Ekel-Kaffee aus dem Luxus-Automaten? Experte warnt vor diesen Fehlern

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Hunderte Euro für einen Vollautomaten – und der Kaffee schmeckt trotzdem nicht. Barista Arne Preuß kennt die Gründe. Der sechste überrascht wirklich.

Viele Menschen gönnen sich heute eine hochwertige Kaffeemaschine - Vollautomaten kosten schnell mehrere hundert, manchmal über tausend Euro. Die Erwartung ist klar: Kaffee wie vom Barista, täglich, zu Hause, auf Knopfdruck. Doch die Realität enttäuscht allzu oft. Der Kaffee schmeckt zu sauer, zu bitter, zu wässrig oder einfach unangenehm – und niemand weiß, warum.

Warum dein teurer Kaffeeautomat trotzdem schlechten Kaffee macht

Barista und Profi-Kaffeemaschinentester Arne Preuß, Gründer und Betreiber der Kaffee-Webseite Coffeeness, hat in seinem Barista Blog sechs typische Fehler gesammelt, die viele rund um die Kaffeezubereitung machen. Wer sie kennt und vermeidet, kann seinen täglichen Kaffee sofort und spürbar verbessern – ohne großen Aufwand. Viele Vollautomaten-Besitzer haben schnell das Gefühl, irgendwas stimmt nicht mit ihrem teuren Apparat - aber sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Preuß erlebt das immer wieder: Menschen investieren viel Geld in ihr Gerät, vernachlässigen dabei aber die Stellschrauben, die wirklich zählen. Die gute Nachricht: Die sechs häufigsten Fehler sind schnell erkannt – und meist noch schneller behoben.

Die Bohne entscheidet – nicht der Automat

Wer Billigbohnen in eine Premiummaschine füllt, bekommt Billigkaffee – egal wie teuer das Gerät ist. Preuß macht das immer wieder deutlich: "Wir haben immer noch nicht verstanden, dass Kaffeegenuss mit der Qualität der Bohne beginnt, nicht mit der Qualität der Maschine", so der Kaffee-Profi. Wer Billig-Bohnen in Premium-Geräte kippe, erhalte nur Billig-Getränke. 

Beim Einkauf empfiehlt Preuß, möglichst mild geröstete Bohnen zu wählen: "Die Bio-Eigenmarken der großen Supermärkte schneiden geschmacklich deutlich besser ab als die meisten Röstungen großer Marken. Außerdem lohnt es sich, beim Einkauf auf möglichst mild geröstete Bohnen zu setzen. Ist eine Bohnenskala angegeben, verhalten sich Produkte mit 2 von 5 Bohnen in der Maschine meist deutlich besser als dunkle Espresso- oder Cremabohnen." Von Zubereitungsempfehlungen auf der Packung hält er wenig: "Ich würde die Zubereitungsempfehlungen komplett ignorieren. Wirklich jeder Hersteller schreibt inzwischen 'Vollautomat' drauf, selbst wenn die Bohnen dafür zu bitter oder zu sauer sind."

Wer den nächsten Schritt gehen will, soll laut Preuß am besten mit mittleren Röstungen starten, die viel Süße, keine Säure und nur zarte Bitterstoffe mitbringen - häufig aus Brasilien oder anderen südamerikanischen Ländern. "Sie sind so etwas wie das Schweizer Taschenmesser der Kaffeezubereitung - man kann sie in jeder Maschine und mit jeder Methode verwenden und erhält praktisch immer einen tollen Kaffeegeschmack", so Preuß.

Kaffee mit Kalk schmeckt besser – bis zu einem Punkt

Kaffee besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Trotzdem ignorieren die meisten Kaffeetrinker die Wasserqualität vollständig und befüllen ihr Gerät einfach aus dem Hahn. Dabei ist die Wasserhärte einer der wichtigsten Faktoren für den Kaffeegeschmack.

Idealerweise liegt sie zwischen drei und sechs Grad Deutscher Härte (dH). "Kaffeewasser sollte niemals völlig kalkfrei sein", erklärt Preuß. "Die Calciumverbindung ist buchstäblich das Salz in der Suppe, sie arbeitet die Aromen des Kaffees deutlicher heraus. Fehlt sie, schmeckt der Kaffee einfach flach und langweilig." Wasser aus der Flasche sei dabei keine Lösung: "Wasser aus der Flasche ist nicht nur viel zu teuer, sondern mitunter sogar völlig ungeeignet. Je nach Marke liegt die Wasserhärte hier deutlich unter 3 Grad dH."

