Merkel äußert sich nach Wahl-Fiakso der CDU - und gibt Denkanstoß

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Generalinventur und Neustart bei der CDU nach Wahl-Debakel?
Nach dem Wahl-Debakel der CDU führte Alt-Kanzlerin Angela Merkel Aspekte auf, die die CDU von Konrad Adenauer übernehmen könnte.
Generalinventur und Neustart bei der CDU nach Wahl-Debakel?
Kay Nietfeld/dpa/Henning Kaiser/dpa/Collage: inFranken.de

Was folgt für die CDU aus den demütigenden Wahlschlappen der vergangenen Wochen? Der Kanzler und Parteichef will weitermachen und die geplanten Reformen durchziehen. Es gibt auch andere Stimmen.

Die Bundestagsfraktion der Union berät nach der schmerzhaften Serie von Niederlagen der CDU bei den drei Landtagswahlen im September heute mit Kanzler Friedrich Merz über die Konsequenzen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte von seiner Partei eine schonungslose Analyse und einen Neubeginn. "Das hat auch etwas mit Personen zu tun", sagte er im MDR.

Thüringens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Mario Voigt bezeichnete das Wahl-Fiasko als einen historischen Wendepunkt. Ein Weiter-so könne es nicht geben, notwendig sei eine "Generalinventur der Berliner Regierungspolitik", sagte er am Rande einer Klausur der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz. Dass die CDU, wie jetzt in Mecklenburg-Vorpommern, aus einem Landtag fliege, "das ist eigentlich unvorstellbar". "Normale Menschen" müssten sich das alltägliche Leben wieder leisten können. Tanken, Heizen, Miete, Wohnen und Einkaufen seien zu teuer.

CDU sucht Kurs nach Wahlfiasko - Merz will um Ämter kämpfen

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst, der als ein potenzieller Nachfolger von Merz im Kanzleramt gehandelt wird, betonte auch nach den neuen Wahlniederlagen, dass er Personaldebatten nicht für zielführend hält. "Wir brauchen eine stabile Bundesregierung", sagte er beim "Ständehaus-Treff" der Rheinischen Post. "Wir halten einfach Personaldebatten jetzt nicht für zielführend, nicht für richtig", sagte er und verwies auf die Erklärung der acht CDU-Ministerpräsidenten vom Mittwoch (16. September 2026). Darin hatten die Regierungschefs auf Spekulationen über Merz' Zukunft reagiert und ihm Rückendeckung gegeben. Der Hintergrund: Merz war schon nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen in der eigenen Partei massiv unter Druck geraten.

Auch Merz selbst hatte am Tag nach den krachenden Niederlagen bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin bereits deutlich gemacht, dass er seine beiden Ämter – Kanzler und CDU-Chef – behalten und seinen Reformkurs fortsetzen will.

Darin bestärkten ihn auch die Präsidenten der Arbeitgeberverbände (BDA) und des Industrieverbands BDI, Rainer Dulger und Peter Leibinger. Sie schrieben im Handelsblatt, gefragt seien nun Mut, Konsequenz, Handlungswille und auch Führung. Konkret forderten sie, die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente ab 63, müsse jetzt wie geplant abgeschafft werden.

Merkel erinnert in der Krise an Adenauer

Auch die frühere CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zu dem Debakel bei den Wahlen. "An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken: Was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?", sagte sie bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag. Der erste Kanzler der Bundesrepublik habe aus den Fehlern der Geschichte gelernt, dass es wichtig sei, "Menschen einzuladen, alle Menschen anzusprechen, dass es wichtig ist, sich der eigenen Werte bewusst zu sein". Er habe Brücken für nötig befunden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen, Umwelt und Wirtschaft, Stadt und Land, zwischen den Konfessionen und den Generationen. "Ich würde heute hinzufügen: zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte."

Nur noch jeder Dritte hierzulande sieht die CDU noch als Volkspartei, wie eine YouGov-Umfrage nach den Landtagswahlen belegt. Dagegen sagen 46 Prozent, die Christdemokraten seien dies nicht mehr. Rund 21 Prozent der 1341 Befragten antworteten mit "weiß nicht" oder machten keine Angabe. Am Wahlsonntag, bei dem die CDU teils historische Verluste einfuhr, hatte AfD-Chefin Alice Weidel festgestellt, dass ihre Partei immer breiter in der Gesellschaft verankert sei und die CDU als Volkspartei verdrängt habe.

CSU-Vize Manfred Weber rät, die Bundesregierung solle "jetzt schlicht regieren", statt Personaldebatten zu führen. "Die Debatte über einen Kanzlertausch muss jetzt sofort beendet werden", sagte er der Mediengruppe Bayern. Gebraucht werde eine positive Zukunftserzählung. Zudem erklärte er die bisherige Abgrenzungsstrategie zur AfD für gescheitert. "Wir müssen Schluss machen mit einer theoretischen Brandmauer, sondern endlich beginnen den Brand zu löschen." Es gelte, die innere Zerrissenheit der AfD aufzuzeigen.

Greift Söder die CDU-Krise noch einmal auf?

Auch CSU-Chef Markus Söder könnte sich heute noch einmal zur CDU-Krise äußern. Nach der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion in Bad Staffelstein ist für 12.15 Uhr eine Pressekonferenz geplant, an der er teilnimmt.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Karl-Josef Laumann nannte das Ergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern einen "Weckruf". "Ich glaube aber nicht, dass es jetzt eine Lösung ist, den Kanzler auszutauschen. Sondern die Antwort muss sein: Wir brauchen die Reformen, die erarbeitet worden sind."

Die BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht schrieb dagegen auf X, die Menschen hätten Merz satt. Es zeuge von Realitätsverweigerung und Verachtung gegenüber den Wählern, dass er sich an sein Amt klammere. "Kein Wort der Selbstkritik, kein Zeichen der Demut."

Diese Möglichkeiten gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

In Mecklenburg-Vorpommern stellte sich am Tag nach der Wahl der Parteivorstand der SPD hinter den Vorschlag von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, mit Linken und Grünen über ein Regierungsbündnis zu sprechen. Bisher regieren SPD und Linke in einer Zweierkoalition, die aber nun keine Mehrheit mehr hat. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla Tino Chrupalla signalisierte nach dem Wahlsieg in Mecklenburg-Vorpommern Gesprächsbereitschaft, jedoch fehlen seiner Partei kooperationsbereite Partner.

Nach dem Ausscheiden der CDU aus dem Schweriner Landtag trat Spitzenkandidat Daniel Peters als Landeschef zurück, ebenso Generalsekretärin Katy Hoffmeister. Der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt, Philipp Amthor, soll das Amt kommissarisch übernehmen.

Auch die Berliner Linke setzt nach ihrem Wahlsieg auf einen zügigen Beginn von Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung mit Grünen und SPD. Sollte der dazu am Freitag geplante Parteitag zustimmen, könnten die Gespräche in der kommenden Woche beginnen, sagte Landesgeschäftsführer Bjoern Tielebein. Der Berliner CDU-Landesvorstand nominierte den bisherigen Finanzsenator und Spitzenkandidaten Stefan Evers einstimmig für den Fraktionsvorsitz im Abgeordnetenhaus.

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