"Es wird laut" stand in der Ankündigung für den erstmals bundesweit durchgeführten Warntag, der am Donnerstag, 10. September, um 11 Uhr stattfand, um die Bevölkerung für unterschiedliche Warnmöglichkeiten im Katastrophenfall zu sensibilisieren. Sicherheitshalber wurden Besprechungen verschoben und Tierhalter, die empfindliche Schützlinge haben, hatten diese in abgedunkelte Räumen untergebracht. Doch das war zuviel der Ehre. Der Heulton war - wenn überhaupt - eine Minute lang zu hören. Einmal hoch und runter in der Tonleiter. Der Entwarnungston fehlte komplett. In vielen Ortschaften war sogar garnichts zu hören. Das lag jedoch keineswegs daran, dass vielleicht etwas nicht funktioniert hat, wie einige vermutet haben - zumal das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) durchaus Pannen eingeräumt hat. Offenbar konnten wegen der "nicht vorgesehenen zeitgleichen Auslösung eine Vielzahl von Warnmeldungen nur verspätet zugestellt werden".

Nicht so bei uns. "Wir haben das Signal im ganzen Landkreis Bad Kissingen ausgelöst, wie es von der zuständigen Stelle - in diesem Fall das Landratsamt - gewünscht wurde", bestätigt Klaus Wörner, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (kurz ILS) nach dem Probealarmt auf Nachfrage der Zeitung. Lediglich den Entwarnungston gab es nicht, da die Bevölkerung bereits im Vorfeld über die Presse informiert worden war. Entwarnung gab es lediglich in den Apps wie Nina oder Katwarn, die dem Bevölkerungsschutz dienen. Dort wurde die Entwarnung durch die Kreisverwaltungsbehörden ausgelöst, erläutert Wörner.

Viele Sirenen sind abgebaut

Trotzdem war in vielen Ortschaften des Landkreises nichts zu hören und das lag schlichtweg daran, dass "viele Gemeinden ihre Katastrophenschutz-Sirenen bereits abgebaut haben". Dank Internet, Fernsehen und Radio seien die Sirenen nicht mehr unbedingt nötig, so Wörner. Laut Martin Hammer von der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Bad Kissingen gibt es diese Warndienst-Sirenen nur noch in Bad Kissingen und seinen Stadtteilen, Markt Elfershausen, Markt Euerdorf, Fuchsstadt, Hammelburg mit Stadtteilen, Markt Maßbach, Gemeinde Oerlenbach, Ramsthal, Rannungen, Markt Sulzthal und Gemeinde Thundorf. "Viele wurden wieder installiert, weil die Orte im 25-Kilometer-Umkreis des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld liegen", erklärt Hammer.

Es handele sich dabei um eine andere Auslösung als die Feuersirenen, die stets einmal im Monat samstags geprüft werden. "Dabei handelt es sich um einen Dauerton mit zwei Unterbrechungen", informiert Kreisbrandinspektor Harald Albert auf Nachfrage. Doch auch die treten immer mehr in den Hintergrund. Zwar werden die Feuersirenen bei vielen Feuerwehren noch zusätzlich benutzt. Die meisten Alarmierungen erfolgen jedoch still. In der Kernstadt Bad Kissingen gebe es 60 Funkmelder, doch "auch die sind eigentlich nicht mehr zeitgemäß", so Albert. Und: "Wir machen viel über Handy". Man habe einen Anbieter aus dem Landkreis. Technisch sei da heutzutage alles möglich. Im nächsten oder übernächsten Jahr soll ferner die digitale Alarmierung folgen.

Via Handy können die Feuerwehrleute direkt über die Art des Einsatzes informiert werden, ihre Teilnahme durch einen Klick zu- oder absagen und zum Beispiel der Kreisbrandinspektor genau bestimmen, wer welche Details benötigt und wie viele Leute vor Ort gebraucht werden.

Zwar gebe es in der Kernstadt Bad Kissingen sieben, in den Stadtteilen acht Sirenen, aber "wegen der Kur wurden die Sirenen nie benutzt", weiß Albert. Früher habe jeder Feuerwehrmann im Haus eine Glocke gehabt, die von den Stadtwerken geschaltet wurde. Da habe dann bei jeden Einsatz ein Licht aufgeleuchtet. "Das hatte schon mein Vater und ich sogar selbst noch", erzählt er. 1992 oder '93 habe man die Sirenen abgebaut und später wegen des AKW wieder aufgebaut.

Im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld fand übrigens kein Warntag statt. Dort habe man darauf verzichtet, weil kein Störfallbetrieb im Einzugsgebiet liege, erklärt Klaus Wörner. Im Landkreis Bad Kissingen wird es jetzt jedes Jahr am jeweils zweiten Donnerstag im September Sirenengeheul zum bundesweiten Warntag sowie einen weiteren Probealarm im September geben, den der Freistaat Bayern landesweit einheitlich durchführt - jedenfalls dort, wo es noch Sirenen gibt.

Zur Info

Verhaltensregeln im Ernstfall: Der Heulton soll die Bevölkerung bei schwerwiegenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit veranlassen, ihre Rundfunkgeräte einzuschalten und auf Durchsagen zu achten, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Für einen solchen Ernstfall gibt es Verhaltensregeln: 1. Achten Sie auf Rundfunkdurchsagen (z.B. im Bayerischen Rundfunk, bei Antenne Bayern beziehungsweise Radio Primaton) und Lautsprecherdurchsagen. 2. Verständigen Sie Nachbarn und hilfsbedürftige Mitbürger (die zum Beispiel der deutschen Sprache nicht mächtig sind oder unter Schwerhörigkeit leiden).