Die durchschnittliche Wasserhärte in Deutschland liegt bei 16 Grad dH - also weit über dem Ideal. Preuß sieht das aber gelassen: Die meisten Vollautomaten würden inzwischen mit Wasserfiltern geliefert. Außerdem zeige die Erfahrung, dass Maschinenkaffee auch noch bei Wasserhärten um die 12 Grad dH Top-Ergebnisse liefere.

Heißes Wasser ruiniert den Geschmack

Arne Preuß muss in seinen Beiträgen und Tests immer wieder einen wichtigen Unterschied verdeutlichen: "Es gibt die perfekte Zubereitungstemperatur und die perfekte Trinktemperatur. Aber diese sind nicht identisch." Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht, wenn man sieht, wie viele Vollautomaten ab Werk auf Maximaltemperatur laufen.

"Die Temperatur verlangsamt oder beschleunigt die Extraktion und sorgt dafür, dass bestimmte Geschmacksstoffe besonders leicht aus dem Kaffeemehl gelöst werden", erläutert Preuß. "Ist das Wasser zu kalt, kommen hauptsächlich Säuren und nur wenige Aromen in die Tasse. Ist es zu heiß, schmeckt der Kaffee überdurchschnittlich bitter - und im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt."

Für Espresso gilt eine maximale Brühtemperatur von 94 Grad Celsius – für klassischen schwarzen Kaffee aus dem Vollautomaten gilt dasselbe Prinzip, wobei hier höchstens 96 Grad Celsius die Obergrenze sind. Viele gute Vollautomaten erlauben es, die Brühtemperatur manuell im Menü anzupassen – ein Schritt, den Preuß ausdrücklich empfiehlt. Wer diese Option in seinen Geräteeinstellungen noch nie genutzt hat, sollte dort als erstes nachschauen: Oft ist die Werkseinstellung schlicht zu hoch – und eine kleine Anpassung nach unten reicht, um einen deutlich runderen Kaffeegeschmack zu erzielen.

Kaffee im Kühlschrank: gut gegen Gerüche, schlecht für den Geschmack

Preuß scheut sich nicht, kontroverse Themen anzusprechen - und das Thema Kaffee im Kühlschrank gehört dazu. "Als ich meinen Beitrag zur Lagerung von Kaffee im Kühlschrank verfasst habe, konnten wir uns vor empörten Kommentaren kaum retten", schreibt der Barista. Auch wir haben Mythen geklärt, wo du deinen Kaffee lieber nicht lagern solltest.

Für Preuß hat Kaffee absolut nichts im Kühlschrank zu suchen - und er hat gute Argumente: "Kaffee ist stark hygroskopisch, zieht also Feuchtigkeit und darin gelöste Geruchsstoffe an. Wird er nicht dicht verschlossen gelagert, schmeckt er nach kürzester Zeit nach Wurst, Käse, Fisch und allem, was der Kühlschrank hergibt. Darum ist Kaffee im Kühlschrank zwar ein gutes Hausmittel gegen Muff, aber nicht besonders gut für leckeren Latte oder Cappuccino."

Stattdessen solle Kaffee sicher geschützt vor Licht, Luft und Feuchtigkeit in der eigenen Tüte gelagert werden, außerhalb des Kühlschranks. Und Einfrieren helfe genauso wenig: "Bohnen einfrieren ist genauso sinnlos wie die Kühlschranklagerung. Wieder aufgetaute Bohnen sind nur noch ein geschmacklicher Schatten ihrer selbst."

Der direkteste Weg zu perfektem Kaffeegeschmack? Putzen!

Kaffeemaschinen reinigen sich nicht von selbst - auch wenn viele Vollautomaten das suggerieren. "Gerade Vollautomaten machen uns weis, dass sie sich praktisch von selbst reinigen können. Schließlich spülen sie in einer Tour und bringen viele Reinigungsprogramme mit." Das halte allerdings hauptsächlich die Leitungen frei und würde das Gerät nur bedingt säubern, so Preuß.

