Derzeit bieten die Stadtwerke Bad Brückenau einen Weihnachtsbaum-Verkauf an. Das ist nichts Ungewöhnliches im Advent - wäre da nicht der Foodtruck, der Burger mit Känguru-Fleisch anbietet. Tommy Dittmayer von der "Klappe" in der Altstadt und Ruhit Mahmudi vom italienischen Restaurant "Da Rocco" auf dem Marktplatz sind empört. Die beiden Gastronomen kämpfen, um ihre Lokale durch die Corona-Pandemie zu bringen. Sie sind enttäuscht, dass nicht sie gefragt worden sind, ein kulinarisches Angebot zu machen.

"Wild aus Australien! Gehts noch?", fragt Dittmayer öffentlich auf Facebook. Das Fleisch habe 16 000 Flugkilometer hinter sich. "Hier gibt es genug Bauern, die das Fleisch ihrer Tiere verkaufen müssen. Muss das sein?", steht dort zu lesen. "Begeistert bin ich nicht", sagt Mahmudi. Er sei Kunde der Stadtwerke, nun sorge der regionale Energieversorger für Konkurrenz. Das sei für alle Gastronomen in der Innenstadt kein schönes Signal.

Nach und nach sprangen alle ab

Stadtwerke-Chef Michael Garhamer erklärt: "Wir planen diese Aktion seit über einem Jahr." Ursprünglich habe er mehrere Weihnachtsbuden auf dem Marktplatz aufstellen wollen. Die Stadtwerke hätten für Strom- und Wasseranschluss gesorgt. Zuerst habe er die Werbegemeinschaft angefragt, ob sich die Einzelhändler beteiligen wollen. Dann seien Gespräche mit der Tourist-Info, der Gastronomie, den Vereinen und schlussendlich den Organisatoren des Regionalmarktes gefolgt, schildert er.

"Im November hat auch der letzte Verein, die Karnevalisten, abgesagt", sagt Garhamer. Da war schon klar, dass es auf dem Marktplatz wohl zu eng werden würde. Die Aktion zog auf den Sinnauplatz um. Er verstehe, dass die Partner nach und nach angesichts der steigenden Infektionszahlen einen Rückzieher gemacht hätten, betont er. Dass einzelne Gastronomen offensichtlich nicht informiert waren, "bedauern wir sehr und natürlich wollten wir das auf keinen Fall", macht der Stadtwerke-Chef klar.

Gastronomie nicht vernetzt

Steffen Herdt vom Gasthaus Breitenbach in Römershag bestätigt, dass die Werbegemeinschaft ihn schon im August über Pläne für einen kleinen Markt informiert hat. Er macht aber deutlich, dass es kein lokales Bündnis der Gastronomen mehr in der Stadt gebe und er somit auch nicht mehr der Sprecher dieser sei. Nur noch vier Mitstreiter treffen sich unregelmäßig, die habe er informiert. In der Vergangenheit sei die Resonanz der anderen Gastronomen nicht sonderlich groß gewesen. Zudem sei er davon ausgegangen, dass mit dem Umzug des Adventsmarkts auf den Sinnauplatzes ein kulinarisches Angebot nicht mehr gebraucht werde.

Garhamer betont, dass der Foodtruck aus Schönau im benachbarten Rhön-Grabfeld komme. Das Team dort sei genauso von Corona betroffen und kämpfe mit der Bewältigung der Pandemie. Nächstes Jahr möchte der Stadtwerke-Chef erneut einen Anlauf unternehmen. Vielleicht sind dann die Rahmenbedingen einfacher. "Dass die Bürger in Brückenau und Umgebung so eine Aktion dankbar annehmen, kann man ja jeden Tag sehen", sagt er. Sicherheitsbedenken hat er keine. "Die Kunden halten die Abstände diszipliniert ein."