Verwirrung um "Timmy": Wende um DNA-Probe des toten Ostsee-Buckelwals

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Die Präsentation einer Kleintierärztin im Fall des Ostsee-Wals "Timmy" hatte nur Verwirrung gestiftet, nun legt ein Experte eine eigene Auswertung der Daten vor. Diese kommt zu einem ganz anderen Fazit.

Update vom 01.09.2026: Buckelwal-DNA-Daten laut Expertenanalyse doch identisch

Nach dem großen Rätselraten über vermeintliche Erkenntnisse zu Buckelwal Timmy aus der Analyse zweier Gewebeproben, bestätigt die Auswertung eines Experten, dass das tote Tier, das vor der dänischen Insel Anholt angespült wurde, tatsächlich Timmy war.  der in einer Art Becken Richtung Nordsee transportiert wurde.

Die beiden analysierten Datensätze zeigten eine Übereinstimmung von etwa 99,91 Prozent, was bedeute, dass sie "praktisch identisch" seien, teilte der Molekulargenetiker Bertram Brenig von der Universität Göttingen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Andere Fachleute bestätigten, dass es sich bei einem solchen Grad an Übereinstimmung um ein und dasselbe Tier handele. Brenig machte keine Angaben zur Herkunft der untersuchten Proben und auch nicht dazu, ob sie sachgemäß behandelt wurden. Seine Analyse beziehe sich rein auf die zur Verfügung gestellten DNA-Daten.

Die Kleintierärztin Kirsten Tönnies, die der privaten Initiative zum Transport des Wals angehört hatte, hatte bei einer Pressekonferenz im Juli erklärt, sie habe Gewebeproben des Wals - vom Schiff und von der Insel Anholt - von einem chinesischen Labor auswerten lassen. Die Abweichungen seien so groß, dass die DNA nicht einmal von derselben Tierart stammen könne, sagte sie, erklärte jedoch zugleich, von DNA-Analysen keine Ahnung zu haben.

Tracker-Signal erlosch vor Anholt

Die Tierärztin Anne Herrschaft, die ebenfalls Teil der Initiative gewesen war, hatte daraufhin direkt betont, sie habe keinerlei Zweifel daran, dass der tot vor Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde. "Er hat Merkmale, die ich auf Anholt erkannt habe." Zudem sei sie dabei gewesen, als Taucher den Tracker vom Wal abnahmen.

Hinzu kommt, dass die Daten des von der Initiative angebrachten und ausgewerteten Senders klar zeigten, dass der Wal nach dem Aussetzen wieder Richtung Ostsee schwamm. Kurz vor Anholt erlosch das Signal - ein Tracker sendet nur an der Wasseroberfläche, sinkt das Tier tot auf den Grund, gibt es keine Übertragung mehr.

Der Buckelwal war am 3. März 2026 in Wismar gesehen worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand gesichtet und er strandete später mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das stark geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde es am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt angespült.

Ursprungsmeldung vom 22.07.2026: Wirbel um DNA-Probe des toten Ostsee-Buckelwals

Zwei Gewebeproben des oft Timmy genannten Buckelwals sollen der Kleintierärztin Kirsten Tönnies zufolge von einem chinesischen Labor ausgewertet worden sein. Die Abweichungen seien dabei so groß gewesen, dass die DNA nicht von derselben Tierart stammen könne, sagte Tönnies, die der Initiative zum Transport des Wals angehört hatte, bei einer Pressekonferenz in Hamburg.

Andere Mitglieder der Initiative widersprachen der Vermutung direkt, womöglich sei der tote Wal gar nicht Timmy gewesen.

Die Tierärztin Anne Herrschaft, die ebenfalls der Initiative angehört hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe keinen Zweifel daran, dass der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde. "Auch wenn es traurig ist, es ist leider unser Wal." Sie habe das Tier zweieinhalb Wochen jeden Tag gesehen. "Er hat Merkmale, die ich auf Anholt erkannt habe."

Kurz vor Anholt erlosch das Signal des Buckelwals

Zudem sei sie auf Anholt dabeigewesen, als Taucher den Tracker von der Rückenflosse des Wals abnahmen. Hinzu kommt, dass die Daten des von der Initiative angebrachten und ausgewerteten Senders klar zeigten, dass der Wal nach dem Aussetzen wieder Richtung Ostsee schwamm. Kurz vor Anholt erlosch das Signal - ein Tracker sendet nur an der Wasseroberfläche, sinkt das Tier tot auf den Grund, gibt es keine Übertragung mehr.

Warum liefert die DNA-Auswertung nun aber angeblich keine klare Bestätigung, dass beide beim Labor eingereichten Proben vom selben Buckelwal stammen? Tönnies gab an, das Labor habe zwei Proben untersucht. Eine sei dem Wal auf der Barge entnommen worden, die andere Probe stamme vom Kadaver des Tiers vor Anholt und sei von jemandem mit nach Deutschland gebracht worden. 

Den Angaben zufolge war eine der Proben in Formalin eingelegt - eine wässrige Lösung von Formaldehyd. Solche Fixiermittel führen bei Raumtemperatur zu einem Abbau von DNA, wie unter anderem eine Studie im Fachjournal "Pathology, Research and Practice" zeigte. Geschädigte DNA kann DNA-Abgleiche stark verfälschen. Je länger das Material in Formalin liegt, desto stärker ist meist die Schädigung.

Tierärztin wird bei Pressekonferenz alleine gelassen

Hinzu kommt, dass die Proben Tönnies zufolge erst spät gekühlt wurden. Für einen DNA-Abgleich ist aber entscheidend, wie die Probe gelagert wurde: Gewebe sollte schnellstmöglich gekühlt, eingefroren oder konserviert werden. Wärme, Feuchtigkeit und Kontamination beschleunigen den Verlust an verwertbarer DNA.

Der Buckelwal war am 3. März im Hafen von Wismar gesehen worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde es am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt angespült. 

Die Geldgeber der Initiative, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, hatten sich schon im Vorfeld von der Pressekonferenz distanziert. Allein Tönnies saß dort, niemand anderes von der Initiative oder aus dem Labor, kein Experte etwa des Meeresmuseums und niemand aus dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns. Auch mit Tierärztin Herrschaft habe sie keinen Austausch mehr, sagte Tönnies.

Ministerium bleibt dabei: Es war Timmy

In einer Reaktion auf die Pressekonferenz erklärte das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns, der bisherige Sachstand gelte unverändert: "Der am Buckelwal angebrachte Satellitentracker wurde bei dem vor Anholt gestrandeten Tier wiedergefunden. Größe und Art des Wals, der Tracker sowie die vom Tracker übermittelten Ortungsdaten und der dokumentierte Bewegungsverlauf ergeben aus unserer Sicht weiterhin ein schlüssiges Gesamtbild."

Grundlage behördlicher Bewertungen seien ausschließlich nachvollziehbare, überprüfbare und wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse anerkannter Fachinstitutionen, betonte das Ministerium.

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Vorschaubild: © Philip Dulian (dpa)