Bad Kissingen — Für Markus Stockmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Der Gegenstrom", steht fest: "Wenn der Antrag auf Bundesfachplanung erst einmal gestellt ist, ist es zu spät." Deshalb hörte er beim Besuch von Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, in Bad Kissingen ganz genau hin: "Die Bundesnetzagentur rechnet mit einem Antrag Ende Oktober, Anfang November", ssagt Stockmann.
Am Rande des Treffens übergaben Landrat Thomas Bold und der Vorsitzende des Vereins Rhön-Link., Jochen Vogel, Franke 9500 Unterschriften gegen die geplante Stromtrasse SuedLink.

Ergebnisse der Info-Märkte

Laut Franke will Tennet vor dem Antrag auch die Ergebnisse der Info-Märkte vorstellen. "Wir sind noch dabei die 2000 Hinweise abzuarbeiten", sagte Thomas Wagner, Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet, gestern auf Nachfrage. Voraussichtlich im September soll dann das Ergebnis vorgestellt werden - "bevor wir den Antrag einreichen". Orte und Termine würden rechtzeitig veröffentlicht.
Bei den Info-Märkten handelt es sich laut Franke um informelle Termine von Tennet, der erste wichtige Termin in der Bundesfachplanung seien die so genannten Antragskonferenzen. "Wie viele es geben wird, ist noch nicht festgelegt, aber es werden sicher mehrere sein." Die Anfahrtswege für Betroffene sollten nicht länger als 50 Kilometer sein. Franke rechnet deshalb mit einer Veranstaltung in Unterfranken. Ort und Zeit werde die Bundesnetzagentur rechtzeitig bekannt geben.
Vieles an Südlink ist Neuland: Mit der Bundesfachplanung gibt es ein völlig neues Verfahren, gegen das Rechtsmittel nur ganz am Ende und an höchster Stelle, nämlich beim Bundesgerichtshof, möglich sind. Und: "Ein derartiges Leitungsbauprojekt hat es in Deutschland bislang nicht gegeben", kommentiert Franke die mindestens 650 Kilometer lange Stromtrasse.
Zu den Zuständigkeiten sagte Franke, dass Tennet sämtliche Unterlagen erarbeite und die Bundesnetzagentur am Ende prüfe, ob alle möglichen Korridore einbezogen waren und nach welchen Kriterien entschieden wurde. Tennet sei Bauherr. Das untersuchte Gebiet habe in der Mitte Deutschlands von Bielefeld bis Magdeburg gereicht. "Hier im Landkreis Bad Kissingen engt sich die Wahlfreiheit natürlich ein wegen des Endpunktes in Grafenrheinfeld."

Bündelungsgrundsatz gilt

Und die zweite geplante Leitung von Grafenrheinfeld nach Mecklar? "Man kann das eine Projekt nicht planen, ohne im Hinterkopf zu haben, dass es im Bundesbedarfsplan noch ein Projekt gibt, das in der Nähe verläuft", sagte Franke. Vor allem dürften keine "negativen Zwangspunkte" geschaffen werden. Franke verwies auf den Bündelungsgrundsatz, nach dem große Infrastruktur-Projekte wie Autobahnen und Stromtrassen möglichst nahe beieinander verlaufen sollen. Aber: "Es sind immer Ausnahmen möglich."