Lehrerin Franziska Scheule-Walter, Oberstufenschüler Luca Klawitter und Redakteurin Ulrike Müller tun sich schwer, eine Bewertung abzugeben. Alle Kinder haben sehr gut gelesen. Doch sie müssen sich für drei Kandidaten entscheiden, die dann noch einen Text vortragen, der ihnen völlig unbekannt ist. Das klappt unterschiedlich gut, so dass es diesmal leichter fällt, einen Gewinner zu küren.

Als die Kinder ihre Preise in Form von Bücher-Gutscheinen bekommen haben, folgt die wohl wichtigste Information. Das FMG pflegt nämlich einen Adventskalender mit täglichen Durchsagen. Heute verliest der Schülersprecher: Herr Dill darf keine Hausaufgaben aufgeben. Na, wenn das nichts ist!

Das sagen die Schüler:

Seiner kleinen Schwester hat Adrian Gass zwar noch nichts vorgelesen, aber vielleicht wird sich das ja bald ändern. Er stellte der Jury "Die drei ???" im "Fußballfieber" vor. "Ich finde sie sehr spannend und lese sie sehr oft." Kein Wunder, schließlich ist der Elfjährige oft selbst am Ball, er trainiert bei der SG Oberleichtersbach. Seine Klasse hat ihn für den Vorlese-Wettbewerb ausgewählt. "Lesen ist einfach cool", sagt er.

Mathilda Klug hat die Geschichte vom kleinen Vampir ausgewählt. Das unheimliche Fabelwesen besucht einen Jungen in seinem Zimmer. Das Kennenlernen der beiden Geschöpfe liest sie dramatisch und ausdrucksstark vor. "Am Anfang wirkt es so, als ob der Vampir gruselig wäre, aber am Ende sind die beiden befreundet und der Junge besucht sogar die Gruft der Vampir-Familie", erzählt sie begeistert.

"Gregs Tagebuch" las Max-Leon Klinzig der Jury vor. Die Geschichte handelt von einem aufregenden Camping-Ausflug, bei der eine Familie ungebetenen Besuch bekommt. "Am Ende ist es ein Bär, der aus dem Wald kommt und sogar an die Scheibe vom Wohnmobil springt und die Reste vom Abendessen frist", verrät er. Das Buch ist nicht nur spannend, sondern auch lustig. Deshalb hat es der Elfjährige ausgesucht.