"Sie kommen"! Blasmusik klingt durch das Dorf. Ein Fahrzeug mit der Aufschrift "Achtung Wallfahrer" biegt um die Ecke, und dann zeigen sich Fahnen, begleiten ein Pilgerkreuz, und dahinter ziehen in langer Reihe, durchnässt und trotzdem singend und betend, die Wallfahrer der Kreuzbruderschaft Arnstein hinauf zur Kirche. Seit geraumer Zeit warten gut zwei Dutzend Aschacher auf "ihre" Wallfahrer, der Dauerregen kann sie nicht abhalten, die Pilger schon beim Einzug in Empfang zu nehmen.

Im Wanderhemd und mit nassen Hosenbeinen segnet Pfarrer Tadeusz Falkowski in der Kirche die mitgetragene Wallfahrtskerze, bedankt sich für die gastfreundliche Aufnahme und schließt: "Wir alle freuen uns auf Aschach".
Danach strömen die Wallfahrer zum Zentplatz. Alles wuselt durcheinander, neben den Wallfahrern stehen die Gastfamilien mit ihren Fahrzeugen zum Abholen bereit, vom "Marodiwagen" werden Taschen und Koffer entladen, und mittendrin sorgen Wallfahrtsführer Edwin Hofmann und Elisabeth Hein, Organisatorin der Unterkünfte in Aschach, für die Zuteilung der Quartiere.


"Herbergsmutter"

Elisabeth Hein schmunzelt, wenn sie von manchen Arnsteinern liebevoll "Herbergsmutter" genannt wird. Über drei Jahrzehnte schon kümmert sich die ehemalige Bankkauffrau um die Unterbringung der Wallfahrer. Sie freut sich wie viele andere Gastfamilien jedes Jahr auf den August, wenn die Arnsteiner auf ihrem Weg zum Kreuzberg in Aschach Quartier nehmen. Viele kommen immer wieder, man kennt sich. "Da haben sich echte Freundschaften entwickelt", meint sie. Und weil sowohl auf dem Marsch zum Kreuzberg als auch auf dem Rückweg in Aschach Station gemacht wird, ist halt zwei Mal Gelegenheit zum Plaudern.


Vier Wochen Vorbereitungszeit

Frau Hein spielt den Aufwand ein wenig herunter: "Aber so vier Wochen brauche ich schon, bis ich meine Liste abtelefoniert habe", und fügt hinzu: "Na ja, gut 400 Übernachtungen wollen halt organisiert sein". Pilgerführer Hofmann lacht: "Ohne die Elisabeth sähen wir ganz schön alt aus."

Meist sind es die selben Familien, die ihre Gästezimmer zur Verfügung stellen. Manche räumen ihr Schlafzimmer um, stellen zusätzliche Betten hinein, schlafen selbst auf dem Sofa. "Die Neugebauers die haben ein großes Haus, die beherbergen 16 Gäste", sagt einer. Traudel Menzel und Sohn Thomas übernachten seit vielen Jahren bei Familie Elisabeth und Walter Hein. Die Gastfreundschaft in dem Idyllischen Haus, der ehemaligen Hilfsmühle auf der kleinen Insel in der Aschach, haben die beiden Familien zu Freunden werden lassen. Die Bindung zu den Gastfamilien ist oft so groß, dass sich Paare, die inzwischen geheiratet haben, für die beiden Nächte in Aschach trennen, um jeweils bei den althergebrachten Familien zu übernachten weiß Walter Hein zu berichten.


Vier tage aus dem Alltag raus

Im Jahre 1647 wurde die Kreuzbruderschaft Arnstein gegründet, es ist die 366.Walllfahrt zu Frankens Heiligem Berg, sagt Vorsitzender Edwin Hofmann. Der 63 jährige führt den Pilgerzug seit 13 Jahren an. Gemeinsam ein Glaubensbekenntnis abzulegen, das sei einer der Beweggründe für die rund 700 Mitglieder. Für die Wallfahrer bedeute es innere Einkehr, sich vier Tage aus dem Alltag auszuklinken, um die 124 km auf den Kreuzberg unter die Füße zu nehmen, beschreibt der ehemalige Vertriebsleiter einer Fertighausfirma die Motive der Mitglieder.


Großartiges Gefühl

Dazu kommt, dass es ein großartiges Gefühl ist, die Stufen hinauf zu den drei Kreuzen zu nehmen." Die Bruderschaft organisiert in Arnstein auch die Übernachtung der "Würzburger Bruderschaft vom Heiligen Kreuz", die mit rund 500 Personen zum Kreuzberg zieht und erst am Freitag in Arnstein übernachtet hat.

Für die weiteren Tage wünscht sich Edwin Hofmann besseres Wetter: "Vor allem der immer wieder auftretende Starkregen hat uns zugesetzt. Sogar die Musik konnte nicht spielen." Man hoffe, den nächsten Gottesdienst unter freiem Himmel am sogenannten "Roten Kreuz" vor Premich halten zu können, bevor es hinauf zur Klosterkirche geht. Übrigens: Das gemütliche abendliche Zusammensein mit Blasmusik am Abend im Kloster mag auch ein Motiv sein, sich den Strapazen einer Wallfahrt zu stellen.