Die eigentlichen Geschmackskiller lauern abseits der wasserführenden Teile. "Kaffeebohnen enthalten eine Menge Öle und Fette, die mit der Zeit ranzig werden – nicht nur in einem Bohnenbehälter, sondern auch im Mahlwerk, in der Brühgruppe und in den Verbindungsstücken", schreibt Preuß. Ranzige Öle ruinieren jeden Kaffee, egal wie gut die Bohne war.

Sein klares Plädoyer: "Darum plädieren wir seit jeher für die tägliche Reinigung der Maschine - inklusive Entnahme der Brühgruppe, falls dies bei einem Gerät möglich ist. Dieser kleine Schritt dauert nur wenige Minuten, sorgt aber auf lange Sicht für einen deutlich besseren Kaffeegeschmack." Und wer seine Maschine regelmäßig pflegt, schaffe laut Preuß die besten Voraussetzungen, denn: "Wer seine Maschine regelmäßig und routiniert pflegt, schafft die besten Voraussetzungen für guten Kaffeegeschmack. Andersherum helfen alle anderen Schritte nichts, wenn das Gerät dreckig und verkalkt ist."

Manchmal liegt's wirklich an uns, dass der Kaffee nicht schmeckt

Nicht immer ist der Kaffee das Problem – manchmal ist es der Trinker selbst. Preuß hat sich auch dem Geheimnis des Kaffeegeschmacks genähert und ist dabei zu einer klaren Erkenntnis gekommen: "Geschmack ist nicht nur eine Frage des Senders, sondern auch des Empfängers. Bei Kaffee wird das besonders deutlich."

Erkältungen, Schwangerschaft oder andere hormonelle Veränderungen, sogar bestimmte Medikamente können dafür sorgen, dass der Lieblingskaffee plötzlich nicht mehr schmeckt. Bei Erkältungen könne man hervorragend sehen, dass ein Großteil des Kaffeearomas über die Nase wahrgenommen wird. "Ist diese wegen Schnupfen und Co. vorübergehend außer Betrieb, nehmen wir vor allem Bitterstoffe und Säuren über unsere Zunge wahr", erklärt Preuß.

"In solchen Fällen kann man entweder auf mildere Röstungen mit weniger Bitterstoffen umsteigen, oder zum Beispiel mit verschiedenen Milchsorten beziehungsweise Milchalternativen experimentieren", schreibt Preuß. Doch der Kaffee-Experte warnt: "Unter bestimmten gesundheitlichen und körperlichen Umständen bzw. bei der Einnahme bestimmter Medikamente ist Kaffeekonsum sowieso ein heikles Thema. Der Arzt hat hier das letzte Wort."

Günstiger Automat, teurer Automat - was wirklich den Unterschied macht

Auch günstige Kaffeemaschinen können einen hervorragenden Geschmack liefern - "allerdings nur, wenn sie ordentlich gepflegt und mit anständigen Bohnen befüllt werden", so Preuß. Laut Preuß ist es für den Kaffee-Profi durchaus nachvollziehbar, dass viele bei Kaffeebohnen besonders auf den Preis achten oder einfach beim Wocheneinkauf zugreifen. Allerdings stecken hinter Kaffee-Eigenmarken im Discounter oft etablierte Marken - zum Beispiel steckt hinter der Lidl-Marke "Bellarom" ein Premium-Hersteller aus Franken.

Der Faktor Mensch gibt dabei den Ausschlag. "Wenn etwas in der Tasse nicht stimmt, sollten wir immer zuerst uns selbst angucken", meint Preuß. Selbst vollautomatische Kaffee- oder Espressomaschinen ließen sich deshalb nur bedingt für einen schlechten Kaffeegeschmack verantwortlich machen - wenn überhaupt. Und wer den Sprung zur handwerklichen Rösterei wage, erlebe laut Preuß einen Unterschied, der kaum zu überhören sei: "Der geschmackliche Unterschied ist wirklich enorm. Ich kann nur jedem raten, einmal selbst einen Vergleich zu machen."

Wer zuverlässig großartigen Kaffee trinken möchte, findet laut unserer Community in Franken hier die besten sechs Cafés. Diese beliebte Zubereitungsart deines Kaffees gilt als Geheimtipp - und funktioniert völlig ohne Strom.

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