Eigentlich hatte ich vor, Orte im Norden, Süden, Westen und Osten des Landkreises zu erreichen. Doch schon der erste Blick in die App der Deutschen Bahn zeigt, dass ich mein Vorhaben abspecken muss. Bei meinem Zeitkontingent ist nur eine Nord-Süd-Tour realistisch. Der Plan: Von Bad Kissingen nach Hammelburg, von dort nach Bad Brückenau bis nach Motten. Bevor ich aufbreche, überlege ich, ob ich auf der Rücktour über Wildflecken nach Bad Bocklet zurück nach Bad Kissingen fahren kann. Ich bin optimistisch.

Als ich die Redaktion verlasse, ruft mir meine Kollegin nach: "Komm gut wieder. Wenn du irgendwo festhängst, ruf an." So schlimm wird es hoffentlich nicht werden, erwidere ich. Den Kollegen-Notruf will ich nur im äußersten Fall wählen. Die Bahn-App hat mir die Erfurter Bahn EB 50 nach Hammelburg vorgeschlagen. 33 Minuten soll die Fahrt dauern.Vorher besorge ich mir noch ein bisschen Proviant, man weiß ja nie.

Am Bad Kissinger Bahnhof

Etwas gehetzt erreiche ich den Bad Kissinger Bahnhof, zerre noch hastig meine Maske aus dem Rucksack und renne zum Zug. Auf Gleis 3 stehen zwei Waggons. Ich entscheide mich für den hinteren, da ich diesen schneller erreiche. Fast rechne ich damit, dass sich die Tür des Waggons nicht mehr öffnen lässt und der Zug vor meiner Nase wegfährt, aber ich habe Glück.

Als ich auf den Knopf drücke, piept es kurz und die roten Türen des Waggons öffnen sich. Es ist keine Menschenseele im Zug. Das wundert mich nicht. In letzter Zeit habe ich öfter gehört, dass seit Corona die Züge in Bad Kissingen leer bleiben.

Ich lasse mich auf einen Sitz fallen und bin erleichtert: Gerade noch geschafft. Von der Rennerei hat sich Schweiß auf meiner Stirn gebildet. Es ist heiß und ich würde gerne die Maske abziehen, behalte sie aber auf. Der Blick auf die Uhr zeigt: Die Abfahrt des Zuges verzögert sich um zwei Minuten. Komisch.

Niemand im Zug

Ich lasse meinen Rucksack auf dem Sitzplatz liegen - klaut ja jetzt eh keiner - und laufe nach vorne. Als ich beim Führerhäuschen bin, traue ich meinen Augen kaum. Gerade eben stand hier noch ein Waggon. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Der erste Zugteil ist losgefahren, während der zweite Teil mit mir einfach auf dem Gleis stehengeblieben ist.

Ohne Hinweise abgekoppelt

Etwas fassungslos darüber, dass es keine Hinweise gab, dass der zweite Zugteil abgekoppelt wird, suche ich nach einer neuen Möglichkeit nach Hammelburg zu kommen. Als ich aus der Bahn steige, solidarisieren sich sofort zwei Reisende aus Thüringen, die die Szene beobachtet haben: "Das hätte uns auch passieren können", sagen sie schon fast tröstend. Ich lasse kurz Dampf ab, aber ihre nette Art heitert mich direkt wieder auf.

Mit dem Bus nach Hammelburg

Da der nächste Zug erst in einer Stunde fährt, entscheide ich mich für eine Busverbindung. Die Stadtbuslinie 2 fährt mich vom Bahnhof zur Haltestelle Münchner Straße. Beim Berliner Platz steige ich ein paar Minuten später in den Bus 8189 in Richtung Oehrberg Kirche, Burkardroth. Über Garitz, Albertshausen zuckelt das Fahrzeug nach Oberthulba.

Umstieg in Oberthulba

Etwa 20 Minuten sitze ich im Bus. An der Haltestelle "Zum Hellbach" in Oberthulba steige ich um. Nach acht Minuten kommt ein großer Reisebus. Immerhin sind bisher alle Busse pünktlich, stelle ich erfreut fest.

