Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, da wissen Klaus-Martin Platen vom Ingenieurbüro HG aus Gießen und Roland Hoffmann vom Aqua Brunnen Service in Eltmann schon, dass sie Erfolg hatten. Mit einer Spezialkamera tauchten sie ins Bohrloch des Georgi-Sprudels ab - und erreichten den Grund. Vor gut zwei Jahren, im September 2017, war die Kamera nach 310 Metern nicht weitergekommen. An dieser Stelle verengt sich das Rohr auf einen Durchmesser von sechs Zentimetern.

Die Kamera hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern und ist etwa zwei Kilogramm schwer. Marcel Kunze, Messtechniker der Firma Bohrlochmessung Storkow, hat zusätzlich noch ein etwa drei Kilogramm schweres Gewicht daran befestigt. Der Weg nach unten ist weit, der Georgi-Sprudel wurde bis in eine Tiefe von 554 Metern gebohrt. Doch das Experiment klappt: Die Kamera schafft es 539 Meter tief. "Mit der Zeit haben sich vermutlich Ablagerungen gebildet", erklärt Platen. Diese hätten sich am Boden abgesetzt.

Etwa zweieinhalb Stunden dauerte die Kamerafahrt. Das Bildmaterial werden nun Hydrogeologen auswerten. "Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, ob die Quelle saniert werden muss, und wenn ja in welchem Umfang", sagt Kathrin Romeis-Merten, Leiterin der Tourist-Info. Seit Januar können Ärzte ihren Patienten eine ambulante Trinkkur mit dem Heilwasser des Georgi-Sprudels verschreiben. Die Stadt hatte ihre Heilquellen in einem Gutachten untersuchen lassen. Die darin nachgewiesene medizinische Wirkung des Heilwassers veranlasste die Krankenkassen dazu, die Trinkkur anzuerkennen - als einziges Angebot dieser Art in Bayern.

Fremdwasser dringt ein

Das Bildmaterial ist aber nicht das einzige, was die Fachleute erheben. Bei der Kalibermessung lässt Kunze ein weiteres Gerät in die Tiefe. Drei bewegliche Arme, die sich ausklappen lassen, erfassen die Beschaffenheit des Bohrlochs. Gibt es Verformungen des Rohrs? Wo haben sich Ablagerungen gebildet? Denn seit einigen Jahren lässt sich eine geringe Menge an Fremdwasser im Georgi-Sprudel nachweisen. Die Stadt möchte wissen, woher die Vermischung des Heilwassers stammt.

Auch die Temperatur, der Salzgehalt und die Leitfähigkeit des Wassers werden in unterschiedlicher Tiefe gemessen. Hoffmann erklärt: "Jedes Wasser hat eine andere Leitfähigkeit. So kann man bestimmen, wo sich die Zusammensetzung des Wassers ändert." Bis die Ergebnisse vorliegen, vergehen aber noch einige Monate. "Wir können noch gar nichts sagen", betont Platen - außer natürlich, dass die Tiefe des Georgi-Sprudels auf 539 Meter revidiert werden muss.

Um mit der Untersuchung überhaupt starten zu können, mussten sich die Fachleute übrigens mit einem Trick behelfen. Erst in einer Tiefe von 47 Metern verengt sich das Bohrloch nämlich auf einen Durchmesser von 12,5 Zentimetern. Um den Eingang in das wesentlich engere Rohr zu treffen, installierten sie ein Behelfsrohr, durch das die Messtechnik in die Tiefe gelassen wird. Dabei war Vorsicht geboten. "Das ist ja ein Schatz der Stadt Bad Brückenau", sagt Platen über den Georgi-Sprudel. Die Vorbereitung nahm dann auch den ganzen Montag in Anspruch. Die Untersuchungen dauerten bis Mittwoch.

554 Meter war der Georgi-Sprudel bei seiner Bohrung im Jahr 1907 tief. In den 1960er Jahren wurde er neu gebohrt.

539 Meter erreichte die Messtechnik bei der Untersuchung. Vermutlich haben sich Ablagerungen gebildet.

113 Jahre ist der Georgi-Sprudel alt. Das Heilwasser ist mit 915 Milligramm pro Liter besonders reich an Kalzium.