Eine einzelne Kerze brennt in der Bad Brückenauer Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus. Sie steht an der Krippe. Figuren, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden, stellen die Weihnachtsgeschichte dar. Maria auf dem Esel trägt keine Maske, warum auch. Die Besucher der Gottesdienste aber sollen sich und andere schützen. Seitdem die Regierung erneut den Katastrophenfall in Bayern ausgerufen hat, müssen die Gläubigen permanent Mund und Nase bedecken.

"Es ist schwer", sagt Hans Thurn, Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Georg - Maria Ehrenberg. Aktuell sei noch in jedem Ort eine Christmette geplant. In Volkers und eventuell auch Römershag werde unter freiem Himmel gefeiert. Die Gläubigen können sich beim Pfarramt für den Gottesdienstbesuch anmelden. Dennoch: "Ich halte es sehr gut für möglich, dass noch alles abgesagt werden muss", sagt Thurn.

Schon im Eingangsbereich der Stadtpfarrkirche weist eine Tafel auf die Corona-Regeln hin. Pfeile am Boden markieren den Weg, den die Gläubigen gehen sollen. Ein Sitzplan informiert, welche Plätze zur Verfügung stehen. Es sind etwa 50, sagt der Pfarrer. In anderen Jahren war es schlicht nicht vorstellbar, dass nur 50 Menschen an Weihnachten Platz in der Kirche finden. Heuer aber werden wohl viele der Mette aus Vorsicht fernbleiben, erwartet er nur wenige Besucher.

"Es ist gewöhnungsbedürftig, dass man Menschen seine Zuwendung zeigt, indem man sie nicht besucht", schildert Thurn, wie stark die Pandemie in den kirchlichen Dienst eingreift. "Ich glaube, den Leuten wird bewusster, wie sehr sie die Gemeinschaft brauchen", sagt der katholische Dekan und Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra Armin Haas. Er sei sehr stolz auf seine Mitarbeiterinnen, die speziell für die Adventszeit kreative Angebote entwickelt haben. In der Kirche in Schönderling beispielsweise lade eine Ausstellung zur inneren Einkehr ein. Die Unterleichtersbacher planen einen Gottesdienst draußen an der Lohmühle - um nur einiges zu nennen.

Das gemeinsame Singen fehlt

Plötzlich werde ein Kirchenbesuch wichtig, eben weil er nicht mehr selbstverständlich möglich ist, berichtet Haas von seinen Erfahrungen während der Pandemie. "Das Singen fehlt unheimlich." Und der Bedarf an Seelsorge nehme zu. Da sieht der Dekan alle Geistlichen in der Region nun besonders gefordert, die Menschen in dieser schweren Zeit zu ermutigen.

"Wir haben gemerkt, dass die Leute vom Krankenhaus zum Beten kommen", erzählt der evangelische Pfarrer Gerd Kirchner. Der Verbrauch der Kerzen sei enorm gestiegen. Die Friedenskirche liegt nicht weit von der Klinik entfernt. Seit dem ersten Lockdown laden Musik und Lichter hier täglich zum Gebet ein.

Kirchner hat Corona als "Erdrutsch an geplatzten Veranstaltungen, durch die wir ja unsere Identität hatten", erlebt. Die Endlichkeit des Lebens werde deutlich. Aus seiner Sicht hat das Ausmaß an Verschwörungstheorien damit zu tun, dass manche Menschen vor der dramatischen Realität die Augen verschließen. Der Pfarrer spürt aber auch, wie der Glaube trägt. "Das hat sich mir unfassbar tief eingeprägt in dieser Zeit", sagt er.

Anmeldung Soweit es die Bestimmungen erlauben, planen die örtlichen Kirchen und Gemeinden Weihnachtsgottesdienste. Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich vorher beim jeweiligen Pfarramt anmelden. Die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden.

Online-Gottesdienste Wer aus Vorsicht nicht persönlich den Gottesdienst besuchen möchte, kann das online tun. Die Kirchen bieten verschieden Angebote an: Für katholische Gläubige stellen die Ministranten Bad Brückenau Messen und Adventsimpulse auf die Video-Plattform youtube. Die evangelische Kirche Bad Brückenau sowie in Weißenbach und Zeitlofs präsentieren sich ebenfalls im Internet.

Telefon-Andacht Das evangelische Dekanat Lohr bietet täglich kostenlose Andachten unter Tel.: 09352/ 6069 915.