Laut Förster Joachim Dahmer ist sie keine Seltenheit in unseren Breiten. Dennoch ist man überrascht, wenn die orangefarbene, relativ große Raupe den Weg kreuzt. So geschehen vor wenigen Tagen am Weg zur Aschachquelle. Dort bewegte sich ein Prachtexemplar - etwa acht Zentimeter lang und etwa einen Zentimeter dick - am Wegrand entlang. Und das mit einem ordentlichen Tempo. Rasch wurde das Handy gezückt und das seltsame Tier abgelichtet, bevor es im Gras verschwand.
Bei der Recherche im Internet stellt sich heraus: Es handelt sich um die Raupe eines Weidenbohrers.
Das Insekt ist ein Nachtfalter und entsprechend in der Dämmerung sowie Nacht aktiv. Seine Flügel sind graubraun gefleckt, der Körper kann bis zu zehn Zentimeter groß werden und ist behaart. "Schädigend wirken aber nicht die Falter selbst, sondern deren Raupen", ist auf der Internetseite www.gartenlexikon.de nachzulesen. Diese entwickeln sich innerhalb von zwei bis vier Jahren in der Rinde von Laubgehölzen, vorwiegend in Weiden, befallen aber auch andere Gehölzarten, darunter Birne und Apfel. "In der Regel werden kranke und schwache Bäume in Gegenden mit fließenden Gewässern, feuchten Wiesen oder Parkanlagen, selten auch Mischwälder befallen", so der Autor weiter.
In den Wäldern des Marktes Burkardroth kommt der Nachtfalter auch vor, stellt aber laut Gemeindeförster Joachim Dahmer keine ernst zu nehmende Gefahr dar. "Interessant ist die Art aber wegen der Verwechslungsmöglichkeit mit der Raupe des sehr gefährlichen, eingeschleppten Asiatischen Laubholzbock- kurz ALB genannt", erklärt der Fachmann auf Nachfrage dieser Zeitung. Dessen Raupe ist ähnlich dick, wie die des Weidenbohrers, und weist ebenfalls ein Nackenschild auf. Die beiden unterscheiden sich jedoch in Farbe und Länge. Der exotische ALB wurde bereits an einigen Stellen in Bayern, den Landkreisen München, Kelheim und Günzburg, gefunden, was umfangreiche Quarantäne-Maßnahmen nach sich zog. "Das Insekt ist in Nordbayern bisher noch nicht aufgetreten, aber wir müssen wachsam sein", so Dahmer. Je früher es entdeckt würde, um so schneller kann eine Ausbreitung verhindert werden.
Der Asiatische Laubholzbock ist, wie sein Name schon sagt, ein aus Asien stammender Baumschädling. Von den heimischen Bäumen sind bei uns fast alle Laubholzarten gefährdet. Der Käfer befällt gesunde Bäume und kann diese im schlimmsten Fall sogar zum Absterben bringen. "Es gilt, die weitere Verbreitung des Schädlings auf Grundlage des neuen EU-Durchführungsbeschlusses 2015/893 vom 09. Juni 2015 zu verhindern. Der Fund eines Asiatischen Laubholzbockkäfers ist meldepflichtig", weist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft auf seiner Internetseite hin. Eingeschleppt wurden der Käfer und seine Larven vermutlich über Holzimporte aus China und Indien, aber auch über Holzpaletten, in denen beispielsweise Granit für Grab- oder Dekorsteine transportiert wurden. Um die Schädlinge schon bei der Kontrolle der eingeführten Produkte aufzuspüren, hat das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sogar extra Spürhunde-Teams ausgebildet, die bei einem Befall den ALB schnell finden können.
Doch aktuell bereitet den Forstleuten vielmehr ein einheimischer Schädling große Sorgen - der Borkenkäfer. "Ich war vor Kurzem auf einem Lehrgang in Mittelfranken am Hesselberg. Da unten sieht es jetzt schon schlimm aus", so der Förster Dahmer. Hier bei uns hingegen sei die Sache noch relativ überschaubar. Im Gemeindewald des Marktes Burkardroth hätten er und seine Mitarbeiter für einen "sauberen Wald" gesorgt. "Alles noch lagernde Fichtenholz ist abgefahren, neues haben wir keins eingeschlagen, die wenigen einzelnen Käferbäume die bisher gefunden wurden, sind alle beseitigt", schildert Dahmer.
Im Privatwald des Marktes hat er etwa 50 Besitzer zum Aufarbeiten angemahnt. Etwa die Hälfte davon habe inzwischen alles sauber aufgearbeitet. "Bei einigen Flächen konnte das Holz noch nicht herausgerückt werden, weil die Böden zu nass waren", fügt er hinzu. In den nächsten zwei Wochen soll laut Dahmer auch ein Vollernter zur Käferholzaufarbeitung im Privatwald eingesetzt werden. Allerdings räumt der Forstwirt auch ein, dass es einzelne säumige Besitzer gebe, die noch gar nicht gehandelt hätten. "Dagegen wird unser Amt nun mit rechtlichen Mitteln vorgehen." Eine Prognose, wie stark die Waldgebiete des Marktes Burkardroth vom Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen sind, kann Dahmer momentan nicht abgeben. "Wenn es während des Sommers immer wieder ergiebige Regenfälle gibt und kein neuer Trockenstress für die Bäume entsteht, könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen", sagt er. Wird der Sommer jedoch wieder heiß und trocken, könne das Ganze auch katastrophale Ausmaße annehmen.