Sonja Köhler wohnt gern in der Alten Schule. Ja, es ist ein in die Jahre gekommenes Gebäude und nicht isoliert: Es dauert eine Weile, bis es drinnen warm wird. Aber die ruhige Lage, die netten Nachbarn, der Garten und der Blick ins Grüne gleichen das locker aus. "Ich bin zufrieden und tät' noch ewig hier wohnen", sagt Köhler.

Doch wie lange die Unterleichtersbacherin noch bleiben darf, steht in den Sternen. Geht es nach dem Gemeinderat, dann sind die Tage der Alten Schule gezählt. Bürgermeister Dieter Muth teilte Köhler nach deren Angaben kürzlich mit, dass ihr Wohnhaus abgerissen wird. Ob in einem Jahr, ob früher oder später, weiß sie nicht.

In der Bürgerversammlung am Mittwoch präsentierte Muth einen Vorentwurf für ein Dorfgemeinschaftshaus. Dort sollen künftig die komplette Feuerwehr und die örtlichen Vereine unterkommen, deren Domizil ja bisher die Alte Schule ist. Das Gebäude, dessen Wurzeln bis in die 1840er-Jahre zurückreichen (siehe Infokasten) und das auch als Wahllokal diente, müsste dafür weichen.

Muth begründet diese Pläne so: Der Erhaltungszustand des Gebäudes sei nicht gut; es sei eine Energieschleuder. Die Toilettenanlage müsste dringend erneuert werden. Der Gemeinschaftsraum sei zu klein. Auf einer Seite des Hauses bröckele die Decke derart, dass sie vom Keller her abgestützt werden müsse. Weswegen Nebenräume nicht nutzbar seien. "Man müsste viel Geld in den nicht denkmalgeschützten Bau stecken. Dann haben wir aber immer noch kein Feuerwehrhaus", sagt der Bürgermeister.

Denn auch bei den Unterleichtersbacher Floriansjüngern drückt der Schuh. Nicht nur, dass sie bei ihren Sitzungen - sofern sie in Corona-Zeiten stattfanden - die Nachteile der Alten Schule spürten. Ihr Gerätehaus in der Bernbrunner Straße entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen, berichtet auch Oliver Schaub, Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Es sei "stark renovierungsbedürftig". Die Grundidee sei, Gerätehaus und Schulungs- beziehungsweise Gemeinschaftsraum in einem Gebäude zusammenzufassen.

Im von Dieter Muth vorgestellten Vorentwurf sieht das so aus: oben die Halle für Feuerwehrfahrzeug und Geräte, unten Raum für Vereinsleben, sowohl der Floriansjünger als auch der Mitglieder örtlicher Vereine. Einen Kostenrahmen kann der Bürgermeister noch nicht nennen.

Er verteidigt den angedachten Standort des Gemeinschaftshauses. Dieser liege im Innenbereich des Ortes, wo die Gemeinde ansonsten über kein Grundstück in der Größe verfüge. Alle Nutzungen wären in einem Gebäude gebündelt und nicht auf mehrere verteilt. Zwar sei über Standorte außerhalb nachgedacht worden. Etwas Passendes war nicht dabei.

"Entschieden ist aber noch gar nichts", betont Dieter Muth. Zwar habe der Gemeinderat beschlossen, dass die Alte Schule wegkommt, wenn das Gemeinschaftshaus entsteht wie angedacht. Doch sei das vorläufige Konzept erst mal an die Regierung von Unterfranken geschickt worden. Die Behörde soll prüfen, ob sie staatliche Zuschüsse locker machen kann - auch aus Töpfen, die die Förderung von Feuerwehren betreffen. "Im Laufe des Sommers wissen wir mehr", schätzt Muth.

Die Unterleichtersbacher und ihre Vereine scheinen diese Pläne mittragen zu wollen. Oliver Schaub bedauert zwar, dass mit der Alten Schule ein ortsbildprägendes Gebäude wegkäme. Es sei aber nicht besonders schutzbedürftig und erhaltenswert, der Bauzustand schlecht. "Wir als Feuerwehrverein unterstützen den kompletten Neubau."

Werner Milotta vom Verein für alte Bräuche, der jüngst erstmals seit Corona wieder in der Alten Schule tagte, äußert sich ähnlich. Die Bausubstanz sei zu schlecht, eine Sanierung zu teuer, die Einteilung der Räume nicht optimal. "Von der Seite her wäre es super, wenn wir etwas Neues bekommen würden."

Und Sonja Köhler? Hofft, dass man ihr geliebtes Wohndomizil mit einigen Investitionen erhalten kann. Dann müsste sie nicht irgendwann umziehen.