Viel Schnee und auch Regen fiel in den vergangenen Tagen. Das wird ein wenig dazu beitragen, die Reserven des Grundwassers wieder aufzufüllen. Genug aber ist es längst noch nicht. Inzwischen gibt es mehrere Projekte und Untersuchungen, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Rhön beschäftigen. Dabei geht es um konkrete Themen wie eine nachhaltige Trinkwasserversorgung, die Erhaltung der Hochmoore oder die Frage, ob der Großraum Fulda zukünftig mit Trinkwasser aus der Rhön versorgt wird. Doch wie ernst ist die Situation wirklich?

Christian Zang, der aus dem Umland von Aschaffenburg stammt, leitet eine Nachwuchsforscher-Gruppe der Technischen Universität München, die den Klimawandel, Klima-Extreme und das Baumwachstum untersucht. Für ihn ist es ein Leichtes, aus den Daten des Deutschen Wetterdienstes zu errechnen, wie viel Niederschlag in einer Region gefallen ist - und ob das reicht, um den Verbrauch der Vegetation zu decken.

Auf Bitten seines Onkels Franz Zang, Vorsitzender der Kreisgruppe vom Bund Naturschutz, analysierte er die Situation im Landkreis Bad Kissingen. Dabei wird deutlich: Im gesamten Landkreis fällt die klimatische Wasserbilanz negativ aus. Im Markt Zeitlofs bis in die Gemarkung Oberleichtersbach hinein und auch bei Oberwildflecken fällt das Defizit besonders hoch aus. "Das heißt aber nicht, dass alle Pflanzen schon bald vertrocknen", stellt Zang klar.

Wald gleicht Defizit aus

Die klimatische Wasserbilanz wird aus der Differenz zwischen dem Niederschlag und der potenziellen Verdunstung berechnet. Ein negativer Trend über die Zeit bedeutet demnach, dass die Niederschläge den Verdunstungsbedarf zunehmend weniger decken können. Ein Grund für diese Entwicklung liegt darin, dass sich die Vegetationsperiode durch den Klimawandel verlängert: Es wird etwas eher Frühling und im Herbst kommt die Natur erst später zur Ruhe.

Doch was länger grün ist, benötigt auch mehr Wasser. Die Fotosynthese, mit der Pflanzen Kohlendioxid und Wasser in Biomasse und Sauerstoff umwandeln, verliert im Herbst an Bedeutung, weil das Licht fehlt. "Fotosynthese ist nicht mehr so gut möglich, die Blätter hängen aber noch, und der Baum transpiriert weiter", erklärt Zang. Ein wesentliches Kriterium müsse dabei allerdings beachtet werden: Die Berechnung geht von offenem Land aus. "Ein guter Boden mit einer guten Speicherkapazität kann das noch gut ausgleichen", sagt Zang. Deshalb ist der Wald so wichtig.

Allerdings machen die Klimaveränderungen auch vor den Bäumen nicht Halt. Überall im Landkreis wird der Umbau der Wälder diskutiert oder schon offensiv vorangetrieben. Fichten halten den wärmeren Temperaturen oftmals nicht mehr stand. An der Mottener Haube vertrockneten zuletzt die Buchen. Die Wurzeln bekamen wegen des felsigen Untergrunds nicht mehr genug Wasser. Zunehmend trocknen Quellen, selbst in der Hochrhön, aus, so dass das Biosphärenreservat Rhön ein länderübergreifendes Quellen-Monitoring plant.

Sich den Bedingungen anpassen

Seit Februar 2019 läuft bereits das Projekt Klimaanpassung im Biosphärenreservat Rhön. Das Ziel ist es, Strategien zu erarbeiten, damit Forst, Landwirtschaft und Gewässer besser auf die Veränderung des Klimas vorbereitet sind. Denn durch Starkregen erodieren die Böden. Eine längere Vegetationsperiode bedeutet auch, dass sich Schädlinge besser entwickeln und so länger an (Nutz-) Pflanzen laben können. Wenn Landwirte aber Erosionsschutzstreifen anlegen oder Schutzhecken pflanzen, beugt das vor. Gezielter Humusaufbau und die Verkleinerung großer Anbauflächen - beispielsweise in Hanglage - schlagen Experten ebenfalls vor, um dem Schwund guter, nährstoffreicher Böden zuvorzukommen.

Im zurückliegenden Sommer startete die Goethe-Universität Frankfurt zudem eine Untersuchung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserversorgung im Biosphärenreservat. Anfang November endete eine Befragung der Bevölkerung dazu. Die Forscher interessiert, ob die Einheimischen wahrnehmen, dass Wasserressourcen langsam knapp werden - und wer aus ihrer Sicht dafür verantwortlich ist. Auch hier geht es darum, Ideen für eine Anpassung an den Klimawandel und eine nachhaltige Wasserversorgung zu entwickeln. Ergebnisse der Wissenschaftler sollen bis zum Jahr 2022 vorliegen.

Noch also gleicht der Wald aus, dass schon seit Jahren zu wenig Niederschlag fällt. Wie lange das aber reicht, weiß wohl niemand. Dabei zählt die Rhön im trockenen Unterfranken noch zu den Gegenden, wo es häufiger regnet als anderswo.