Kate (16) aus Charkiw und Margerita (17) aus Sumy sind mit Familienangehörigen aus der Ukraine geflohen. Sie sind zum ersten Mal an der Staatlichen Berufsschule in Bad Kissingen und wohnen zurzeit in Machtilshausen und Oberthulba. Wir wollten wissen, wie sich ukrainische Jugendliche die Zukunft vorstellen und wie die Eingliederung an den Schulen klappt.

Wir sprechen auf Englisch. Kate hatte in der Schule zwar zwei Jahre Deutsch, versteht also in groben Zügen etwas, wenn man auf Deutsch spricht. Das Gespräch läuft auf Englisch aber flüssiger. Kate besucht den Online-Unterricht bei ihren ukrainischen Lehrern. Das funktioniere sehr gut, sagt sie. In der Ukraine war sie in der letzten Klasse, kurz vor ihrem Abschluss. "Mein Traum ist es, Architektur zu studieren", sagt die 16-Jährige. "Aufgrund des Krieges weiß ich nicht, wo ich studieren kann."

Margerita geht es ähnlich. Sie will etwas in Richtung Wirtschaft studieren. Beide würden gerne erstmal in Deutschland bleiben. Damit sind sie aber nicht der Regelfall.

Jugendliche oft mitten in der Ausbildung

Viele der 29 Jugendlichen, die die Berufsschule an diesem Tag befragt, wollen möglichst bald wieder in die Ukraine zurück. Dies erfuhren Lehrerinnen und Sozialpädagogische Betreuerinnen der Berufsschule und des bfz Schweinfurt, als sie die ukrainischen Schülerinnen und Schüler Fragebögen ausfüllen ließen. Die Bögen fragten etwa ab, in welche Schule und Klasse die Jugendlichen in der Ukraine gingen, welche Zeugnisse sie haben und welche Sprachen sie sprechen.

Viele unterschiedliche Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen

Die Jugendlichen, die vor ihnen sitzen, haben alle ganz unterschiedliche Vorstellungen, berichten die Lehrerinnen. Ein Junge wolle, sobald er 18 Jahre sei, zurück in die Ukraine - zum Kämpfen. Ein Mädchen habe geäußert, es wolle auf gar keinen Fall mehr in die Schule gehen, obwohl sie in der Ukraine gute Noten gehabt habe. Ein anderes Mädchen wolle dagegen unbedingt Deutsch lernen. Manche machten gerade ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin, zur Konditorin, zur Friseurin oder zur Kosmetikerin.

Wenn die Jugendlichen hierbleiben wollen, muss geklärt werden, wo und wie die Schüler ihre Ausbildung fortsetzen oder wie es für sie weitergeht. Ob die in der Ukraine erworbenen Kurse und Ausbildungen von deutschen Behörden anerkannt werden, ist unklar.

Zweit- mit Sechstklässler zusammen

An der Grundschule in Wildflecken habe man darauf aufbauen können, dass es sowieso schon eine Gruppe für Kinder gab, die Deutsch als Zweitsprache lernen, berichtet Rektorin Christiane Helfrich. Es sind Kinder etwa aus Syrien, Afghanistan, Bulgarien oder Mazedonien. Zu diesen kommen nun die ukrainischen Kinder. Unterricht werden sie von einer Lehrerin, die speziell für Deutsch als Zweitsprache ausgebildet ist. Diese werde von einer Honorarkraft unterstützt.

Beide würden kein Ukrainisch sprechen, das sei aber kein Problem. "Die Kollegen müssten andernfalls ein zwölf Sprachen-Talent sein." Die Verständigung laufe über Bildsprache. Bei zu großen Sprachhürden gebe es Tablets, die beim Übersetzen helfen.

In der Willkommensgruppe sitzen Zweitklässler mit Sechstklässlern zusammen. Das bedeutet viel Arbeit für die Lehrerin, denn diese muss je nach Lernstand der Kinder, die Aufgaben in zahlreichen Ausfertigungen vorbereiten. Unterrichtet werden die Kinder in Deutsch, Mathe und teilweise Englisch. Einige müssen außerdem erst noch die lateinischen Buchstaben lernen.

Herantasten an die Bedürfnisse der Kinder

Auch an der Bad Kissinger Realschule und am Gymnasium bildeten die Lehrkräfte für ukrainische Schüler nach den Osterferien "Willkommensgruppen". Diese hatte es in Bad Kissingen davor nur an der Mittelschule gegeben. "Die ersten Wochen sind ein Herantasten", sagt Schulleiter Markus Arneth vom Jack-Steinberger-Gymnasium. Die Schüler machten einen sehr disziplinierten und dankbaren Eindruck, dass es von der Schule ein Angebot gebe. "In die Seele kann man nicht reinschauen."

Beim Elternabend und im Gespräch mit den Lehrkräften sei deutlich geworden, dass es nicht verstärkt das Bedürfnis gebe, Deutsch zu lernen. Viele Familien hätten vor, bald wieder zurückzugehen.

Anfang der Woche waren neun ukrainische Schülerinnen und Schüler ins Jack-Steinberger-Gymnasium gekommen. Bis zu 20 Schüler passen in eine Willkommensgruppe. In Bad Kissingen am Gymnasium ist also derzeit noch Platz. Das Angebot ist freiwillig. Die Schulpflicht greift ab einem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland.

Anmerkung: In einer alten Version des Artikels war zunächst zu lesen, dass ein Teil der Mitarbeiterinnen für das BBZ Münnerstadt arbeite. Diesen Fehler haben wir ausgebessert, es handelt sich nicht um Mitarbeiterinnen vom BBZ, sondern um Mitarbeiterinnen des bfz Schweinfurt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen (04.05.2022, wns)