Zwei Frauen steigen mit mir ein, verlassen den Bus bei den nächsten Haltestellen in Oberthulba aber schon wieder. Hammelburg erreiche ich eine Stunde später als geplant.

Zwei Stunden bis nach Bad Brückenau?

Jetzt will ich weiter nach Bad Brückenau. Die App "Wohin du willst" hat mir vorgeschlagen, etwa zwei Stunden mit dem Zug nach Gemünden (Main) zu fahren, dann in Jossa (Hessen) umzusteigen, um nach Bad Brückenau zu fahren.

Aber: Dieser Zug ist nun schon weg, weil ich zu spät bin. Außerdem habe ich ein Bayern-Ticket, mit dem ich nicht nach Hessen fahren darf. [Anmerkung: Nach meiner Tour habe ich von einem aufmerksamen Leser erfahren, dass ich mit dem Bayern-Ticket bis Jossa (Hessen) hätte fahren dürfen, da die nächste Station "hinter der Grenze" noch gültig ist.]

Es hilft nichts. Um nach Bad Brückenau zu kommen, muss ich mit dem Zug zurück nach Bad Kissingen. Eine direkte Verbindung entdecke ich nicht.

In Hammelburg stehen wieder zwei Waggons am Gleis. Diesmal setze ich mich in den vorderen Wagen und hoffe, dass alles klappt. Und tatsächlich: Es fahren beide Waggons. Nach etwa einer halben Stunde bin ich in Bad Kissingen - schon wieder.

Der Umstieg in den Bus nach Bad Brückenau klappt ohne Probleme. Wir fahren an der Realschule und der unteren Saline in Bad Kissingen vorbei, zum Wildpark Klaushof, nach Burkardroth, über Geroda, nach Schondra und Oberleichtersbach.

Wlan im Bus

Neben dem Busfahrer entdecke ich ein Schild: Bayern-Wlan. Mit dem Handy wähle ich mich ins Netz ein und prüfe die Reiserouten, die mir noch offen stehen. Wieder bin ich fast allein im Bus.

Nach fünfzig Minuten komme ich am Bahnhof in Bad Brückenau an. Ursprünglich hatte ich geplant, hier umzusteigen, um nach Motten zu kommen.

Die App sagt: In rund 25 Minuten würde ich mein Ziel erreichen. Das Problem: In Motten müsste ich zwei Stunden auf den nächsten Bus warten - und es ist der letzte an diesem Tag.

In meinem Kopf entwickelt sich ein Szenario: Entweder es fährt kein Bus oder ich stehe unwissend auf der falschen Straßenseite und muss winkend und schreiend dem letzten Bus hinterherlaufen. Lieber nicht. Nachdem was mir am Morgen passiert ist, habe ich darauf keine Lust. Meine Kollegen will ich auch nicht extra anfahren lassen.

Das zweite Problem: Der letzte Bus aus Bad Brückenau nach Bad Kissingen fährt um 18.15 Uhr. Viel zu früh für meinen Geschmack.Wenn der Bus aus Motten nur eine minimale Verspätung hätte, hinge ich in Bad Brückenau fest.

ICE nehmen - eine Alternative?

Ich suche im Internet nach weiteren Alternativen. Um von Motten nach Bad Kissingen zu kommen, schlägt mir die Bahn-App vor, mit dem Bus nach Fulda zu fahren. Dann soll ich mit dem ICE nach Würzburg düsen. Ein letzter Umstieg in Schweinfurt. Ohne Bahncard soll mich die Rückfahrt 44,30 Euro kosten. Diese Summe möchte ich meinen Chefinnen nicht erklären müssen.

Etwas enttäuscht, mein Reiseziel nicht zu erreichen, entschließe ich mich zurückzufahren. Dem Fahrer erkläre ich, dass ich nicht aussteige. Er sagt nur: "Na dann" und fährt mich wieder nach Bad Kissingen.

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